Initiative mit FrankreichBilger will E20-Sprit zum Durchbruch verhelfen
Das Verbrenner-Verbot in der EU ab 2035 steht vor dem Aus. Um dennoch mehr fürs Klima zu tun, wollen Berlin und Paris die Bioethanol-Beimischung bei Benzin verdoppeln.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger will nach der deutsch-französischen Einigung zur Aufweichung des Verbrenner-Aus die Einführung von E20-Benzin vorantreiben. „Zurzeit setze ich mich mit meinem französischen Amtskollegen dafür ein, dass wir die Beimischung von Biokraftstoffen erhöhen“, sagte Bilger der „Augsburger Allgemeine“ auf die Frage, wie er dem Klimaschutz stattdessen Rechnung tragen wolle. Mit einem höheren Bioethanol-Anteil an den Zapfsäulen könne zudem die Abhängigkeit von Ölimporten verringert werden. Die Bezeichnungen E5 und E10 geben den maximalen Anteil von Bioethanol am Benzin an. E20 entspräche einer maximalen Beimischquote von 20 Prozent. Anlässlich der Eröffnung der ersten E20-Tankstelle in Deutschland in Juni hatte der ADAC gemutmaßt, dass der Preis etwa auf E10-Niveau liegen dürfte.
Vertreter der EU-Staaten und des Europaparlaments hatten sich 2022 darauf geeinigt, dass Neuwagen in der EU ab 2035 im Betrieb kein klimaschädliches Kohlenstoffdioxid (CO2) mehr ausstoßen dürfen. Andernfalls drohen Strafzahlungen. Die EU-Kommission hatte im Dezember vorgeschlagen, weiter Autos mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen. Darüber beraten derzeit jeweils das Europaparlament und die EU-Staaten. Ohne ihre Zustimmung tritt der Plan nicht in Kraft. Deutschland und die Autoindustrie hatten sich lange für ein Aufweichen des eigentlich beschlossenen Verbrenner-Aus eingesetzt. Nun haben sich Berlin und Paris auf gemeinsame Vorschläge zur Zukunft von Verbrennermotoren und E-Autos geeinigt.
Bilger verteidigte den gemeinsamen Vorstoß von Berlin und Paris, das geplante EU-Verbot für neue Verbrennungsmotoren abzuschwächen. Deutschland sei mit dem öffentlichen Ladenetz gut aufgestellt. „Aber andere Länder in Europa, für die das Verbrenner-Verbot auch gelten soll, haben noch sehr viel nachzuholen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Und auch deswegen gibt es in Europa zurzeit viel Bereitschaft, das Verbrenner-Aus zu korrigieren“, sagte der CDU-Politiker. Ein vollständiges Verbrenner-Verbot würde zudem der deutschen Automobilindustrie schaden, da der Umstieg auf Elektromobilität in vielen Exportländern länger dauere. Bilger betonte, er selbst habe die Entscheidung immer für einen Fehler gehalten.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben vereinbart, dass das CO2-Reduktionsziel für Neuwagen ab 2035 von 100 auf 90 Prozent sinken soll. Ein Ausgleich für die verbleibenden zehn Prozent soll nicht mehr erforderlich sein. Deutschland und Frankreich müssen die Pläne nun auf EU-Ebene durchsetzen. Das deutsch-französische Konzept sieht zudem vor, die Anforderungen an den Anteil in Europa produzierter Autobauteile schrittweise hochzufahren, um die heimische Industrie zu stärken.
