Drohnen, Panzer und Munition sind nicht alles. Den NATO-Ländern geht es auch um Investitionen in die sicherheitsrelevante Infrastruktur. Das könnte Tausende neue Jobs schaffen. Fragen bleiben.
Im Zuge der massiven Ausweitung der Verteidigungsausgaben haben sich die NATO-Staaten darauf geeinigt, nicht nur Geld für Rüstungsgüter und die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte auszugeben, sondern auch in die sicherheitsrelevante Infrastruktur zu investieren.
„Investitionen in Infrastruktur – von Mobilität über Energie bis zu Häfen, Flughäfen, Schutzräumen und Cyber-Sicherheit – bilden das Rückgrat militärischer Fähigkeiten“, sagte Jan Friedrich Kallmorgen. Er verantwortet als Partner die geopolitische Strategieberatung bei EY Deutschland.
Nicht nur das Militär profitiert
Nicht nur der Verteidigungsbereich dürfte davon profitieren, sondern die Volkswirtschaften insgesamt, so das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Beratungsgesellschaft EY Parthenon und der DekaBank.
Insgesamt werde das BIP durch höhere Investitionen und Produktionen um etwa 1,5 Prozent steigen. Hinzu komme, dass allein in Deutschland jährlich zusätzlich rund 17,2 Milliarden Euro an Steuern und Sozialabgaben generiert werden. Diese resultiere insbesondere aus Einkommensteuern, Unternehmenssteuern sowie Sozialversicherungsbeiträgen.
Tausende neue Jobs entstehen
Vor allem Unternehmen aus der Baubranche dürften neue Aufträge erhalten, aber auch Firmen aus dem Informations- und Kommunikationsbereich. Logistikunternehmen sind davon betroffen und die Elektroindustrie.
Die Studienautoren gehen davon aus, dass durch diese Investitionen rund 4,4 Millionen Arbeitsplätze in Europa geschaffen werden, sofern sie wie vorgesehen zusätzlich entstehen. Allein in Deutschland könnten es 723.000 neue Jobs sein.
Die anstehenden Investitionen können Deutschland und Europa den konjunkturellen Rückenwind geben, der aktuell so dringend benötigt wird, sagt Sandra Krusch, Managing Partner EY-Parthenon in Deutschland.
„Zugleich bieten sie die Chance für eine umfassende Modernisierung in den Bereichen Logistik, Verkehr und Energie – und stärken damit nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit Europas als Wirtschaftsstandort.“
Hoher Investitionsbedarf trifft auf knappe öffentliche Kassen
Der hohe Investitionsbedarf ist das eine. Dass es heute schon in Deutschland und in vielen anderen europäischen Staaten einen Investitionsstau gibt, ist das andere.
Hinzu kommt, dass der Staat die hohen Kosten nicht allein wird schultern können. „Ohne privates Kapital ist eine ausreichende Resilienz nicht erreichbar“, gibt Matthias Danne, ehemaliger Vorstand der DekaBank zu bedenken.
Hohe Vorlaufzeiten
Ein Großteil der verteidigungsrelevanten Infrastrukturmaßnahmen entfällt zudem auf langfristige Projekte, die hohe Vorlaufzeiten haben. Die Genehmigungsverfahren sind komplex.
Zudem geht es in vielen Fällen um um komplizierte Abstimmungen zwischen zivilen und militärischen Planungen, oft auch um europäische Absprachen bei grenzüberschreitenden Projekten.
Immer mehr Firmen setzen auf die Rüstungsindustrie
In vielen Industriebereichen hat das Umdenken begonnen. Zwar sind zuletzt die Auftragseingänge wieder gestiegen. Deutsche Unternehmen haben auch wieder mehr Waren exportiert, aber viele Ökonomen möchten noch nicht von einer Trendwende sprechen.
Viele Autobauer, auch Unternehmen aus dem Maschinenbau, entdecken die Rüstungsindustrie als wichtigen neuen Markt. Partnerschaften werden geknüpft oder ausgebaut.
DAX ohne klaren Trend
Der DAX, der wichtigste deutsche Aktienindex, ist zu Wochenschluss ohne klaren Trend. Anleger haben sich vor dem Wochenende auch mit Engagements an den europäischen Aktienmärkten zurückgehalten. Im Fokus steht der weiterhin ungelöste militärische Konflikt zwischen den USA und Iran.
