Für Verwirrung sorgen zwei angebliche SPD-Plakate, die im Zusammenhang mit Asylpolitik und der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verbreitet werden. Beide Motive sollen den Eindruck erwecken, die SPD werbe mit besonders zugespitzten oder fremdsprachigen Botschaften.
Für die Echtheit dieser Plakate gibt es keine belastbaren Belege. Nach den vorliegenden Informationen stammen die Motive nicht von der SPD. Eines der Bilder ist eine Montage auf Basis eines echten Wahlkampfplakats.
Die SPD-Fraktion hat das Motiv nicht veröffentlicht
Das Sharepic mit dem Satz „Wir nehmen jeden auf. Egal woher. Egal warum. Punkt.“ wird als angebliches Motiv der SPD-Bundestagsfraktion verbreitet. Unten links ist das Logo „SPD Fraktion im Bundestag“ zu sehen.
Eine Foto-Rückwärtssuche fand demnach keine Treffer auf den offiziellen Social-Media-Kanälen der SPD-Bundestagsfraktion und auch keine entsprechenden Medienberichte. Die SPD-Bundestagsfraktion erklärte auf dpa-Anfrage schriftlich, den Post und das darin gezeigte Wahlplakat nicht erstellt oder veröffentlicht zu haben.
Auch inhaltlich bildet das Motiv die SPD-Position zur Asylpolitik nicht korrekt ab. Im Bundestagswahlprogramm 2025 formuliert die Partei ihre Linie mit „Humanität und Ordnung“ und schreibt unter anderem: „Wer sich nicht an die Regeln hält, muss wieder gehen. Doch wer auf Schutz angewiesen ist, dem gewähren wir Schutz.“
Das arabische Plakat ist eine Montage
Auch das zweite verbreitete Bild ist nicht echt. Es zeigt ein angebliches SPD-Plakat zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern mit arabischer Schrift und mehreren Personen, von denen einige mit Kopftuch und eine Person vollständig verschleiert dargestellt werden. Diese religiöse oder kulturelle Zuschreibung ist Teil der Bildbotschaft, nicht der belegten Faktenlage.
Das manipulierte Bild beruht offenbar auf einem echten SPD-Wahlkampffoto. Manuela Schwesig stellte am 5. August die Plakate zum Wahlkampfauftakt vor. Öffentliche Aufnahmen dieses Termins zeigen das originale Motiv mit Schwesig, dem deutschen Text „Entschlossen für Zusammenhalt“ und dem Slogan „Entscheidung für MV“.
Eine Sprecherin von Schwesig bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass das Bild mit arabischer Schrift nicht echt sei. Der Landesverband habe den Fall zur Anzeige gebracht.
Die Fälschung nutzt einen echten Kern
Gerade deshalb wirkt die Manipulation glaubwürdig: Das zweite Bild nutzt ein reales Foto vom Wahlkampfauftakt, verändert aber den zentralen Inhalt des Plakats. Vordergrund, Hintergrund und Teile des Plakats bleiben ähnlich, während Personen, Schrift und Botschaft ausgetauscht wurden.
Solche Montagen funktionieren, weil sie an reale politische Debatten anschließen. Die Fälschung verbindet Wahlkampf, Migration und SPD-Optik zu einer zugespitzten Botschaft, für die es aber keinen offiziellen Ursprung gibt.
Wahlkampf-Fälschungen zur Manipulation
Wahlen sind regelmäßig Ziel von Desinformation, weil manipulierte Bilder und angebliche Parteiaussagen schnell Empörung auslösen können.
Nutzerinnen und Nutzer sollten bei politischen Sharepics vor Wahlen besonders prüfen, ob das Motiv auf offiziellen Parteikanälen, in Pressemitteilungen oder bei seriösen Medien auftaucht. Fehlt dort jede Spur, ist Vorsicht geboten.
Bewertung: Falsch. Beide verbreiteten SPD-Plakate sind nicht echt; eines wurde aus einem realen Wahlkampffoto manipuliert.

FAQ zu den gefälschten SPD-Plakaten
Hat die SPD das Plakat „Wir nehmen jeden auf“ veröffentlicht?
Nein. Die SPD-Bundestagsfraktion erklärte laut dpa, dass sie den Post und das darin gezeigte Plakat nicht erstellt oder veröffentlicht hat.
Ist das SPD-Plakat mit arabischer Schrift echt?
Nein. Das Bild ist manipuliert. Es basiert auf einem echten Wahlkampffoto der SPD Mecklenburg-Vorpommern, der Inhalt des Plakats wurde jedoch verändert.
Was zeigte das echte SPD-Plakat in Mecklenburg-Vorpommern?
Das Original zeigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Darauf stand auf Deutsch „Entschlossen für Zusammenhalt“ sowie der Slogan „Entscheidung für MV“.
Warum wirkt die Fälschung glaubwürdig?
Weil sie echte Gestaltungselemente und ein reales Wahlkampffoto nutzt. Dadurch sieht das Bild zunächst wie offizielles Wahlkampfmaterial aus.
Woran erkennt man solche manipulierten Wahlplakate?
Ein wichtiger Hinweis ist, ob das Motiv auf offiziellen Parteikanälen, in Pressemitteilungen oder bei seriösen Medien auftaucht. Fehlt dort jede Spur, sollte man das Bild nicht ungeprüft weiterverbreiten.
dpa-Faktencheck
27. August 2026
dpa-Faktencheck
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