Gruppe nimmt Linke in SchutzJüdische Schriftstellerin äußert Kritik am Zentralrat der Juden
Nach ihrem Wahlsieg wirft der Zentralrat der Juden der Linken in Berlin Antisemitismus vor. Eine Gruppe von Jüdinnen und Juden widerspricht, darunter die Autorinnen Deborah Feldman und Eva Menasse. Der Zentralrat habe schon lange nicht mehr die Deutungsmacht, alle Juden zu vertreten, heißt es.
Die Schriftstellerin Eva Menasse hat sich zusammen mit einer Gruppe Berliner Jüdinnen und Juden hinter Linke-Wahlsiegerin Eralp gestellt. „Wir haben hier vielleicht die Möglichkeit, dass zum ersten Mal eine Frau und mit einem Migrationshintergrund Regierende Bürgermeisterin von Berlin wird“, sagte sie dem rbb. „Und ausgerechnet sie soll als größtes Problem einen Antisemitismusvorwurf zurückweisen.“ Die Linke sei ihrer Meinung nach die einzige Partei in Deutschland, die den Spalt zwischen einer demokratischen Kritik an Israel und einem eingewurzelten Antisemitismus zu moderieren versuche.
Die Autorin, deren Vater Jude war, zeigte sich auch kritisch gegenüber dem Zentralrat der Juden. „Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist eine Vertretung, eine religiöse und eine politische Vertretung der Juden, hat aber schon lange nicht mehr die Deutungsmacht, das sehr vielfältige und komplexe Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland abzubilden oder gar zu vertreten“, sagte Menasse.
Die Gruppe Berliner Jüdinnen und Juden nimmt die Linke gegen Antisemitismus-Vorwürfe in Schutz. „Dass gerade die Linken ständig des Antisemitismus beschuldigt werden, ist nicht nur eine zynische politische Instrumentalisierung, sondern setzt beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich“, heißt es in einem offenen Brief von 150 jüdischen Berlinerinnen und Berlinern, darunter die bekannten Autorinnen Deborah Feldman und Eva Menasse.
Unterstützung für rot-rot-grüne Koalition
Weiter heißt es darin: „Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen. Vor dem Hintergrund des überall anschwellenden Antisemitismus ist es nicht einfach eine neutrale Beobachtung, eine demokratische linke Partei herauszugreifen, sondern ein politisches Instrument, um Aufmerksamkeit ab- und umzulenken.“
Steigende Mieten, prekäre Beschäftigung, Überlastung von Schulen und Gesundheitssystem und wachsende soziale Spaltung erzeugten „genau jene gesellschaftlichen Spannungen, die auch den Judenhass fördern“, heißt es in dem Brief weiter. Eine rot-rot-grüne Koalition hätte die Kraft, „die materiellen Ursachen gesellschaftlicher Spannungen anzugehen“, schreiben die Verfasser des Briefs.
Die Linke hatte mit Spitzenkandidatin Elif Eralp am Sonntag die Wahl zum Abgeordnetenhaus gewonnen und möchte das Amt des Regierenden Bürgermeisters übernehmen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Grüne und SPD anschließend davor gewarnt, der Partei zur Regierung zu verhelfen. Die Berliner Linke könne kein verlässlicher Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein. Er habe zwar die Aussagen der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp vernommen, dass sie gegen Antisemitismus in der Hauptstadt vorgehen wolle, sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster. Ihre Einstellung werde aber „offensichtlich in der von ihr vertretenen Partei in Berlin zumindest nicht von allen, ich befürchte nicht einmal von einer großen Mehrheit, geteilt“.
