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„Frühling für Hitler“: Der wütende Jude – Mel Brooks wird 100 und lacht zuletzt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 28, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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„Frühling für Hitler“Der wütende Jude – Mel Brooks wird 100 und lacht zuletzt

28.06.2026, 13:54 Uhr

Von Nina Jerzy
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„Viel von meiner Komik basiert auf Wut und Feindseligkeit“, stellte Mel Brooks einmal fest. (Foto: imago stock&people)

Mel Brooks kämpfte als Soldat gegen Hitler. Derber Humor gegen braunen Hass: Das wurde für den New Yorker Juden mit deutschen Wurzeln zur Lebensaufgabe und machte ihn offiziell zum Ausnahmekünstler. Der größte Triumph ist aber vielleicht sein 100. Geburtstag.

Stechschritt und Hitlergruß nebst halbnackten Tänzerinnen: Bei der „Wagner meets Moulin Rouge“-Eröffnungsnummer des Musicals „Frühling für Hitler“ zucken Zuschauer heute noch zusammen. Mel Brooks presste seinen Finger 1968 derart fest in die Wunde, dass Deutschland es nicht aushielt. Erst acht Jahre später trällerten endlich auch hierzulande SS-Offiziere über die deutsche „Herrenrasse“. Brooks Rachefeldzug gegen Hitler war damit buchstäblich am Ziel. Der hatte im Winterhorror der Ardennen begonnen und wird am heutigen Sonntag vollends perfekt, wenn der Nachfahre deutscher Juden seinen 100. Geburtstag feiert.

Im Kampf gegen braune Gesinnung setzte Brooks lieber auf derbe Zoten als auf feinsinnigen Humor. „Konsequent geschmacklose Groteske“ lautete etwa das Urteil des Kritikers der „Zeit“ über „Frühling für Hitler“. „Ich mag Pupswitze. Sie verleihen der Komödie ein wenig ‚je ne sais quoi'“, erklärte Brooks, Sammler edler französischer Weine und 41 Jahre lang mit der eleganten Hollywood-Schauspielerin Anne Bancroft verheiratet, 2023 der „Irish Times“.

Trauer und Krieg

Bei all dem machte Brooks aus seiner jüdischen Herkunft kein Geheimnis, präsentierte sie ohne neurotisch-intellektuellen Anstrich und mit durchgedrücktem Rückgrat. „Wie ein Schlag ins Gesicht“ – so hat Brooks einmal die Wirkung beschrieben, die er mit seinen Witzen erreichen wollte. Das war anfangs für ihn ein Weg, um nicht tatsächlich gewalttätig zu werden. Denn der junge Melvin James Kaminsky, der am 28. Juni 1926 im New Yorker Arbeiterviertel Williamsburg geboren wurde, trug früh viel Ärger auf die Welt in sich.

Als der spätere Ausnahmekünstler zwei Jahre alt war, starb sein Vater, Sohn deutscher Juden aus Danzig, an Tuberkulose. Der frühe Verlust prägte sein Verständnis von Humor, ebenso wie das Mobbing, das der klein gewachsene Junge (Brooks wurde 1,65 Meter groß) in der Schule ausgesetzt war. „Viel von meiner Komik basiert auf Wut und Feindseligkeit“, stellte der Filmemacher einmal fest. Aber auch seine aus Kiew stammende Mutter förderte eine besondere Liebe für kleine Scherze, mit denen der Alltag erträglicher wurde. Und als jüngster von vier Brüdern entdeckte Brooks Humor als Mittel, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.

So zog es ihn schnell vor ein Publikum, zunächst als Schlagzeuger, später als Komiker. Er wählte den Künstlernamen „Brooks“ in Anspielung auf den Mädchennamen seiner Mutter, Brookman. Gerade 18 Jahre alt geworden, ging er aber zunächst wie seine Brüder zur Armee. Ende 1944 wurde der junge Mann nach Europa verlegt und erlebte im Winter den Horror der Ardennenoffensive und kämpfte anschließend in Deutschland gegen die Nazis, etwa am Rhein und im Harz, wo er unter anderem Landminen entschärfte. „Ich habe die ganze Zeit über gesungen“, erklärte Brooks später, wie er die schlimmen Bilder des Krieges verdrängt hat. Sein Bruder Lenny geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er überlebte (wie alle Kaminsky-Brüder) nur, weil er seine jüdische Herkunft verschleiern konnte.

Unmittelbar nach Ende des Krieges unterhielt Brooks mit seinem Comedy-Programm US-Soldaten in Wiesbaden. Zurück in den USA verschaffte ihm ein Freund aus Bandtagen, der Komiker Sid Caesar, Jobs als Witzeschreiber für seine TV-Shows. Zu dem Team gehörten spätere Stars wie der Komiker Carl Reiner, Theaterautor Neil Simon und Regisseur Woody Allen.

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Beste Freunde: Mel Brooks und Carl Reiner im Jahr 2013. (Foto: IMAGO/Depositphotos)

Reiner („Tote tragen keine Karos“, „Ocean’s Eleven“) und Brooks wurden schnell beste Freunde. Sie gingen 1960 mit einem Comedy-Programm nach Hollywood. Brooks ließ seine Ehefrau, die Tänzerin Florence Baum, samt den drei Kindern in New York zurück. Das Paar wurde 1962 nach neun Jahren Ehe geschieden.

