Die Lebensmittel knapp, seit Monaten kein Landgang: US-Senatoren sorgen sich um die Marinestreitkräfte auf dem Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“. Dieser soll offenbar nun abgelöst werden.
Rund 200 Angehörige von Seeleuten der „USS Abraham Lincoln“ haben in den vergangenen Tagen bei Treffen mit hochrangigen Marinevertretern in San Diego Alarm geschlagen. Sie berichten von Versorgungsproblemen, Erschöpfung und sinkender Moral an Bord des Flugzeugträgers. Und das inzwischen nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern auch öffentlich.
Wie Nicole Conrads, deren Sohn auf der „USS Abraham Lincoln“ dient: „Lebensmittel waren offenbar knapp. Er hat mir erzählt, dass er zeitweise nur eine halbe Tasse Reis und zwei Tortillas bekommen hat“, sagt sie. Es gebe Probleme mit den Duschen, der Wäscherei und Toilettenanlagen. Außerdem kämpfe die Besatzung mit langen Arbeitszeiten und einer immer längeren Einsatzdauer.
Seit Monaten kein Hafenaufenthalt
Tatsächlich ist die Lincoln seit November vergangenen Jahres im Einsatz. Die ursprünglich auf sieben Monate angelegte Mission wurde mehrfach verlängert. Inzwischen dauert der Einsatz fast neun Monate. Über 200 Tage hat das Schiff ohne regulären Hafenaufenthalt verbracht. Letzteres gilt als Rekord für einen modernen US-Flugzeugträger.
Zudem wissen die Besatzungsmitglieder schlicht nicht, wann dieser mehrfach verlängerte Einsatz endet. Das belastet die Stimmung zusätzlich. Brett Snow, dessen Sohn ebenfalls auf dem Flugzeugträger dient, beschreibt das so: „Klar, es gibt Soldaten, die sagen: Ich habe im Schlamm unter einem Panzer geschlafen und mich von Einsatzrationen ernährt. Aber eben nicht neun Monate am Stück.“
Die Vorwürfe wurden von Militär-Fachmedien dokumentiert. Auch psychische Krisen nehmen offenbar zu. Laut mehreren US-Medien sollen Seeleute versucht haben, über Bord zu springen. Der frühere Navy-Kapitän Armin Kurdian war selbst sechs Monate auf der Lincoln stationiert. Er sagt, solche Vorfälle seien alarmierend – aber leider nicht völlig ungewöhnlich:
Bei so langen Einsätzen kommt es immer wieder vor, dass Besatzungsmitglieder in psychische Krisen geraten. Das passiert nicht jeden Tag, aber es kommt vor.
US-Senatoren schalten sich ein
Inzwischen haben sich verschiedene Politiker eingeschaltet. Der demokratische Senator Richard Blumenthal fordert in einem Brief an Verteidigungsminister Pete Hegseth und den amtierenden Marineminister Hung Cao detaillierte Auskünfte über die Zustände an Bord. Blumenthal, der Mitglied des Verteidigungsausschusses ist, will wissen, warum der Einsatz mehrfach verlängert wurde und kritisiert, dass die Regierung Ziele und Dauer der Mission bislang nicht ausreichend erklärt habe.
Die US Navy weist die Vorwürfe zurück. Gegenüber CBS News erklärte ein Sprecher, die Abraham Lincoln operiere in einem hoch umkämpften Umfeld. Die Kampfhandlungen hätten die Nachschubwege zeitweise gestört. Deshalb habe die Marine zunächst Lebensmittel und Hygieneartikel priorisiert.
Zugleich betont die Navy, an Bord gebe es sauberes Wasser, funktionierende Klimaanlagen und ausreichend Verpflegung. Auch Berichte über eine Zunahme von Suizidversuchen lägen der Navy nicht vor. Der Besatzung stünden psychologische Berater, Seelsorger und medizinisches Personal zur Verfügung.
Ablösung soll auf dem Weg sein
Kriegsminister Pete Hegseth hatte bereits frühere Berichte über Lebensmittelknappheit auf der „Abraham Lincoln“ öffentlich als „Fake News“ bezeichnet. Angehörige wie Brett Snow sagen dazu: „Sie haben sich freiwillig gemeldet. Sie geben ihr Bestes. Deshalb brauchen sie unsere Unterstützung. Und dazu gehört, dass sie alles bekommen, um ihren Auftrag zu erfüllen: Treibstoff, Nahrung, aber eben auch Dinge des täglichen Bedarfs wie Zahnpasta und Deo.“
Inzwischen ist offenbar eine Ablösung für die „Lincoln“ in Sicht. Die „USS George Washington“ soll bereits auf dem Weg in den Nahen Osten sein. Einen Termin für die Rückkehr der „Lincoln“ hat die Navy allerdings nicht bekannt gegeben.
US-Verteidigungsministerium oder Kriegsministerium?
Die von Präsident Trump vorangetriebene Umbenennung des US-Verteidigungsministeriums in Kriegsministerium (Department of War) geht voran. Die gesetzliche Grundlage nahm im Repräsentantenhaus die erste Hürde, nun muss nur der Senat noch zustimmen. Bereits im Herbst 2025 verfügte Trump per Dekret die Umbenennung. Wer unmittelbar nach der Unterzeichnung des Dekrets den X-Account des Ministeriums und die Website aufrief, sah den neuen Namen.
Solange aber die offizielle Umbenennung per Gesetz noch ausstand, wurde in Nachrichtentexten auf tagesschau.de überwiegend die bisherige Bezeichnung Verteidigungsministerium oder Pentagon verwendet, oft verbunden mit dem Zusatz, dass sich das Ministerium selbst Kriegsministerium nennt. Bei der schriftlichen Einblendung des Titels in Fernsehbeiträgen der tagesschau kam die Bezeichnung zum Einsatz, die auch die jeweilige Institution benutzt, also Kriegsministerium bzw. Kriegsminister Hegseth.
Sobald das entsprechende Gesetz auch die zweite US-Kammer passiert hat, ist die Namensänderung offiziell – und Pete Hegseth damit Kriegsminister.
Der Name Kriegsministerium in den USA ist nicht neu. Er wurde auch bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet.

