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Furcht vor der Apokalypse: So versucht die Menschheit, Asteroiden abzuwehren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 28, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Furcht vor der ApokalypseSo versucht die Menschheit, Asteroiden abzuwehren

Asteroiden-Mond Dimorphos kurz vor dem Aufprall der Raumsonde „Dart“. (Foto: picture alliance/dpa/NASA/Johns Hopkins APL)

Der erste Test zur planetaren Verteidigung war ein Erfolg, die Umlaufbahn eines Asteroiden wurde verändert. Nun soll die europäische Sonde „Hera“ die genauen Auswirkungen des Einschlags dokumentieren. Ein Experte warnt aber vor einem kritischen Risiko.

Sie können ein Fluch, aber wohl auch ein Segen sein. Asteroiden können bei einer Kollision mit unserem Heimatplaneten verheerende Schäden anrichten. Eine planetare Verteidigung kann überlebenswichtig sein. Ein Satellit zur Erkundung der Abwehr von Asteroiden ist gerade auf der Zielgeraden. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Was ist der Zweck der „Hera“-Mission?

Der Satellit „Hera“ ist Teil einer Doppelmission. Im September 2022 krachte mit voller Absicht die Sonde „Dart“ (Double Asteroid Redirection Test) mit einer Geschwindigkeit von rund 6,6 Kilometern pro Sekunde in den kleineren Teil eines Doppelasteroiden. 

Die US-amerikanische Weltraumagentur Nasa, die die Mission leitete, kommentierte den Einschlag damals so: „Wir brechen jetzt in eine neue Ära der Menschheit auf, in der wir die Möglichkeit haben könnten, uns gegen den Einschlag eines Asteroiden zu schützen.“ Der Crash veränderte messbar die Umlaufbahn von Dimorphos – eine Art Mond des größeren Asteroiden Didymos. 

Nach Angaben des Chefkoordinators der Asteroidenabwehr der europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt, Richard Moissl, überraschte die Größe der Staubwolke bei dem Einschlag. Und hier kommt auch die aus dem Kontrollzentrum in Darmstadt gesteuerte Esa-Mission „Hera“ ins Spiel, die im November an dem Doppelasteroiden ankommen wird. Sie soll Daten zur Beschaffenheit, Dichte, Größe oder Form liefern. „Klassisch würde man erwarten, dass da jetzt ein Krater ist. Könnte aber auch sein, dass er aussieht wie angeknabbert“, sagt Moissl.

Was muss man bei der Asteroidenabwehr beachten?

Es könne sein, dass sich der ganze Asteroid verformt hat, sagt der Asteroidenexperte Detlef Koschny, Professor für Lunare und Planetare Exploration an der Technischen Universität München. Das sei die spannende Frage. „Wenn ich einen Asteroiden ablenken will, das ist eine ganz kritische Sache.“ Es könne passieren, dass zu viel Kraft aufgewendet werde und dann breche er auseinander und werde gar nicht abgelenkt. Die Teile würden dann trotzdem auf die Erde zufliegen. 

Sind weitere Erkundungsmissionen zu Asteroiden geplant?

Ja. Die Mission „Rames“ (Rapid Apophis Mission for Space Safty) soll 2029 den fast 400 Meter großen Asteroiden Apophis erkunden. Der riesige Brocken, der bei einem Einschlag wahrscheinlich verheerende Folgen hätte, soll am Freitag, den 13. April 2029, in nur 32.000 Kilometer an der Erde vorbeifliegen. In den Weiten des Sonnensystems ist das fast nichts. Im Vergleich: Der Mond ist durchschnittlich 384.400 Kilometer entfernt. 

„Bei der „Ramses“-Mission haben wir jetzt sehr wichtige Meilensteine genommen. Die Industrieverträge sind alle unterschrieben“, sagt Moissl. „Man will sehen, wie er aussieht, bevor er von den Gezeitenkräften der Erde mal richtig durchgeschüttelt wird.“ Eine Ablenkung sei absolut nicht geplant. Bei Apophis handelt es sich um einen Asteroiden, der die Erdumlaufbahn kreuzt und bei seiner Entdeckung zunächst als Einschlagskandidat galt. 

„Wir erhoffen uns, dass wir während des Vorbeiflugs Veränderungen auf dem Asteroiden sehen können“, sagt Koschny. Der fliege so nah vorbei, dass es durch die Erdkräfte Veränderungen auf dem Asteroiden geben könne. Den Brocken könne man mit dem bloßen Auge sehen. Ein Einschlag sei für die nächsten 100 Jahre erst einmal ausgeschlossen.

Was gibt es sonst noch für Pläne?

Asteroiden, die aus Richtung der Sonne auf die Erde zukommen, sind derzeit nur schwer zu erkennen. Bei der Esa gebe es Planungen für ein Infrarot-Teleskop, sagt Koschny. „Da geht es eben darum, dass wir Asteroiden, die nahe bei der Sonne stehen, auch anschauen können.“ Zudem studiere man gerade zum Beispiel die Methode, mit einem Ionentriebwerk Asteroiden abzulenken. „Das ist ein Gerät, das einfach Ionen aussendet und dadurch die Bewegung des Asteroiden verändern kann.“

Sind Asteroiden Fluch oder Segen?

Beides. Asteroiden können verheerende Auswirkungen haben. So könnte ein 10 bis 15 Kilometer großer Brocken für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich sein. Ein etwa 40 bis 50 Meter großer Asteroid ging am 30. Juni 1908 über Sibirien runter und knickte in der Tunguska-Region Millionen Bäume auf einer Fläche fast so groß wie das Saarland um. Mit Blick auf dieses Ereignis riefen die Vereinten Nationen später den Asteroidentag aus, um auf die Gefahren und Chancen durch die Himmelskörper aufmerksam zu machen. 

Im Februar 2013 explodierte ein 20 Meter großer Himmelskörper über der Millionenstadt Tscheljabinsk. Durch die Druckwelle und splitterndes Glas wurden rund 1500 Menschen verletzt. Moissl zufolge sind derzeit knapp 42.000 erdnahe Asteroiden in allen Größen bekannt. Erdnah bedeute hierbei, dass sie die Erdumlaufbahn kreuzen könnten. „Ab zehn Metern nehmen wir die Sachen ernst und warnen.“ Der allgemeine Konsens sei, dass bei 50 Metern genug Energie da sei, um eine ganze Stadt zu zerstören. Aber: „Zurzeit ist alles ruhig.“

Koschny zufolge gibt es aber die Idee, dass Asteroiden und Kometen organisches Material auf die Erde gebracht haben. „Also wir gehen jetzt nicht davon aus, dass da irgendwelche Mikroorganismen oder so was direkt auf die Erde gebracht wurden. Aber es sind diese Moleküle, die man braucht, um das Leben auf der Erde zu erzeugen.“ 90 Prozent dessen, was man auf der Erde finde, ist natürlich irgendwo da draußen sowieso schon entstanden. Man vermute auch lange Kohlenstoffketten, die man brauche, um Leben zu bauen.

Quelle: ntv.de, Oliver Pietschmann, dpa

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