Kanzler sorge für „Zerwürfnisse“Grünen-Chefin kritisiert Merz-Söder-Machtkampf bei Bundespräsidentenfrage
Die Union ist immer noch uneins darüber, wer für sie als Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten antreten soll. Die Grünen-Chefin nimmt angesichts der ungeklärten Frage Friedrich Merz ins Visier. Sie wirft dem Bundeskanzler ein Führungsproblem vor.
Grünen-Chefin Franziska Brantner hat Bundeskanzler Friedrich Merz mangelnde Führungsfähigkeit bei der Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorgeworfen. „Mich ärgert, dass Friedrich Merz selbst bei der Suche nach einem neuen Staatsoberhaupt so führt, dass nur Zerwürfnisse entstehen – und Ilse Aigner und möglicherweise weitere Personen beschädigt aus der Debatte gehen werden“, sagte Brantner dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Es gehe gerade nicht darum, wer die beste Person sei, sondern um einen Machtkampf zwischen CSU-Chef Markus Söder und dem CDU-Vorsitzenden Merz. „Das ist dem höchsten Staatsamt nicht würdig.“
Zugleich bekräftigte Brantner die Bereitschaft der Grünen, eine parteiübergreifende Bewerberin aufzustellen: „Wir Grüne haben gesagt, dass wir offen dafür sind, gemeinsam mit Union und SPD eine Kandidatin aufzustellen. Nach unserer Überzeugung ist die Zeit reif für eine Frau.“ Söder wirbt für die bayerische Landtagspräsidentin Aigner, Favoritin von Merz soll die hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus sein.
Brantner riet Merz ganz grundsätzlich, sich stärker am ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer zu orientieren. „Adenauer hatte verstanden, dass das Soziale zur Marktwirtschaft dazugehört, dass es aber auch einen Wettbewerb der Ideen braucht, damit es vorangeht und man nicht nur an der Vergangenheit festhalten kann“, sagte die Parteichefin.
Brantner führte auch Adenauers Europapolitik als vorbildlich an. „Mich hat es wirklich geärgert, dass wir es nicht geschafft haben, ein deutsch-französisches Kampfflugzeug zu bauen – obwohl wir sehr viel in die Verteidigung investieren“, sagte sie. „Ich bin sicher, Adenauer wäre zu Charles de Gaulle gegangen und hätte die Unternehmenschefs an einen Tisch geholt. Bei einem guten Wein hätten sie so lange zusammengesessen, bis das Problem gelöst gewesen wäre.“
