Gnadenlose Wutwelle
Fabian Reese schweigt nach Albtraum-Abend
Pfiffe, zwei folgenschwere Ballverluste und eine Niederlage: Für den Wolfsburger Fabian Reese verläuft die Rückkehr ins Berliner Olympiastadion maximal bitter.
Fabian Reese trottete mit gesenktem Kopf zur Wolfsburger Bank, Trainer Tobias Strobl spendete einen aufmunternden Schulterklopfer. Während der frühere Hertha-Kapitän seine bittere Rückkehr ins Olympiastadion verdaute, intonierte die Berliner Ostkurve schon wieder ihren viralen Hit. „100 Punkte, Hertha BSC“, schallte es durch die Arena, in der 70.000 Fans ihre Überflieger feierten.
Ausgerechnet bei seiner Heimkehr musste Reese miterleben, wie seine alte Liebe den nächsten Schritt Richtung Bundesliga machte. Zwölf Punkte Rückstand hat er mit dem VfL Wolfsburg nun auf die Hertha, die als unangefochtener Spitzenreiter bei sagenhaften zehn Siegen aus elf Spielen steht. Das 1:2 (0:2) am Samstagabend war für die einstige Berliner Identifikationsfigur mehr als eine gewöhnliche Niederlage.
Rot nach 20 Minuten: Cleiton fliegt für dieses Foul
Bei ausnahmslos jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffen, leitete Reese mit zwei Ballverlusten vor der Pause beide Gegentreffer ein. Nach dem Schlusspfiff wollte er weder im Fernsehen noch vor den wartenden Journalisten sprechen. Seine zuvor mit Spannung erwartete Heimkehr an die alte Wirkungsstätte endete im Schweigen.
Strobl nahm seinen Schützling anschließend ausdrücklich in Schutz. „Er hatte eine ganz große Vorfreude, aber am Ende des Tages war es eine Ungewissheit, weil keiner genau wusste, was denn wirklich passiert“, sagte der VfL-Trainer über Reeses Gefühlslage im Vorfeld. „Ich finde aber, dass er sehr gut damit umgegangen ist“, betonte Strobl und attestierte dem 28-Jährigen trotz der folgenschweren Fehler ein „sehr engagiertes, ordentliches Spiel“.
Bittere Minuten für Reese
Dabei hätte die Geschichte schon nach zwei Minuten eine ganz andere Wendung nehmen können. Reese hätte das aufgepeitschte Olympiastadion verstummen lassen können, seinen ersten Abschluss donnerte er ansatzlos an die Latte. Danach nahm das VfL-Übel auf dem Rasen seinen Lauf.
Nach der Roten Karte gegen Wolfsburgs Cleiton (22., Notbremse) verlor Reese zunächst vor dem Führungstreffer durch Oluwaseun Adewumi (44.) den Ball. Wenig später vertändelte er erneut, Deyovaisio Zeefuik (45.+2) erhöhte. Nachdem Kento Shiogais Anschlusstreffer (47.) den Gästen neue Hoffnung machte, fühlten sie sich letztlich von Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck um die Chance auf den Ausgleich gebracht.
In der 94. Minute war Shiogai im Strafraum nach einem Kontakt mit Hertha-Verteidiger Niklas Kolbe zu Boden gegangen. Jöllenbeck ließ weiterspielen, auch Video-Assistent Nicolas Winter griff nicht ein. „Das ist eine Frechheit, dass man da nicht auf Elfmeter zeigt, das ist eine klare Fehlentscheidung“, sagte VfL-Kapitän Maximilian Arnold bei Sky: „So stehen wir mit leeren Händen da.“ Und vor allem Fabian Reese.
„Das ist eine Situation, die muss ich mir anschauen“, forderte Wolfsburgs Trainer Tobias Strobl. Hätte der Schiedsrichter nach einer Überprüfung zu seiner Entscheidung gestanden, wäre er „auf die Argumentation gespannt“ gewesen. „Aber sich das nicht mal anzuschauen, das fand ich so ein bisschen fatal in diesem Moment“, sagte der VfL-Coach: „Am Ende des Tages ist das ein Topspiel, da entscheiden genau diese Kleinigkeiten.“
Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid
