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„Große Irritationen“: Die AfD distanziert sich von ihren Hofberichterstattern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 10, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Große Irritationen“Die AfD distanziert sich von ihren Hofberichterstattern

10.09.2026, 16:06 Uhr Von Tom Kollmar
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Siegmund wurde im Wahlkampf nicht nur von traditionellen Medien begleitet, sondern auch von Youtubern, die ihre Aufgabe eher in kritikloser Hofberichterstattung sehen. (Foto: picture alliance/dpa)

Im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt waren die „alternativen Medien“, vor allem die dauerstreamenden Youtuber, sehr hilfreich für die AfD. Nun geht die Parteispitze auf Distanz. Das gefällt nicht allen.

Die Parteivorsitzenden der Alternative für Deutschland haben sich mit deutlichen Worten von den verbalen Übergriffen auf Journalisten auf der Wahlparty am Sonntag in Magdeburg distanziert. „Ein zivilisierter Umgang miteinander versteht sich in einer kultivierten Gesellschaft eigentlich von selbst. Natürlich auch dann, wenn man gänzlich anderer Meinung ist als das Gegenüber“, heißt es in einer Pressemitteilung, die Tino Chrupalla und Alice Weidel verbreitet haben.

Darin erklären die beiden: „Beleidigungen und verbales Bedrängen verbieten sich für Medienschaffende.“ Dies gelte „natürlich auch und gerade gegenüber Vertretern anderer Medien“.

Sowohl bei mehreren Wahlkampfterminen als auch bei der Wahlparty der AfD in Sachsen-Anhalt hatten parteinahe „Streamer“ Journalisten bedrängt. Chrupalla und Weidel zufolge hatte dies auch innerhalb der AfD für „große Irritationen“ gesorgt. Die veröffentlichen Videos würden mindestens einen akkreditierten Streamer zeigen, der andere Medienvertreter „verbal aggressiv“ angehe, so die Partei.

Was das Fass zum Überlaufen brachte

Insbesondere ein Video sorgte demnach für diese „Irritationen“. Dort ist zu sehen, wie der Youtuber Matthäus Westfal, der sich „Aktivist Mann“ nennt, die „Spiegel“-Journalistin Ann-Katrin Müller bedrängt. Minutenlang stellt er ihr aggressive Fragen. Mehrere Kollegen schirmen die Müller ab. Auch nach mehrfacher Aufforderung lässt Westfal die Journalistin nicht in Ruhe.

Schon vor einigen Wochen war Westfal mit Pöbeleien gegenüber Medienvertretern aufgefallen. AfD-Ministerpräsidentenkandidat Ulrich Siegmund hatte damals im Gespräch mit ntv behauptet, man habe dem Youtuber klargemacht, dass dieses Verhalten nicht zu akzeptieren sei. Westfal und weitere „alternative Medien“, wie sie in der AfD genannt werden, erhielten danach weiterhin Zugang zu Wahlkampfterminen und auch zur Wahlparty am vergangenen Sonntag.

Nach eben jener Wahlparty störte der Streamer aber offenbar nicht nur Journalisten, sondern auch Bundestagsabgeordnete der AfD. Der verteidigungspolitische Sprecher Jan Nolte, der mit Parteifreunden bis zum späten Abend in einem Hotel in Magdeburg zusammensaß, berichtete, Westfal sei dort „extrem unangenehm“ aufgefallen. Nolte schreibt auf X: „Er versuchte Hintergrundgespräche mit Journalisten mitzufilmen, ging jedem auf die Nerven und laberte die Leute extrem peinlich voll.“ Auch ntv war vor Ort und Teil dieser Hintergrundgespräche. Nolte schrieb, es sei unangenehm, wenn „so jemand“ mit der AfD in Zusammenhang gebracht werde. Sein Fazit: „Wir sind auch auf solche Leute keineswegs angewiesen. Wäre ja schlimm, wenn es so wäre.“

Hofberichterstattung im Wahlkampf

Doch genau davon sind offenbar die Streamer und das sogenannte „Vorfeld“, also Unterstützer der Partei, überzeugt. „Aktivist Mann“ behauptet, er habe Siegmund wichtige Stimmen eingebracht. Der Chef der rechtsextremen Organisation „Identitäre Bewegung“ kritisiert die Distanzierung der Parteispitze. „Ich finde es ziemlich unverständlich, wieso man sich so wortreich von Aktivist Mann distanziert“, so Martin Sellner. Auf X kursiert bereits ein Foto mit der Aufschrift „Solidarität mit Aktivist Mann!“.

Für die AfD waren die unkritischen Hofberichterstatter im Wahlkampf ein wichtiger Multiplikator. Dazu gehören neben „Aktivist Mann“ auch das zwischenzeitlich verbotene russlandfreundliche „Compact-Magazin“ oder Streamer wie „Utopia TV“. Zwischen Partei und Streamern fehlte im Wahlkampf jegliche Distanz, ein wichtiger Kopf des Landesverbands sprach gegenüber ntv sogar von „unseren Medien“. Beim Wahlkampfabschluss am vergangenen Samstag in Magdeburg hatte der Landesvorsitzende Martin Reichardt diese explizit hervorgehoben und den „Mainstreammedien“, wie sie in der AfD genannt werden, zugerufen, man solle sich nun auch dem Weg der AfD anschließen.

Riss zwischen Bundespartei und Sachsen-Anhalt-AfD

In der Bundesspitze sind nach ntv-Informationen nicht alle so begeistert über die Youtuber. Schon vor Tagen hatte man dort vor allem auf „Aktivist Mann“ und einen anderen Streamer namens „Weichreite“ ein kritisches Auge geworfen. Nun kündigte die Partei Konsequenzen an.

Die AfD werde es nicht tolerieren, wenn der Grundsatz einer freien Berichterstattung bei künftigen Partei-Veranstaltungen verletzt werde – auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene gleichermaßen und „ohne Ansehen der Person“. Und weiter „Zum weiteren Vorgehen werden wir uns in der nächsten Sitzung des AfD-Bundesvorstands im Detail abstimmen.“ Diese Sitzung wird nach ntv-Informationen am Montag stattfinden. Es ist das erste Aufeinandertreffen des Bundesvorstands nach dem Wahl-Wochenende. Die reguläre Sitzung am vergangenen Montag entfiel aufgrund der Pressekonferenz der Bundesvorsitzenden mit Siegmund.

Doch genau auf dieser Pressekonferenz fand Siegmund lobende Worte für die Streamer, von denen sich seine Parteichefs nun distanzieren. „Es gab ja Gott sei Dank auch eine neue Entwicklung in der Medienlandschaft. Durch die Begleitung von Streamern, die über Stunden hinweg alle Veranstaltungen stundenlang übertragen haben“, so Siegmund. Von Distanzierung keine Spur – im Gegenteil. „Das war ein großer Vorteil in diesem Wahlkampf.“

Quelle: ntv.de

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