Das US Holocaust Memorial Museum beschreibt die NSDAP als rechtsextreme Partei mit rassistischer und antisemitischer Ideologie. Sie wollte Arbeiter von Sozialismus und Kommunismus abwerben und für ihren Kampf gegen den Marxismus gewinnen. Das Wort „sozialistisch“ im Parteinamen muss vor diesem Hintergrund gelesen werden.
Was Musk veröffentlicht hat
Elon Musk bezeichnet Hitler in einem Beitrag auf X als weit links stehenden Sozialisten. Zur Begründung verweist er auf den Parteinamen. Das Elon Musk Archive datiert den Beitrag auf den 23. Oktober 2026. Musk teilt darin einen Videobeitrag von Brivael Le Pogam, der laut Archiv am 22. Oktober veröffentlicht wurde und dieselbe Einordnung vertritt.
Uns liegen Screenshots vor, die Musks englischen Wortlaut und den geteilten Beitrag zeigen. Der Originalpost auf X war bei unserer Prüfung nicht direkt abrufbar. Wortlaut und Zuordnung stimmen mit dem externen Archiveintrag überein; geprüft wird hier Musks ausdrücklich formulierte Behauptung.
Warum „sozialistisch“ die NSDAP nicht links macht
Der vollständige Name lautete Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Eine politische Selbstbezeichnung allein erklärt jedoch weder die Ziele einer Partei noch ihre Herrschaftspraxis. Die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet den Nationalsozialismus als rechtsextreme Bewegung ein: Er definierte Zugehörigkeit über Abstammung und die rassistischen Vorstellungen der Nationalsozialisten. Unter Hitler entstand eine totalitäre Diktatur, die freie politische Willensbildung ausschaltete.
Auch die sozialen und wirtschaftlichen Forderungen der frühen NSDAP müssen berücksichtigt werden. Ihr 25-Punkte-Programm von 1920 verlangte etwa die Verstaatlichung von Unternehmenszusammenschlüssen und einen Ausbau der Altersversorgung. Das US Holocaust Memorial Museum hält ausdrücklich fest, dass einzelne Forderungen damaligen sozialistischen und kommunistischen Forderungen ähnelten. Zugleich schloss das Programm Juden von der Zugehörigkeit zum deutschen Volk und damit von der Staatsbürgerschaft aus. Die versprochene Gemeinschaft war rassistisch begrenzt.
Solche einzelnen Überschneidungen machen die gesamte Bewegung nicht links. Das Programm verband soziale Forderungen mit extremem Nationalismus und Antisemitismus. Nach der Machtübernahme arbeitete das NS-Regime laut dem Museum überwiegend mit den wirtschaftlichen Eliten zusammen. Die politischen Ziele und die tatsächliche Herrschaft lassen sich deshalb nicht aus einem einzigen Wort im Parteinamen ableiten.
Wie das Regime mit unabhängigen Arbeitnehmervertretungen umging, zeigt der 2. Mai 1933. Laut Deutschem Historischem Museum besetzten SA und Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation die Einrichtungen der im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund organisierten freien Gewerkschaften. Führende Funktionäre wurden verhaftet und das Vermögen beschlagnahmt. Das US Holocaust Memorial Museum dokumentiert außerdem, dass SA und SS schon 1933 Kommunisten angriffen, verhafteten und ermordeten. Diese Verfolgung ergänzt den Befund aus Ideologie und Programm.
Eine verwandte Behauptung hat Mimikama bereits im Faktencheck zum Gespräch zwischen Musk und Alice Weidel vom Jänner 2025 behandelt. Damals hatte Weidel Hitler als Kommunisten bezeichnet.
Einordnung: Warum Musk die Behauptung wiederholt
Wie Musk die historische Behauptung politisch verwendet, zeigt ein älterer Beitrag. In einem auf den 9. August 2026 datierten Archiveintrag bezeichnet er Hitler ebenfalls als weit links stehenden Sozialisten. Anschließend schreibt er: „Therefore, socialists are Hitler“ – sinngemäß: Deshalb seien Sozialisten Hitler. Dazu setzt er ein lachendes Emoji. Auch damals teilt er einen Beitrag von Brivael Le Pogam.
Unsere Einordnung: Hier wird die falsche historische Zuordnung gegen heutige politische Gegner eingesetzt. Wenn Hitler als links dargestellt wird, lässt sich die historische Belastung des Nationalsozialismus der heutigen Linken zuschieben. Gleichzeitig kann diese Umdeutung rechte Akteure von der Verbindung zur NS-Geschichte entlasten. Bei Weidels entsprechender Aussage im Gespräch mit Musk beschrieb der Politikwissenschaftler Lars Rensmann gegenüber ZDFheute bereits diese Funktion: Er sah darin den Versuch, Rechtsradikalismus reinzuwaschen. Die Historikerin Stefanie Schüler-Springorum verwies auf ein gesellschaftliches Bedürfnis nach nationaler Entlastung, das solche Erzählungen bedienen können.
