Vor der Parlamentswahl in Israel verschärft die Armee ihr Vorgehen im Westjordanland. Demnach sollen sämtliche Übergänge zu dem Palästinensergebiet geschlossen werden, teilte das Militär mit.
Israels Armee wird nach eigenen Angaben während der Parlamentswahl am Dienstag einen Lockdown über das besetzte Westjordanland verhängen.
Wie die Armee weiter mitteilte, werde palästinensischen Arbeitern bereits heute und Montag der Zugang zu israelischen Siedlungen im Westjordanland und Jordantal verwehrt. Ausnahme seien Industriezonen und eine „begrenzte Zahl“ genehmigter Bereiche.
Hintergrund ist Israels andauernder Militäreinsatz im Westjordanland, nachdem es am Freitag einen tödlichen Angriff bewaffneter Palästinenser nahe der Stadt Hebron gegeben hatte. Dabei waren nach Armeeangaben zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt worden. Die zwei mutmaßlich palästinensischen Täter aus Hebron wurden demnach getötet.
2.000 Palästinenser aus Häusern vertrieben
Israels Verteidigungsminister Israel Katz bestätigte unterdessen, dass rund 2.000 Palästinenser aus ihren Häusern in Hebron vertrieben wurden. „Ausgewählte Armee-Einheiten sind derzeit dort im Einsatz“, sagte er dem israelischen Sender Kan. Die rund 2.000 Betroffenen dürften nicht eher in ihre Viertel zurück, „bis wir alle Probleme mit der Hamas in Hebron gelöst haben.“
Der Bürgermeister von Hebron, Jussef al-Dschabari, hatte bereits zuvor dem arabischen Nachrichtenkanal Al Jazeera gesagt, seit Beginn der israelischen Razzien am Freitag seien 2.200 Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Nach Angaben der israelischen Armee führten ihre Soldaten zusammen mit der israelischen Grenzpolizei und dem Geheimdienst Anti-Terror-Einsätze in rund 40 Gebieten und an 400 Orten im Westjordanland durch.
Israels Armee meldet Dutzende Festnahmen
Die Einsatzkräfte hätten rund 40 Verdächtige festgenommen, darunter Mitglieder der islamistischen Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad, hieß es.
Vor diesem Hintergrund habe Israels politische Führung die Empfehlung des Verteidigungsministeriums gebilligt, während Israels Parlamentswahl am Dienstag ein Einreiseverbot für palästinensische Arbeiter in alle Siedlungen und Industriegebiete zu verhängen, hieß es. Zudem sollen alle Landübergänge zwischen dem Westjordanland und Israel für Palästinenser geschlossen werden.
Der Ausgang der Parlamentswahl ist völlig offen. Meinungsforscher sehen derzeit keine Mehrheit für einen der politischen Blöcke in dem tief gespaltenen Land. Auch die jüngsten Umfragen deuten auf ein äußerst knappes Rennen zwischen Netanjahus Likud und der Opposition hin.
Parlamentswahl in Israel
Israel wählt am 27. Oktober 2026 ein neues Parlament, die Knesset. Die Wahl findet vor dem Hintergrund der Folgen des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023, der Kriege im Nahen Osten und des Korruptionsprozesses gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu statt.
Zentrale Themen sind die Außen- und Sicherheitspolitik, Verantwortlichkeiten für Fehler bei der Abwehr des Hamas-Angriffs, der Militärdienst für ultraorthodoxe Männer und hohe Lebenshaltungskosten.
Als wichtigster Herausforderer Netanjahus und seiner rechts-religiösen Koalition unter Führung der Likud-Partei gilt Israels Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot. Mit seiner Partei Jaschar tritt er unter anderem für eine Stärkung des Rechtsstaates ein und vertritt in Sicherheitsfragen einen harten Kurs, insbesondere gegenüber der Hamas.
