Krimi-Sieg tief in der Nacht
Meckernder Zverev kämpft mit kuriosen Umständen
Alexander Zverev steht in der dritten Runde der US Open. Aber wieder macht es der deutsche Tennisstar spannend. Wie schon bei seinem ersten Auftritt muss er auch gegen den Franzosen Quentin Halys in den fünften Satz.
Alexander Zverev hat bei den US Open die nächste schwere Nachtschicht überstanden und sich erst weit nach zwei Uhr morgens in die dritte Runde gezittert. Nach einer weitgehend schwachen Leistung bezwang der Topfavorit in New York mit 6:4, 4:6, 7:6 (7:3), 6:7 (3:7), 6:3 den französischen Außenseiter Quentin Halys.
Bei anfangs 27 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit bewies der an Nummer eins gesetzte Hamburger wie schon beim Fünfsatz-Sieg zum Auftakt über den Italiener Lorenzo Sonego ebenfalls in der Nightsession keine Titelform. Um 2.15 Uhr Ortszeit verwandelte Zverev nach 4:33 Stunden seinen Matchball unter dem Flutlicht im Arthur Ashe Stadium. Damit stand der Hamburger in nur zwei Matches schon fast zehn Stunden auf dem Platz.
„Schuhe von Herrn Zverev sind komplett nass“
Im dritten Satz kam es zur kuriosesten Szene des Matches: Beim Stand von 2:4 und Breakball für sich verlangte Zverev plötzlich nach frischen Schuhen. Schiedsrichter Robert Balmforth erlaubte den Tausch zum ungewöhnlichen Zeitpunkt: „Die Schuhe von Herrn Zverev sind komplett nass, er hinterlässt nasse Fußabdrücke auf dem Platz.“ Der 29-Jährige schaffte direkt danach das Break und drehte den Satz.
In der dritten Runde geht es für Zverev gegen den an Nummer 25 gesetzten Alejandro Tabilo. Der Chilene hatte zum Auftakt den deutschen Davis-Cup-Spieler Yannick Hanfmann in vier Sätzen bezwungen.
Weitere hochkarätige Gegner sind schon raus
Die Ausgangslage für Zverevs zweiten Grand-Slam-Titel hatte sich dabei am Donnerstag noch weiter verbessert. In der Hälfte der Auslosung des French-Open-Siegers scheiterten der an Nummer drei gesetzte Félix Auger-Aliassime aus Kanada und Alex de Minaur (6) aus Australien und fallen damit als potenziell hochkarätige Gegner im weiteren Turnierverlauf weg. In Abwesenheit des verletzt fehlenden Weltranglistenersten Jannik Sinner aus Italien war auch bereits der serbische Altmeister Novak Djokovic früh gescheitert.
In den Trainingseinheiten vor dem Spiel hatte sich Zverev phasenweise mit schmerzverzerrtem Gesicht das Handgelenk und den Oberschenkel gehalten. Doch als es ernst wurde, waren dem 1,98 Meter Hünen zumindest äußerlich keine körperlichen Beschwerden anzumerken. Nach unspektakulärem Beginn setzte Zverev seinen Gegner mit starken Returns unter Druck, holte sich das Break zum 5:4 und sicherte sich den ersten Satz in 38 Minuten.
Zverev lamentiert mit seinem Anhang
Zum Auftakt der Nightsession im Arthur Ashe Stadium hatte US-Star Coco Gauff gegen die Spanierin Paula Badosa einen stimmungsvollen Sieg gefeiert. Anschließend fehlte jedoch das besondere Knistern im größten Tennisstadion der Welt. Erst ein spektakulärer Lob von Halys im Zurücklaufen beim Stand von 5:4 holte die Zuschauer aus der Lethargie. In der Folge leistete sich Zverev drei Fehler bei eigenem Aufschlag – plötzlich war der Satz weg.
Selbst ein Break zum Auftakt des dritten Durchgangs brachte keine Sicherheit. Zverev machte durch eine schwache Aufschlagquote und unnötige Fehler seinen eigentlich spielerisch unterlegenen Gegner stark, gab dreimal in Serie sein Service ab. Immer wieder lamentierte Zverev mit seinem Anhang um Vater und Trainer Alexander Zverev Senior in der ersten Reihe der Tribüne.
Es folgte der Schuhtausch – und plötzlich lief es. Mit mehr Entschlossenheit dominierte nun Zverev das Spiel und zeigte im Tie-Break wie so häufig seine Nervenstärke. Der vierte Satz verlief ausgeglichen, doch diesmal war Halys in der entscheidenden Phase zur Stelle. Es wurde dramatisch. Durch einen leichten Fehler gab Halys seinen Aufschlag zum 3:2 für Zverev ab. Der Weltranglistenzweite beschwerte sich beim Schiedsrichter, dass seine Schläger zu langsam vom Bespannen zurückkommen. Doch Zverev ließ sich nicht mehr aus dem Konzept bringen und machte den Sieg wenig später perfekt.
Verwendete Quellen: ntv.de, Florian Lütticke, dpa
