19.06.2026 | 18:05 Uhr
Die WM groovt sich langsam ein, die ersten großen sportlichen Geschichten werden geschrieben. Einer der fehlt, trägt maßgeblich zum Gelingen bei. Durch sein Fehlen.
Donald Trump hat eine Menge dafür getan, dass die Fußball-WM in diesen Tagen vor allem in den USA stattfindet: Während seiner ersten Amtszeit drohte der US-Präsident via Twitter wüst allen, die gegen die Bewerbung seines Landes um das Großturnier stimmen.
Dazu ging das FBI mit ungewohnter Härte gegen korrupte FIFA-Funktionäre vor, nachdem die WM 2022 an Katar statt nach Nordamerika ging. Ein Warnschuss. Nachdem das Ding für 2026 eingetütet war, verliefen die meisten Verfahren dann im Sande. Die Auslosung kaperte Trump im vergangenen Dezember, die Zeremonie wirkte teilweise wie eine Krönungsmesse. Kein Zweifel, es ist auch sein Turnier.
Trump gebührt Dank
Weit bevor der erste Ball rollte, ließ Trump eine Menge Theaterdonner um das Turnier krachen: Der Präsident nutzte die WM nicht nur als Werbemittel, sondern setzte sie auch als politisches Kampfmittel ein. Er drohte demokratisch regierten Städten mit dem Entzug von Spielen und und und. Es wurde so wild, dass die FIFA flugs einen Friedenspreis erfinden musste, um den erratischen Präsidenten zu befrieden.
FIFA-Boss Gianni Infantino saß sogar beim ersten Zusammenkommen von Trumps „Friedensrat“ mit USA-Kappe auf dem Podium. Es war grotesk. Und jetzt? Jetzt schwänzt Trump das Turnier einfach. Und dafür gebührt ihm Dank.
Zumindest in der ersten Turnierwoche schlägt bestenfalls politische 1B-Prominenz wie Außenminister Marco Rubio auf, der sich mit Vizepräsident JD Vance um Trumps politisches Erbe balgt.
In New York wurde es peinlich
Der Präsident selbst schaute letzte Woche beim dritten Spiel der NBA-Finalserie vorbei – und wurde nicht nur Zeuge, wie sein Heimteam, die New York Knicks, zum ersten Mal nach zuvor 13 Siegen in Serie wieder ein Spiel verloren. Nein, dazu wurde der Commander-in-Chief in seiner Heimatstadt während der Hymne böse ausgebuht.
Volle Arena buht Trump laut aus
Zwar scheint Trumps Resilienz grenzenlos, ihm buchstäblich nahestehende Menschen deuteten die Wut des Volkes flugs zu Begeisterung um, aber Trump ist klar: Umjubelte Durchmärsche gibt es für ihn nur noch, wenn er Käfigkämpfer für sich kämpfen lässt.
Also lässt er es derzeit lieber bleiben, sich irgendwo blicken zu lassen. Trumps operativer Einfluss auf die WM erschöpft sich dieser Tage auf einen Anruf beim US-Team nach dessen Auftaktsieg (4:1 gegen Paraguay). Auch unterlässt Trump es bisher, die Milliardenveranstaltung an sich, Teams oder einzelne Akteure mit einer Kurznachrichten-Kanonade via „Truth Social“ sturmreif zu schießen.
Quatschkrieg und Stress
Und dann hat er natürlich tatsächlich ordentlich zu tun. Zum Beispiel mit dem von ihm selbst angezettelten und nun zumindest auf dem Papier zu Ende gegangenen Quatschkrieg gegen WM-Teilnehmer Iran. Der Konflikt ist für die USA und den Kriegsherrn Trump persönlich ein Desaster.
Alle, die die Fußball-WM nicht nur als politische Ausgeburt aus der Kommerzhölle verdammen, müssen Trump dankbar sein, dass er das Turnier bislang mit seiner Anwesenheit verschont. Schlägt der Präsident in einem der Stadien auf, verliert das Spiel automatisch an Relevanz. Dann geht es nur noch um B-Noten: das Verhältnis von Pfiffen zu Jubel, ob er einschläft oder tanzt. Und wie tapfer Gianni Infantino daneben lächelt oder ob die Mundwinkel doch mal entgleiten.
USA im WM-Fieber: Hollywood-Stars füllen die Ränge

Das Turnier beginnt gerade nach dem Bohei um die Angst vor ICE-Einsätzen, Unwetteralarmen, absurden Eintrittspreisen und horrenden Nebenkosten, Einreiseproblemen und der peinlichen Unterwürfigkeit der sonst so übermächtigen FIFA große, schöne, sportliche Geschichten zu schreiben.
Die Außenseiter, die die Favoriten ärgern – man frage bei den vielen neuen Fans von Kap Verde und der Demokratischen Republik Kongo nach. Die Gala von Lionel Messi, der sich zum WM-Rekordschützen machte. Die Tartan Army, die sich durchs Land singt und säuft und dabei die Herzen erobert. Die Fans, die Spieler und der Fußball an sich nutzen die Freiheit, sich im Turnier schön einzurichten. Es sich zu sichern. Jede Hand, die Trump an das Turnier anlegt, brächte das sensible Gerüst wieder ins Wanken.
Nicht zu früh freuen
Nun muss sich niemand irgendeiner Illusion hingeben: Spätestens zum Finale in New Jersey wird der POTUS aufschlagen und die ganz große Bühne für sich reklamieren. So, wie er es beim Endspiel der Klub-WM im vergangenen Jahr tat, als er sich beharrlich weigerte, das Scheinwerferlicht dem siegreichen FC Chelsea zu überlassen.
Aber bis dahin können die Fußball-Fans – und auch die, die über die WM berichten – jeden Tag sagen: Danke, Donald Trump. Dafür, dass Sie nicht da sind.
Verwendete Quelle: ntv.de
