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Kokain auch in EU billiger: Trumps Anti-Drogenkrieg bewirkt wohl das Gegenteil

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Kokain auch in EU billigerTrumps Anti-Drogenkrieg bewirkt wohl das Gegenteil

15.10.2026, 06:11 Uhr

Von Roland Peters, New York
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Eine vom US-Militär veröffentlichte Aufnahme eines Luftschlags in der Karibik gegen ein Schnellboot im September 2025 (Foto: IMAGO/UPI Photo)

Das Weiße Haus bekämpft unter Präsident Trump und Verteidigungsminister Hegseth lateinamerikanische Drogenkartelle mit dem Militär. Doch in den USA und Europa ist das Angebot groß, die Kokainpreise sinken.

Seit Donald Trumps erneuten Amtsantritt geht die US-Regierung rigoros gegen alles und fast jeden in der Hemisphäre vor, der unter Verdacht steht, am Drogenschmuggel in die USA und anderswo im Globalen Norden beteiligt zu sein. Vor diesem Hintergrund schoben US-Behörden Hunderttausende Migranten ab, hat das US-Militär laut eigenen Angaben bei 71 Luftschlägen auf Schnellboote 239 Menschen getötet, Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro festgenommen und angeklagt, sowie in Ecuador weitere Militäreinsätze durchgeführt. Vorgeblich alles, um den Weg der Drogenschmuggler in den Norden zu erschweren.

Doch der vom Weißen Haus ausgerufene „Krieg gegen die Kartelle“, die Sicherheitsallianz „Südliches Schild“ und die neue stehende Truppe „Südlicher Speer“ bewirkt zumindest auf dem internationalen Kokainmarkt das Gegenteil. Schmuggler nutzen andere Routen und Taktiken, um dem Militär zu entgehen. Das Ergebnis sind Rekordangebote, günstige Preise und purer Stoff, berichteten Experten dem „Wall Street Journal“ – in den Vereinigten Staaten wie in Europa. Damit wackelt das Hauptargument des Weißen Hauses für seine Herangehensweise der harten Hand in der Region.

Aus dem größten kolumbianischen Pazifikhafen in Buenaventura etwa berichteten demnach Militärtaucher davon, dass Schmuggler immer mehr „Parasiten“ verwendeten, also mit Kokain gefüllte metallene Behälter, die an den Schiffsrümpfen von Frachtern befestigt werden. Schnellboote blieben nah an den Küsten, die Pakete würden über eine Vielzahl verschiedener Wege transportiert. Kolumbien produziert etwa 70 Prozent des weltweiten Kokains, in der gemeinsamen Anden-Gebirgskette mit Peru und Bolivien fast die komplette Menge. Trump behauptet, der Drogenschmuggel auf dem Seeweg sei praktisch zum Erliegen gekommen. Experten widersprechen.

„Billiger und reiner“

Dem Bericht zufolge gelangen Rekordmengen an Kokain in die USA und nach Europa, und zwar „billiger und reiner als seit Jahrzehnten“. Das Schmugglernetz hat sich demnach seit dem vergangenen Jahr, als die US-Luftschläge gegen die Schnellboote begannen, weiter verzweigt. Statt die Drogen vor allem über Kolumbien und Venezuela zu verschiffen, werden sie etwa auch über die weiteren karibischen Anrainerstaaten Guyana und Suriname, oder über die Flüsse in weitere Küstenstädte wie das uruguayische Montevideo transportiert. Laut dem Forscher Lee Schlenker ist es „unwahrscheinlich“, dass ein rein militärischer Ansatz den Drogenschmuggel stoppen kann. Auch die Produktion müsse verringert werden, schreibt Schlenker in einer Analyse.

Danach sieht es nicht aus. In Kolumbien werde großflächiger Koka angebaut sowie mehr Kokain produziert als je zuvor, heißt es von den Vereinten Nationen, die jährlich einen Drogenbericht veröffentlichen. Die Kokainproduktion erreichte demnach bereits 2024 ein historisches Ausmaß und habe sich „in den vorherigen zehn Jahren mehr als vervierfacht, um die Nachfrage zu decken“. Zugleich verdoppelten in Kolumbien die an Drogenproduktion und -schmuggel beteiligten bewaffneten Gruppen ihre Mitgliederanzahl von 2022 bis 2026 nahezu.

Das große Angebot wirkt sich auch auf die Preise aus. Laut „Wall Street Journal“ kostete in der US-Stadt Miami das Kilo Kokain im Sommer nur noch 16.500 US-Dollar und so etwa ein Drittel weniger als der sonst dort übliche Mindestpreis. In Europa koste das Kilo an manchen Orten genauso wenig und damit zwei Drittel weniger als sonst. Zugleich sei die Droge ungewöhnlich rein – manchmal zu fast 98 Prozent. Laut Anti-Drogenexperten der US-Regierung unterbrechen Trumps Luftschläge zwar den Weg der Drogen in den Norden. Aber offenbar gelangt trotzdem mehr davon auf die weltweiten Märkte.

Kokainschwemme nach Europa

Konsumenten in New York City etwa würden stetig hochwertiges Kokain bekommen, wird Ric Curtis vom „Wall Street Journal“ zitiert, der bei einer gemeinnützigen Organisation die Drogen untersucht. „Es ist echtes Koks, ich bin überrascht“, sagte er demnach: „Der Preis stimmt. Es ist billig und weit verbreitet, also wirklich weit verbreitet.“ Anders als in den vergangenen Jahrzehnten seien die Proben, die er erhalte, selten gestreckt, wie es früher der Fall war.

In Europa erklärte Laurent Lanier, leitender Analyst bei der EU-Drogenagentur (EUDA), dem US-Medium, dass Spottpreise neue Kunden anzögen, die sich Kokain in der Vergangenheit nicht leisten konnten. „Es ist einfach verrückt, wie viel Kokain bei uns ankommt“, wird er zitiert. Frankreich etwa beschlagnahmte laut dem Bericht im Jahr 2025 eine Rekordmenge von 92 Tonnen Kokain – das Dreifache wie 2022. Schmuggler würden Kontrollen umgehen und nutzten kleinere Häfen, dazu kämen zusätzliche Lieferungen befördern per Flugzeug, aus Französisch-Guayana und den französischen Inseln in der Karibik, oder gelangen über den Umweg in Westafrika in die EU.

Bereits von 2014 bis 2024 war der Kokainpreis in der EU um 18 Prozent gesunken und die Reinheit habe um 44 Prozent zugenommen, gibt die EUDA an. Die Droge sei „leichter erhältlich als zu ihrer Blütezeit in den 1980er Jahren, da die Straßenpreise sinken und die Reinheit zunimmt“, schrieb die „Financial Times“ dazu: „Europa kann die Kokainwelle nicht aufhalten.“

Quelle: ntv.de

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