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Fundort lässt Experten rätseln: War 5000 Jahre alter Toter in Sachsen-Anhalt ein Menschenopfer?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 18, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Fundort lässt Experten rätselnWar 5000 Jahre alter Toter in Sachsen-Anhalt ein Menschenopfer?

Fundstelle des etwa 25 Jahren alten Mannes in einer Ofengrube der Kultur der Schnurkeramik. (Foto: picture alliance/dpa)

Beim Bau einer Stromtrasse in Sachsen-Anhalt stoßen Forscher auf die 5000 Jahre alten Überreste eines Mannes. Eine Verletzung am Schädel und der ungewöhnliche Bestattungsort in einer Feuergrube werfen Fragen auf. Nun stehen drei grausame Theorien im Raum.

In Sachsen-Anhalt haben Archäologen eine seltsame Entdeckung gemacht: In einer 5000 Jahre alten Ofengrube entdeckten sie das Skelett eines etwa 25 Jahre alten Mannes. Andere bisher entdeckte Ofengruben waren meistens leer – und der Schädel des Toten weist eine Verletzung auf. Der ungewöhnliche Fund lässt laut den Experten drei verschiedene Schlüsse zu: Es war Mord, eine äußerst eilige Bestattung nach einem Kampf oder ein Menschenopfer.

Entdeckt wurde der Bestattungsort im Vorfeld des Baus der Gleichstromtrasse Südostlink, deren Erdarbeiten die Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt begleiten. Doch wer in Mitteldeutschland ein Loch in den Boden gräbt, gräbt fast immer auch in der Vergangenheit. Und entlang der geplanten Route legen die Forscher nach und nach eine Kulturlandschaft frei, die seit Jahrtausenden besiedelt ist.

Besonders ergiebig ist die Anhöhe bei Gerstewitz im Burgenlandkreis. Die Arbeiten an der Stromtrasse machen seit einigen Monaten immer wieder Ausgrabungen notwendig, denn dort finden sich Siedlungsspuren aus rund 6000 Jahren: von der Baalberger Kultur (etwa 4000 bis 3400 v. Chr.) bis zur Salzmünder Kultur (etwa 3400 bis 3100 v. Chr.). Der neue Fund stammt allerdings aus der Ära der Schnurkeramik-Kultur (etwa 2900 bis 2050 v. Chr.), die nach ihren charakteristischen Gefäßverzierungen benannt wurde.

Oberkörper deutlich verrutscht

Der also vor rund 5000 Jahren verstorbene Mann lag in einer Ofengrube, die aus zwei unterirdisch verbundenen Gruben bestand. Der 25-Jährige war in der für schnurkeramische Männergräber typischen Hockerstellung auf der rechten Seite liegend, mit Blick nach Süden gebettet worden. Sein Oberkörper ist deutlich verrutscht, was darauf hindeuten könnte, dass er auf einer bereits zersetzten organischen Unterlage gelegen hat, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mitteilte.

Nicht nur der Fundort, sondern auch die Verletzung des Schädels des Mannes geben den Experten Rätsel auf. Wurde er Opfer eines vorgeschichtlichen Mordes? Oder zog er bei einem Kampf den Kürzeren und wurde anschließend rasch in einer bereits vorhandenen Grube gelegt? „Es gibt noch eine dritte Möglichkeit“, so das Landesamt in einer Mitteilung. „Selten enthalten schnurkeramische Ofengruben vollständige Rinder oder teilweise zerstückelte Hundeskelette. Bei solchen Niederlegungen kann es sich um Opfergaben handeln.“ Was genau dem jungen Mann damals widerfuhr und warum er ausgerechnet in einer Ofengrube landete, sollen nun Laboruntersuchungen klären.

Quelle: ntv.de

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