Der Waldbrand in Hürtgenwald hat sich nicht weiter ausgebreitete, hält aber trotzdem rund 1.400 Einsatzkräfte in Atem. Erschwert werden die Löscharbeiten durch alte Weltkriegsmunition. Anwohner und Helfer hoffen auf Hilfe vom Wetter.
Erneut sind mehrere Löschhubschrauber bei der Bekämpfung des großen Waldbrandes in Hürtgenwald in der Eifel im Einsatz. Wie schon am Freitag sollen die Hubschrauber große Mengen an Löschwasser über den Flammen abwerfen, teilte der Kreis mit. Rund 1.400 Menschen seien im Einsatz.
Die Nacht sei gut verlaufen, sagte der Landrat Ralf Nolten dem WDR. Der Wind sei abgeflacht und das Feuer habe sich nicht weiter ausgebreitet. Der Landkreis wies jedoch darauf hin, dass Wind aus Richtung Norden aufkomme. Wie sich dieser auf die Lage auswirke, sei unklar. Das bestätigte der WDR-Meteorologe Jörg Brunsmann. Derzeit gebe es vereinzelt Schauer und Gewitter, aber nicht genügend Regen, um das Feuer zu löschen. Unklar sei, ob und wie sich der Wind bei lokalen Gewittern aufs Brandgeschehen auswirke.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz informierte sich über die aktuelle Lage in der Eifel. Wie der Landkreis Düren mitteilte, habe Merz sich in einem Telefonat mit Landrat Nolten „ausdrücklich bei allen Helferinnen und Helfern bedankt“. Der Bund habe zudem weitere Löschhubschrauber zur Verfügung gestellt. Damit stünden nun zehn Hubschrauber der Bundespolizei, Landespolizei und der Bundeswehr zur Verfügung.
Die Düsseldorfer Staatskanzlei kündigte an, dass sich am Nachmittag der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) im Brandgebiet ein Bild der Lage machen und sich mit Einsatzkräften treffen wolle.
Forderung nach mehr Früherkennung und Waldumbau
Wegen immer größerer Waldbrände in Deutschland forderten Fachleute zuletzt einen gezielten Waldumbau und eine bessere Früherkennung. Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Christian Haase, sagte der Rheinischen Post, man werde akzeptieren müssen, dass Waldbrände in Deutschland wegen des Klimawandels künftig häufiger auftreten könnten. Man müsse aber vom Wissen in den „klassischen Waldbrandländern“ profitieren. Nötig seien zum Beispiel auch moderne Frühwarnsysteme.
Langfristig helfe nur ein Waldumbau. Man brauche etwa strukturreiche, mehrschichtige Mischwälder mit einem höheren Laubholzanteil. Die Forstwirtschaft arbeite seit Jahrzehnten am Waldumbau. „Das Problem ist, dass uns die Geschwindigkeit des Klimawandels bei diesem Generationenprojekt zunehmend unter Druck setzt“, sagte der CDU-Politiker.
Rund 300 Hektar Wald betroffen
Vom Waldbrand in der Eifel sind derzeit etwa 300 Hektar Wald betroffen. Es ist der größte jemals dokumentierte Waldbrand in Nordrhein-Westfalen.
Der in der Nacht zum Freitag geräumte Ortsteil Gey bleibt den Behörden zufolge vorerst aus Sicherheitsgründen evakuiert. Eine WDR-Reporterin vor Ort berichtete, es sei unklar, wann die Menschen in ihre Häuser zurückkehren könnten. Hürtgenwalds Bürgermeister Stephan Cranen geht nicht davon aus, dass wegen des großen Waldbrands weitere Ortsteile evakuiert werden müssen. Anwohnerinnen und Anwohner aus den Ortsteilen Vossenack, Hürtgen, Kleinhau und Simonskall wurden dazu aufgerufen, sparsam mit Wasser umzugehen.
Munition aus dem Zweiten Weltkrieg behindert Einsatzkräfte
Bei den Löscharbeiten kommt erschwerend hinzu, dass das Gelände um Hürtgenwald durch Weltkriegsmunition belastet ist. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen. Etwa 25.000 Soldaten starben. Bis heute werden in der Region Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
Aus Sicherheitsgründen dürfen die Boden-Einsatzkräfte befestigte Wege im Wald nicht verlassen. Der Großteil der Löscharbeiten muss den Behörden zufolge daher aus der Luft erfolgen.