Durchbruch mit Hitler-Musical

Die Scheidung verschärfte Brooks finanzielle Schwierigkeiten zusätzlich. Er beschloss, eine Idee umzusetzen, die ihn seit Jahren nicht losgelassen hatte: Ein Musical über Adolf Hitler. 1967 brachte Brooks mit „Frühling für Hitler“ (Originaltitel: „The Producers“) seinen ersten Film in die Kinos. Die Geschichte zweier Schwindler, die mit einem geschmacklosen Bühnenstück Investoren prellen wollen, war allerdings auch in den USA großen Verleihern anfangs zu heiß und wurde nur in wenigen Kinos gezeigt. 

Der Erfolg ließ sich dennoch nicht aufhalten. Newcomer Brooks gewann 1969 spektakulär den Oscar für das beste Original-Drehbuch und schlug damit unter anderen Stanley Kubrick mit „2001: Odyssee im Weltraum“ (das Buch von Arthur C. Clarke wurde erst nach dem Film veröffentlicht). Gene Wilder (1933-2016) erhielt für „Frühling für Hitler“ seine einzige Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller.

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In den USA wurde „The Produers“ 1967 sofort zum Hit. (Foto: imago images/Mary Evans)

Das war allerdings erst der erste Akt in der Erfolgsgeschichte von „Frühling für Hitler“. Jahrzehnte später entschied sich Brooks, die Geschichte in ein Musical zu verwandeln. Die Hauptrollen gingen an Nathan Lane und Matthew Broderick. „The Producers“ wurde 2001 beim Theaterpreis Tony, nur anderthalb Monate nach der Broadway-Premiere, mit den bis dato meisten Nominierungen – 15 – geehrt. Diesen Rekord konnte erst 2016 „Hamilton“ mit 16 Nominierungen brechen. Die zwölf Auszeichnungen von „The Producers“ vermochte bislang aber in einem Vierteljahrhundert keine andere Bühnenproduktion zu übertreffen.

Drei der Tonys gingen damals allein an Brooks. Damit wurde er 2001 einer der wenigen Menschen, die in den EGOT-Status aufgestiegen sind, also sowohl einen Emmy (TV), Grammy (Musik), Oscar (Film) und Tony (Bühne) gewonnen haben. Das ist bislang nur 22 Personen gelungen, Preise fürs Lebenswerk nicht mitgezählt. Den ersten von vier Emmyshatte Brooks bereits 1967 als Autor für ein Special von Sid Caesar erhalten. Seine Grammy-Premiere (er gewann drei) gelang Brooks 1999 mit Reiner für eine Aufnahme ihres Sketches „The 2000 Year Old Man“.

Erfolge und Schicksalsschläge

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Zuletzt wurde Brooks 2024 mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet. (Foto: Getty Images)

Brooks arbeitete nach „Frühling für Hitler“ sofort wieder mit Wilder zusammen und erhielt dafür 1974 zwei weitere Oscar-Nominierungen: bestes adaptiertes Drehbuch für „Frankenstein Junior“ und bester Originalsong für „Der wilde wilde Westen“. Es folgte eine Reihe weiterer Komödien, darunter „Das Leben stinkt“ (1991), „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“ (1993) und Brooks letzte Regiearbeit „Dracula – Tot aber glücklich“ (1995).

Als Schauspieler war er bis zuletzt aktiv, zuletzt unter anderem als er selbst in der Netflix-Serie „Only Murders in the Building“. Brooks produzierte außerdem Filmklassiker wie David Lynchs „Der Elefantenmensch“ (1980) oder den Horrorfilm „Die Fliege“ (1986) mit Jeff Goldblum. Brooks wurde 2024 mit dem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2027 soll eine „Spaceballs“-Fortsetzung in die Kinos kommen. Der dann über 100-Jährige ist als Darsteller und Produzent an dem Film beteiligt.

Brooks bester Freund Carl Reiner hatte den runden Geburtstag um nur zwei Jahre verpasst. „Ich bin froh, dass er damals (2020, Anm.d.Red.) gestorben ist. Er hätte diese furchtbare, furchtbare Sache niemals überleben können“, sagte Brooks später. Reiners Sohn, der „Harry und Sally“-Regisseur Rob Reiner, und dessen Frau waren im Dezember 2025 von ihrem Sohn Nick ermordet worden.

Alle vier Kinder von Brooks sind ihrem Vater ins Unterhaltungsgeschäft gefolgt. Am erfolgreichsten war sein Sohn Max Brooks aus der Ehe mit Anne Bancroft. Dessen Zombie-Buch „World War Z“ wurde 2013 von Brad Pitts Produktionsfirma verfilmt. Bancroft starb 2005. Die Schauspielerin, die bürgerlich Anna Maria Louisa Italiano hieß, wurde 73 Jahre alt und war 41 Jahre mit Brooks verheiratet. Der EGOT-Künstler blieb fortan Single. „Wenn du einmal mit Anne Bancroft verheiratet warst, verlieren andere ihren Reiz“, sagte er 2023 der „New York Times“.

Quelle: ntv.de

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