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Politik

Halbleiter unter Druck: Drei Gefahren für den KI-Boom

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 31, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 31.07.2026 • 10:36 Uhr

Ohne Halbleiter funktioniert keine Künstliche Intelligenz. Doch China holt auf, die Hersteller bauen immer neue Fabriken – und plötzlich wächst die Angst vor einer weltweiten Chipschwemme .

Angela Göpfert

Halbleiter sind das Fundament des KI-Booms: Ohne leistungsfähige Prozessoren und Speicherchips lassen sich die gewaltigen Datenmengen moderner KI-Systeme nicht verarbeiten. Halbleiterkonzerne weltweit investieren deshalb Hunderte Milliarden Dollar in neue Fabriken. Sie setzen darauf, dass der Bedarf an Speicherchips für Künstliche Intelligenz und Rechenzentren noch viele Jahre kräftig wächst. Doch diese Wette wird zunehmend riskant.

Das zeigen auch die jüngsten Börsenturbulenzen: Nach monatelangen Kursgewinnen ist die Stimmung bei Halbleiteraktien abrupt gekippt. Besonders hart traf es die großen südkoreanischen Speicherchiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix, deren Aktien zeitweise massive Kurseinbrüche verzeichneten, bevor es dann zum Wochenschluss zu einer Gegenbewegung kam.

Erst Rekordrally, dann Ausverkauf

Für Fondsmanager Eckhard Schulte von MainSky Asset Management sind die Kursturbulenzen zunächst eine Reaktion auf die außergewöhnliche Rally zuvor. Die Kurse der Chiphersteller seien im zweiten Quartal „förmlich explodiert“. Eine Korrektur habe sich deshalb bereits angedeutet.

Doch hinter den Verlusten steckt mehr als Gewinnmitnahmen. Drei Risiken rücken in den Vordergrund: die wachsende Konkurrenz aus China, die zunehmend verschachtelte Finanzierung des KI-Booms und die Gefahr eines Überangebots bei Speicherchips.

China fordert die DRAM-Marktführer heraus

Besonders sichtbar wird der Wandel beim chinesischen Speicherchiphersteller CXMT. Die Aktie schoss bei ihrem Börsendebüt in Shanghai zu Wochenbeginn zeitweise um mehr als 500 Prozent nach oben. CXMT ist bereits jetzt der viertgrößte DRAM-Hersteller der Welt und fordert damit Samsung, SK Hynix und Micron heraus. Diese drei Konzerne dominieren den Markt bislang.

DRAM ist der Arbeitsspeicher von Computern und Servern. Besonders gefragt ist derzeit HBM – eine besonders schnelle, gestapelte Form von DRAM. Der Speicher sitzt direkt neben KI-Prozessoren wie denen von Nvidia und versorgt sie laufend mit Daten. Für KI-Rechenzentren ist er daher unverzichtbar.

„Deep Seek-Moment“ für Halbleiter

Je stärker China seine Produktion ausbaut, desto größer wird der Druck auf Preise und Margen. Für Stephan Kemper, Chefstratege von BNP Paribas Wealth Management, erlebt die Branche deshalb gerade ihren „Deep Seek-Moment“. China sei technologisch deutlich leistungsfähiger, als viele Investoren bislang angenommen hätten, betont Kemper im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Auch Christoph Schmidt, Technologieanalyst von FeGra Capital, warnt davor, Chinas Aufholjagd zu unterschätzen. „Wenn China einmal loslegt, dann dominieren sie irgendwann auch den Markt.“ Was bei Batterien gelungen sei, könnte sich nun bei Halbleitern wiederholen.

US-Präsident Donald Trump versucht zwar, Chinas Aufstieg im Technologiesektor mit Exportkontrollen und Zöllen zu bremsen. Doch für Peking sind die Beschränkungen zugleich ein weiteres Signal, eigene Lieferketten möglichst rasch aufzubauen. CXMT spielt bei diesem Streben nach technologischer Unabhängigkeit eine Schlüsselrolle.

Milliarden fließen in neue Chipfabriken

Zugleich investieren die etablierten Hersteller so viel wie nie. Samsung und SK Hynix wollen in Südkorea jeweils zwei neue Chipfabriken bauen, das gemeinsame Investitionsvolumen beträgt über 500 Milliarden Dollar. Der US-Rivale Micron will seine Investitionen auf dem Heimatmarkt bis 2035 auf 250 Milliarden Dollar ausweiten.

Damit kehrt ein altes Muster der Branche zurück: der Schweinezyklus. Auf Engpässe, steigende Preise und hohe Gewinne folgen massive Investitionen. Gehen die neuen Fabriken dann Jahre später in Betrieb, drohen Überangebot und Preisverfall.

„Mr. Big Short“ wettet gegen Micron

Genau darauf setzt Michael Burry. Der durch Buch und Film bekannt gewordene Investor („The Big Short“) hat eine Wette auf fallende Micron-Kurse zuletzt offengelegt. Er hält den Investitionsschub für den „Anfang vom Ende“ des aktuellen Aufschwungs. Micron sei so zyklisch wie kaum eine andere Aktie: In guten Zeiten werde sie stärker hochgetrieben, in schlechten stärker abgestoßen.

Burry wurde berühmt, weil er früh auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts setzte – und damit in der Finanzkrise 2008 viel Geld verdiente. Er ist ein prominenter Mahner, aber seine These ist nicht unumstritten.

So hält BNP-Chefstratege Kemper den klassischen Schweinezyklus heute nur noch für eingeschränkt übertragbar. Früher hing die Nachfrage stark von Konsumgütern wie Smartphones, Fernsehern und Computern ab. Heute sorge die KI-Industrie für einen strukturell deutlich stabileren Abnehmer.

Wenn der Lieferant zum Geldgeber wird

Ein ernstzunehmendes Risiko liegt allerdings in der Finanzierung des KI-Booms. Nvidia erwägt einem Bericht des Wall Street Journal zufolge, ein großes Rechenzentrumsprojekt finanziell abzusichern und zusätzlich den Kauf der eigenen Chips mitzufinanzieren. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Lieferant, Kunde und Geldgeber.

„Solche zirkulären Geschäfte transferieren das Risiko direkt in die Bilanzen der Hardware-Produzenten und erklären den rasanten Anstieg der Kreditausfallversicherungen bei Nvidia“, warnt BNP-Experte Kemper.

Die KI-Nachfrage entscheidet

Noch spricht allerdings vieles gegen einen unmittelbar bevorstehenden Einbruch. Die Auftragsbücher seien „zum Bersten gefüllt“, sagt Kemper. Die Nachfrage nach Rechenleistung werde über Jahre anhalten und könne mit den aktuellen Kapazitäten kaum gedeckt werden.

Auch der zeitliche Faktor spricht gegen ein schnelles Überangebot, brauchen neue Fabriken doch Jahre von der Planung bis zur Produktion. Das Ende des Halbleiterbooms auszurufen, wäre daher verfrüht. Doch Chinas Aufstieg, wachsende Finanzierungsrisiken und drohende Überkapazitäten dämpfen die Euphorie.

Entscheidend ist, ob die Nachfrage nach Speicherchips schnell genug wächst. Bleiben die Erträge der milliardenschweren KI-Investitionen hinter den Erwartungen zurück, könnten die Betreiber ihre Ausgaben kürzen. Dann träfen neue Kapazitäten auf eine schwächere Nachfrage – und Burrys Wette könnte aufgehen.

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Dr. Heinrich Krämer
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