Kommt die Königslinie zurück?Unternehmen kündigt schnelle Fährverbindung nach Schweden an – Hafen überrascht
Vor sieben Jahren endet der Fracht-Fährverkehr zwischen Sassnitz und Trelleborg. Es ist das Ende einer geschichtsträchtigen Verbindung. Ab kommendem Sommer soll sie wiederbelebt werden. Der Hafenbetreiber zeigt sich überrascht.
Zwischen Deutschland und Schweden soll es im kommenden Jahr eine weitere Fährverbindung geben. Wie der NDR berichtet, will das Unternehmen HLS Hanse Line Shipping ab Sommer die Orte Sassnitz auf der Insel Rügen und Trelleborg wieder miteinander verbinden. Von Montag bis Freitag soll es demnach täglich drei Verbindungen je Richtung geben.
Allerdings stiftete das Unternehmen mit seiner Ankündigung offenbar Verwirrung. Denn wie der Hafenbetreiber in Mukran laut NDR mitteilte, wisse er von nichts. Gespräche habe es nicht gegeben. Später ist – ohne einen Verhandlungspartner zu nennen – indes die Rede von Gesprächen in einem derart frühen Stadium, so dass noch keine belastbaren Aussagen getroffen werden könnten.
Das Unternehmen spricht auf Nachfrage des Senders von einer Projektidee, die gerade entwickelt werde. Mit dem Hafen in Sassnitz habe man sehr wohl gesprochen. Auf der Unternehmensseite heißt es: Man führe „derzeit intensive, vertiefende Abstimmungen und Vertragsgespräche mit Partnern und Häfen, um die Weichen für einen verlässlichen Betrieb erfolgreich zu stellen“. Der angepeilte Zeithorizont diene „dabei als strategische Zielmarke für den operativen Start“. Termine seien vorläufig. Dennoch werden bereits sowohl Abfahrtzeiten als auch Preise genannt.
Eine Fahrt wird laut Unternehmen etwas mehr als zweieinhalb Stunden dauern. Der NDR spricht derweil von dreieinhalb Stunden. An Wochenenden ruht der Verkehr. Überfahrten können laut dem Bericht ab März gebucht werden, hatte es zunächst geheißen. Auf der Seite zählt ein Countdown die verbleibende Zeit bis zum Buchungsstart – angeblich noch 114 Tage, das wäre der 1. März. Preise für Privatpersonen samt Pkw beginnen nach Unternehmensangaben bei 49 Euro pro Richtung. In schönstem PR-Deutsch werden „Logistikdienstleister und Speditionen“ ermuntert „bereits jetzt unverbindliche Bedarfs- und Kapazitätsanfragen“ einzureichen, „um von Anfang an Teil des Projekts Königslinie zu sein“.
Ausgerichtet ist das Angebot offenbar vor allem auf den Güterverkehr. Hier hatte es mit der Einstellung der sogenannten Königslinie vor sieben Jahren durch die Stena-Line im Zuge der Corona-Pandemie kein direktes Angebot zwischen Rügen und Südschweden gegeben. Ein zwischenzeitlich verkehrender Katamaran konzentrierte sich vor allem auf Passagiere und Pkw. Die Verbindung ist die kürzeste zwischen Deutschland und Schweden.
Bereits jetzt gibt es mehrere Fährverbindungen zwischen Deutschland und Schweden. Die bislang schnellste Route verbindet Rostock-Warnemünde in rund sechs Stunden mit Trelleborg. Daneben verkehren Schiffe ab Lübeck und Kiel mit den Zielen Trelleborg, Malmö oder Karlshamm.
Der Hafen in Mukran auf Rügen ist wichtiger Standort für die Offshore-Industrie. Zudem ist dort das einzige privat betriebene LNG-Terminal Deutschlands angesiedelt.
