Laschet, Rösler, Höttges und Co.Unternehmerin spendiert Prominenten Luxuszugreise von Duisburg nach China
In Duisburg geht ein ungewöhnliches Konferenzformat an den Start. Dutzende einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur reisen in einem Zug entlang der legendären Seidenstraße – und diskutieren dabei. Auf Komfort müssen sie dabei nicht verzichten, ganz im Gegenteil.
Eine Bar, ein Piano und ausgewählte Passagiere: In einem Luxuszug ist in Duisburg ein ungewöhnliches Konferenzformat auf die Schienen gegangen. Am Sonntag brach Unternehmerin Jovanka Porsche zusammen mit weiteren Gästen zu einer Reise unter dem Motto „Wege in die Zukunft“ auf. Bei dem Projekt sollen bis zum 4. November kluge und einflussreiche Köpfe meist per Bahn von Duisburg bis nach Xi’an in China reisen.
„Das ist ein Projekt, das Künstler, Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler zusammenbringt“, sagte Porsche vor der Abreise am Duisburger Hauptbahnhof. „Was ich zeigen möchte, ist, dass wir auch mobil sind, dass wir auch eine Energie haben und nicht nur mit uns beschäftigt sind.“
Porsche will nach eigenen Worten ein Konferenzformat etablieren, das auf echte Begegnung und intensiven Gedankenaustausch setzt. Mega-Events wie das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos litten unter der Vielzahl der Meetings. „Keiner hat wirklich Zeit. Das hat mich nicht so überzeugt“, so die 67-Jährige.
Ein Wagen sei zu einem Konferenzraum umgebaut worden. Dort werde dann gemeinsam diskutiert – über Künstliche Intelligenz und Lebensmittelsicherheit etwa, aber auch über Themen wie „Space Economy“. „Das Thema steht hier noch gar nicht so auf der Agenda, in anderen Ländern, vor allen Dingen auch wieder in China, sehr wohl.“ Die Unternehmerin hat lange Zeit in Asien gelebt und 2022 den in Wien beheimateten Thinktank Global Neighbours gegründet.
Wer reist mit?
Der Zug, in dem die Beteiligten reisen, ist sehr gut ausgestattet. Einer der Waggons glänzt mit einer Bar und einem Piano. Es gibt teils goldene Waschbecken. Es lässt sich stilvoll und äußerst komfortabel reisen.
Das Pilotprojekt finanziere sie aus eigener Tasche, so Porsche. „Wir haben die Leute eingeladen, weil wir denken, die haben einen interessanten Beitrag zu leisten“, sagte sie. Einkaufen könne man sich in den Zug nicht – es gehe nur auf Einladung.
Auf der Liste der Teilnehmenden standen kurz vor Beginn rund 80 Namen – darunter Wissenschaftler und Polit-Profis wie Armin Laschet, Philipp Rösler und Österreichs Ex-Kanzler Christian Kern. Künstler Anselm Kiefer überlege noch, ob er auf einer Teilstrecke zusteige, hieß es. Mit dabei sind den Angaben zufolge Jean-Rémy von Matt, Mitgründer der Werbeagentur Jung von Matt, und Tim Höttges, Konzernchef der Deutschen Telekom.
Nächste Reise geht nach Kenia
Aus Platzgründen sind immer nur etwa rund 30 Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Bord. „Alle müssen zum Essen und Diskutieren in einen Waggon passen“, sagt Porsche. Die meisten Teilnehmer legen also nur eine Teilstrecke zurück und machen Platz für neue Zuggäste.
Für die Fahrt nach Asien nutzen die Teilnehmer mehrere Luxuszüge. Von Duisburg geht es zum Start bis nach Istanbul. Nach einem Flugtransfer ins usbekische Samarkand rollt der nächste Zug bis nach Almaty in Kasachstan. Von der chinesisch-kasachischen Grenzstadt Khorgos aus erreichen die Zuggäste schließlich Xi’an in China, das für seine Terrakotta-Armee bekannt ist. Die Route orientiert sich an der legendären Seidenstraße, die einst eine zentrale Ost-West-Achse war.
Sie hoffe durchaus auch auf Kontakte auf wirtschaftlicher Ebene, sagte Porsche. Vielleicht kämen dabei sogar Joint Ventures heraus oder man entdecke Investitionsmöglichkeiten.
Duisburg „wegen der Symbolik ausgesucht“
Zukünftig strebt die Unternehmerin nach eigenen Angaben ein Geschäftsmodell wie beim WEF in Davos an. Dort kostet die Mitgliedschaft hohe Summen und die Teilnahmegebühr bewegt sich oft im fünfstelligen Bereich.
Der Start in Duisburg ist laut Porsche bewusst gewählt. „Duisburg haben wir wegen der Symbolik ausgesucht.“ Der größte Binnenhafen der Welt hat Anschluss an eine 11.000 Kilometer lange von Güterzügen genutzte Bahnstrecke bis nach China. Die Unternehmerin macht keinen Hehl daraus, dass sie mit ihrem Projekt auch ein besseres Verständnis für China fördern will. „China ist toxisch“, werde ihr in der deutschen Politik oft zugeraunt. „Die westliche Arroganz hat mich immer genervt“, so die Unternehmerin.
Für 2027 ist bereits eine weitere Zugfahrt geplant. Dann soll es zum Nachdenken und Debattieren im Zug durch Kenia gehen.
