Tim Cook hat als CEO und „Gesicht“ von Apple in den vergangenen Jahren den Konzern geprägt. Jetzt übergibt er den Stab an John Ternus. Wer ist der Neue?
Guter Teamworker, netter Mensch, fokussiert aufs Lösen von Problemen, privat Hobbyrennfahrer mit Porsche: So beschreiben US-Medien den neuen Apple-Chef John Ternus. Bei der Premiere der neuesten Staffel der AppleTV-Serie Ted Lasso erschien er gemeinsam mit Tim Cook auf dem roten Teppich, und in ein paar Tagen wird er das Apple-Event und möglicherweise ein faltbares iPhone präsentieren. Aber heute ist erstmal sein erster offizieller Arbeitstag als CEO von Apple.
Ternus ist mit der Firma bestens vertraut – er arbeitet seit 2001 bei Apple – und sieht das als Vorteil: „Da ich nahezu meine gesamte Karriere bei Apple verbracht habe, hatte ich das Glück, unter Steve Jobs gearbeitet und Tim Cook als Mentor gehabt zu haben.“ Er gilt als Hardware-Experte: Ausgebildet als Ingenieur, war er zuletzt für das technische Innenleben aller Apple-Produkte verantwortlich.
Bei KI auf Google angewiesen
Als neuer Chef steht Ternus vor Herausforderungen. Apple ist in Sachen Künstliche Intelligenz nach Ansicht vieler Experten ins Hintertreffen geraten – nach spätem Einstieg wurde Apple Intelligence vollmundig angekündigt, enttäuschte aber die Erwartungen. Helfen soll Googles Chatbot Gemini.
„Apple und Google haben eine mehrjährige Zusammenarbeit begonnen – die nächste Generation von Apple-Modellen werden auf Googles Gemini-Modellen und Cloud-Technologie basieren.“ Das kündigten die Firmen schon Anfang des Jahres an. Erwartet wird bald die offizielle Veröffentlichung einer runderneuerten Siri. „Jetzt geht es darum, dass Ternus das KI-Kapitel neu schreibt“, sagt Dan Ives von der Investmentfirma Yorkville Ives & Co.
Viel hängt immer noch am iPhone
Eine zentrale Frage dabei ist auch: Wie werden Menschen in Zukunft Künstliche Intelligenz nutzen? Apple ist unter Tim Cook zu einer der wertvollsten Firmen der Welt geworden. Hauptquelle von Apples Einnahmen ist weiter das iPhone. Aber während momentan ein Leben ohne Handy kaum vorstellbar scheint, sind längst Alternativen in der Entwicklung – speziell für KI-Anwendungen.
Kann Ternus ein Visionär sein, der Apple auch in Zukunft relevant bleiben lässt? Auf jeden Fall erbt er einen Rechtsstreit, in dem Apple dem Konkurrenten OpenAI Betriebsspionage vorwirft. Zahlreiche Ex-Apple-Mitarbeiter sind mittlerweile für OpenAI tätig.
Zollrückzahlung soll in Produktion fließen
Apples Abhängigkeit von China dürfte Ternus in der aktuellen politischen Lage ebenfalls Kopfschmerzen bereiten. „Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo Apple in dieser Qualität, dieser Menge und zu diesem Preis produzieren könnte – außer in China“, sagt der New-York-Times-Journalist Patrick McGee der ARD.
Der scheidende Chef Tim Cook musste deshalb US-Präsident Donald Trump, der Unternehmen zu heimischer Produktion zwingen will, bei Laune halten, Apple zahlte zeitweise trotzdem Milliarden an Zöllen – und erhielt nach einem entsprechenden Urteil des US Supreme Court wie andere Firmen auch eine Rückerstattung. Laut Cook soll sie verwendet werden, um die US-Produktion anzukurbeln: „Jetzt planen wir, die zurückerstatteten Zölle wieder in den USA zu investieren.“ Das allerdings dürfte ein langwieriges Projekt sein.
Unter Vorgänger Cook wertvollstes Unternehmen
Beobachter erwarten, dass Cook auch weiterhin für eine gute Beziehung zu Trump verantwortlich sein wird. Denn er bleibt der Firma als Verwaltungsratsvorsitzender zunächst erhalten und soll die Kontakte in die Politik pflegen.
In seiner Zeit als CEO hatte er das Apple-Universum immer weiter ausgebaut: Die smarte Armbanduhr Apple Watch, die kabellosen Kopfhörer Air Pods, der Zahlungsdienst Apple Pay, und Streamingdienste wie Apple Music oder Apple TV kamen auf den Markt. Die Firma ist unter seiner Führung zu einem der wertvollsten Unternehmen weltweit geworden.

