Russlands Angriffe auf Energieanlagen bringen die Menschen in der Ukraine in Not. Ohne Strom und Wasser wächst die Sorge vor dem Winter. Präsident Selenskyj ringt um mehr Unterstützung aus Europa.
Aufräumen nach dem jüngsten russischen Luftangriff: Oleksandr Starikov steht in seiner völlig zerstörten, ausgebrannten Wohnung in Kiew. „Ich bin sehr wütend auf die Russen. Sie denken, wir werden aufgeben wegen des Terrors, den sie verbreiten. Aber ich denke, wir werden dadurch nur wütender und wir werden nie aufgeben.“
Mit Dutzenden Raketen und mehr als 100 Drohnen hatte Russland vor allem die Energieinfrastruktur der Ukraine angegriffen. Die Einschläge kommen, bevor der Luftalarm ausgelöst werden kann. Die Folgen der systematischen Angriffe sind unmittelbar zu spüren, es gibt weder Strom noch Wasser.
Betroffen ist auch Matthias Schmale, UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in der Ukraine. „Ich schaue aus meinem Bürofenster und kann einige der beschädigten Kraftwerke sehen. Die Lage ist wirklich verzweifelt“, sagt er. „Am Morgen hatten viele Menschen kein Wasser und ich selbst musste mich auf traditionelle Weise mit Topftasse und vorrätigem Wasser waschen.“ Die humanitäre Lage sei besorgniserregend, so Schmale.
Selenskyj ringt um mehr Hilfe der EU
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ringt derweil international um weitere Unterstützung. Bei seinem Besuch gestern in London betonte er, die Ukraine sei bereit für eine Waffenruhe, doch von einem „Energie-Waffenstillstand“ könne derzeit keine Rede sein. „Wir haben heute massive Angriffe erlebt. Es ist schade, dass es auch Probleme mit Starlink und Aufklärungsdaten gab. Viele Überraschungen, mit denen man in einer Partnerschaft nicht rechnen kann“, so Selenskyj.
Immer wichtiger werden deshalb die europäischen Partner. Thema der Gespräche auf dem EU-Gipfel wird daher auch sein, wie die EU die Ukraine unabhängig von den USA besser unterstützen kann.
Kritik an der Regierung
In der Ukraine versuchen sich die Menschen derweil für den kommenden Winter zu wappnen. Einige verlassen die Stadt, berichtet der Makler Roman Slavutski.
„Häuser mit Gasheizung sind derzeit sehr schnell weg. Alle Häuser mit Gasheizung, die ich außerhalb von Kiew im Angebot hatte, sind vermietet. Ich habe kein einziges mehr übrig. Die Leute ziehen aus ihren Mietwohnungen in Mietshäuser außerhalb von Kiew.“
In der Ukraine wird derweil diskutiert, inwieweit Städte und Gemeinden sich ausreichend vorbereitet haben. Kiews Bürgermeister Klitschko steht in der Kritik, doch Experten sehen auch Versäumnisse auf Seiten der Selensky-Regierung.

