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Politik

Höhere Zinsen – die Auswirkungen für Verbraucher und die Wirtschaft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 10, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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FAQ

Stand: 10.09.2026 • 14:16 Uhr

Zum zweiten Mal in diesem Jahr heben Europas Währungshüter den Leitzins an. Was bedeutet das für Verbraucher und Firmen? Wie könnte es in der Geldpolitik weitergehen? Fragen und Antworten.

Klaus-Rainer Jackisch, HR

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute die Leitzinsen erhöht. Der maßgebliche Zinssatz für Einlagen steigt wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte auf jetzt 2,5 Prozent. Es ist die zweite Zinserhöhung im Euroraum in diesem Jahr.

Warum hat die EZB die Leitzinsen angehoben?

Der EZB-Rat hat sich für eine Leitzinserhöhung entschieden, weil die Inflation im Euroraum wieder deutlich gestiegen ist. Sie liegt derzeit bei 3,3 Prozent. Damit ist sie deutlich höher als die 2 Prozent, die von der Notenbank angestrebt werden.

Was sind die Gründe für die hohe Inflation?

Hauptgrund ist der Krieg der USA und Israels gegen Iran. Dadurch gibt es drastische Engpässe bei der Versorgung mit Erdöl, Erdgas und einigen anderen wichtigen Rohstoffen, die aus der Region rund um dem Persischen Golf kommen. Denn wegen des Krieges ist die Durchfahrt durch die wichtige Meerenge von Hormus weitgehend blockiert. Dies hat zu einer kräftigen Erhöhung der Öl- und Gaspreise geführt. Auch Düngemittel, die zu einem Großteil aus der Region exportiert werden, sind davon betroffen. In Deutschland kostet ein Liter E10-Benzin rund 50 Cent mehr als vor Kriegsbeginn. Auch Heizöl und Erdgas haben sich ähnlich stark verteuert.

Wo sind Verbraucher sonst besonders betroffen?

Nahrungsmittel haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verteuert. Bei der Herstellung vieler Produkte sind große Mengen an Energie notwendig – etwa bei Backwaren, Milchprodukten oder Schokolade. Auch schlechte Ernten und im Preis stark gestiegene Düngemittel verteuern viele Waren. Allerdings haben sich die Nahrungsmittelpreise in Deutschland bislang nicht so stark erhöht wie ursprünglich befürchtet. Hintergrund ist der massive Preiskampf im deutschen Einzelhandel, weshalb viele Produzenten Preiserhöhungen nur schwer durchsetzen können. Weiterhin sehr hoch sind die Preise für Dienstleistungen, vor allem bei Handwerker-Leistungen.

Werden die Preise weiter steigen?

Das ist sehr wahrscheinlich, wenn der Krieg am Persischen Golf weiter anhält. Viele Analysten gehen von anziehenden Ölpreisen in den nächsten Wochen aus, weil sich die Konjunktur im Euroraum leicht erholt und eine stärke Nachfrage nach Energie nach sich ziehen dürfte. Die EZB rechnet erst Ende kommenden Jahres mit einem Rückgang der Inflation.

Was bedeutet das für Kreditkunden?

Die höheren Zinsen machen Verbraucherkredite teurer. Wer größere Anschaffungen plant, muss für die Finanzierung höhere Kosten berücksichtigen. Tendenziell teurer dürften auch die Bau-Zinsen werden. Allerdings befinden die sich ohnehin schon auf überproportional hohem Niveau. Sie haben sich schon seit längerem von der Zinspolitik der EZB entkoppelt.

Wer hingegen sein Geld kurz- bis mittelfristig als Festgeld oder Tagesgeld anlegen möchte, erhält dafür jetzt höhere Zinsen. Zahlreiche Banken haben bereits im Vorfeld mit guten Konditionen reagiert.

Welche Folgen haben höhere Zinsen für die Wirtschaft?

Für Unternehmen verteuern sich durch das höhere Zinsniveau die Kosten für Investitionen. Das ist problematisch, weil die Investitionen in Deutschland seit Jahren rückläufig und zu gering sind – ein zentraler Faktor für die gegenwärtige Wirtschaftsschwäche.

Allerdings ist es nicht in erster Linie das Zinsniveau, das Unternehmen von neuen Investitionen abhält – vielmehr lähmen die bekannten anderen Probleme die Wirtschaft, etwa hohe Energiekosten, schlechte Infrastruktur, eine überbordende Bürokratie, der Mangel an Fachkräften und eine deutliche Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Viele Volkswirte sehen daher durch die Zinserhöhung keinen wesentlichen negativen Effekt auf Unternehmen oder die Wirtschaftsentwicklung als Ganzes.

Kommen dieses Jahr noch weitere Zinserhöhungen der EZB?

Das ist noch unklar und hängt insbesondere von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten und den Energiepreisen ab. Die EZB hat mehrfach deutlich gemacht, dass sie eine zu hohe Inflationsrate und eine zu langanhaltende Teuerung nicht tolerieren wird.

Den Notenbankern sitzt dabei auch immer noch die Kritik im Nacken, beim letzten Inflationsschub vor wenigen Jahren mit zweistelligen Inflationsraten auch in Deutschland viel zu spät reagiert zu haben. Einen solchen Fehler wollen die Währungshüter nicht wiederholen. An den Finanzmärkten wird teilweise aber noch mit einem dritten Zinsanstieg in diesem Jahr gerechnet.

Warum reagiert die US-Notenbank nicht genauso wie die EZB?

In den USA ist die Inflation noch deutlich höher als im Euroraum. Die ansonsten ähnliche oder gleiche Geldpolitik der beiden Zentralbanken hat sich in den vergangenen Monaten deutlich auseinanderentwickelt. Im Unterschied zur EZB schaut die Federal Reserve nicht nur auf die Inflationsrate, sondern gleichwertig auch auf den Arbeitsmarkt. Der läuft zwar nicht schlecht, brummt aber nicht so, dass Zinserhöhungen die Konjunktur schwächen sollten.

Die US-Notenbank befindet sich außerdem massiv unter politischem Druck. US-Präsident Donald Trump möchte trotz der hohen Inflationsrate, die zu einem großen Teil durch seine Politik ausgelöst wurde, sogar Zinssenkungen. Dem hat sich die Federal Reserve zwar widersetzt, aber die Zinsen auch nicht angehoben. Viele Experten glauben dennoch, dass die US-Notenbank den Zinssatz in der kommenden Woche erhöhen wird, weil die Inflationsrate schon viel zu lange zu hoch ist. Auch die Federal Reserve hält wie die meisten Notenbanken weltweit eine Inflationsrate von 2 Prozent für angemessen.

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Dr. Heinrich Krämer
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