Die Begründung über den Parteinamen macht die Behauptung leicht verbreitbar. Sie vermittelt den Eindruck, eine einzige Bezeichnung genüge, um die historische Einordnung zu widerlegen. Die Erklärung, warum dieser Schluss falsch ist, braucht dagegen den Blick auf das Programm und die tatsächliche Herrschaft. Im jetzt geteilten Beitrag wertet Le Pogam Menschen, die ihm widersprechen, zudem bereits als „Clowns“ ab. Damit werden Korrekturen vorab lächerlich gemacht.
Solche Provokationen können außerdem öffentliche Aufmerksamkeit binden. Forschende am Leibniz-Institut für Medienforschung fanden in einer Auswertung der Berichterstattung deutliche Aufmerksamkeitsschübe für Weidel rund um Musks öffentliche Unterstützung und das Gespräch im Jänner 2025. Sie diskutieren gezielte Provokation als Mittel, die Themen der Berichterstattung zu bestimmen. Die Untersuchung belegt keine konkrete Planung hinter dem jetzigen Beitrag. Musks frühere Formulierung zeigt jedoch ausdrücklich, dass er die Behauptung gegen heutige Sozialisten verwendet hat. Ob persönliche Überzeugung oder bewusste Provokation dahintersteckt, bleibt offen.
Auch Groks Antwort widerspricht der Behauptung
In einem uns übermittelten Textauszug einer Grok-Unterhaltung wird gefragt, ob Hitler Sozialist gewesen sei. Die Frage enthält außerdem bereits den Vorwurf, Musk lüge darüber. Die Antwort beginnt mit „No“, also „Nein“, und ordnet Hitler sowie die Nazis als rechtsextreme und ultranationalistische Bewegung ein. Grok verweist unter anderem darauf, dass die Nationalsozialisten die damaligen sozialistischen und kommunistischen Parteien zerschlugen.
Diese einzelne Antwort liegt uns als kopierter Text vor; ein öffentlicher Link zur Grok-Unterhaltung wurde nicht mitgeliefert. Sie zeigt einen Widerspruch zwischen Musks Behauptung und der vorliegenden Chatbot-Antwort. Unser historisches Urteil beruht auf den oben geprüften Quellen. Eine KI-Antwort kann je nach Frage und Gesprächsverlauf anders ausfallen und belegt auch nicht, was Musk selbst über die historische Einordnung weiß.
Was die Community Notes zeigen
Auf den übermittelten Screenshots sind mehrere Vorschläge für korrigierende Community Notes zu sehen. Sie tragen den Status „Benötigt mehr Bewertungen“ und den Hinweis „Nicht auf X angezeigt“. Das dokumentiert den Zustand zum Zeitpunkt der Aufnahmen; den späteren Status konnten wir nicht prüfen.
Nach der offiziellen Dokumentation von X bestimmt ein Bewertungsverfahren, welche Anmerkungen öffentlich erscheinen. Es soll Zustimmung von Menschen mit unterschiedlichen bisherigen Bewertungsmustern erkennen. Aus den vorliegenden Anzeigen lässt sich daher keine persönliche Löschung oder Unterdrückung der Korrekturen durch Musk ableiten. Für die historische Bewertung seiner Behauptung ist der Status der Anmerkungen ohnehin unerheblich.
Elon Musk / X
23. Oktober 2026, laut externem Archiv
Elon Musk Archive / Beitrag von Elon Musk
23. Oktober 2026
Elon Musk Archive / Beitrag von Elon Musk
9. August 2026
Leibniz-Institut für Medienforschung / Jan Rau, Christoph Richter und Daniel Wehrend
Aktualisiert am 21. Juli 2026
Bundeszentrale für politische Bildung / Christian Packheiser
Mai 2026
United States Holocaust Memorial Museum
Aktualisiert am 21. Juli 2025
United States Holocaust Memorial Museum
Aktualisiert am 27. Juni 2025
Mimikama / Tom Wannenmacher
10. Januar 2025
ZDFheute / Nils Metzger und Jan Schneider
10. Januar 2025
Deutsches Historisches Museum / Arnulf Scriba
Stand: 22. Juni 2015
Grok (übermittelter Chat-Auszug)
Antwort auf die Frage, ob Hitler Sozialist gewesen sei; als Text übermittelt, kein öffentlicher Gesprächslink vorliegend
Ohne Datumsangabe
X / Community Notes
Ohne Datumsangabe
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