Jedes Jahr löscht die griechische Feuerwehr Tausende Waldbrände, der Job ist gefährlich. Dennoch haben viele bei der nationalen Berufsfeuerwehr nur Saisonverträge – und im Winter keinen Job. Dagegen regt sich nun Protest.
Am Mittag kommen vor dem griechischen Parlament in Athen mehrere Hundert Feuerwehrleute zusammen. Einer von ihnen ist Giorgos Tzelepis. Er ist der Gewerkschaftsvorsitzende der saisonalen Feuerwehrleute und hat zum Protest aufgerufen. Er und seine Kollegen fordern feste Arbeitsverträge. „Sie pressen uns aus wie eine Zitrone und dann sind wir für sie nutzlos. Solange sie uns brauchen, sind wir Helden“, sagt Tzelepis. „Wenn die Brände abnehmen, dann werfen sie uns weg.“
Das Feuerwehrsystem in Griechenland unterscheidet sich stark vom Deutschen. Ein flächendeckendes Netz von Freiwilligen Feuerwehren existiert nicht. Es gibt eine zentral gesteuerte nationale Berufsfeuerwehr. Von den rund 9.000 griechischen Feuerwehrleuten, die bei der Brandbekämpfung aktiv im Einsatz sind, haben circa ein Viertel nur Saisonverträge. Das heißt, sie werden acht Monate pro Jahr eingestellt und der Vertrag endet, wenn die Brandgefahr abnimmt.
Wachsende Angst vor Arbeitslosigkeit
Feuerwehrfrau Georgia ist auch zur Demo gekommen. Sie liebt zwar den Job, erzählt sie, aber hasst das unsichere Beschäftigungsverhältnis. „Jedes Jahr habe ich Stress, ob sie mich wieder nehmen. Das nimmt mich psychisch mit“, sagt sie. Ihr Kollege Drosos fügt hinzu: „Das Problem ist, dass, wenn wir verletzt werden, kann es sein, dass wir im nächsten Jahr nicht wieder eingestellt werden.“ Dafür gebe es keine gesetzliche Absicherung.
Dabei könnten man die Feuerwehrleute außerhalb der Brandsaison auch gut brauchen. Zum Beispiel für kontrollierte Abbrennen von Schutzkorridoren, um künftigen Bränden keine Nahrung zu geben, fügt Gewerkschaftsführern Tzelepis hinzu. Es sei paradox, dass die Feuerwehrleute nicht für die Prävention von Waldbrände eingestellt werden. „Für drei Monate bekommen wir ein Arbeitslosengeld von 600 Euro netto und im vierten Monat gar kein Geld“, sagt er.
Neue Altersbegrenzung schafft zusätzliche Sorgen
Was den Konflikt nun zusätzlich anheizt, ist die Ankündigung der Regierung, dass viele neue Feuerwehrleute eingestellt werden sollen – aber mit einer Altersbegrenzung von 30 Jahren bei der Bewerbung. Die Regierung begründet den Schritt damit, dass das Durchschnittsalter bei der griechischen Feuerwehr insgesamt sehr hoch sei. Viele saisonale Kräfte, wie der 45-jährige Gewerkschaftsführer Giorgos Tzelepis, haben damit keine Chance auf neue Verträge.
Das macht auch den festangestellten Feuerwehrleuten Sorgen. Einige zeigen sich solidarisch, wie Akis Bardakis. Der Vorsitzende des Panhellenischen Verbandes der Feuerwehrleute und Forstkommandos ist ebenfalls zur Demonstration gekommen. Er fürchtet, dass durch die neue Regelung viel Erfahrung verloren gehen wird. „Ein neuer Bewerber, der jung ist, 20 oder 21 Jahre alt ist, ist gut, aber gleichzeitg ist er total unerfahren.“
Und wir sollten nicht vergessen, dass die Erfahrung, Brände zu löschen, nicht mit Theorieunterricht gewonnen wird.
Ob die Demonstration den saisonalen Feuerwehrleuten geholfen hat? Unklar. Einige Regierungsvertreter nehmen den Forderungskatalog der Feuerwehrleute zwar entgegen. Ein offizielles Statement gibt es am Montag aber nicht. Doch die Feuerwehrleute dauerhaft zu ignorieren, dürfte für die griechische Regierung schwierig werden. Dafür ist ihr Job zu wichtig.
