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Politik

Londoner Polizei: Festnahmen mit Hilfe von Gesichtserkennung

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 22, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.07.2026 • 06:23 Uhr

Die Londoner Polizei preist ihre Erfahrungen mit automatisierter Gesichtserkennung. Mehr als 2000 Gesuchte seien mit ihrer Hilfe festgenommen worden. Nun soll das Projekt ausgerollt werden.
Datenschützer sind erschrocken.

Christoph Prössl

Auf dem breiten Bürgersteig des Sloane Square im Londoner Stadtteil Chelsea steht ein roter Lieferwagen. Auf dem Dach: Überwachungskameras. Gleich um die Ecke: ein Gerüst mit weiteren Kameras. Vor dem Van stehen einige uniformierte Polizisten.

Hier, in dieser Einkaufsstraße, ist viel los. Die Kameras scannen die Gesichter der Passanten, eine Software gleicht die Bilder direkt mit einer Datenbank ab, in der Personen registriert sind, die gesucht werden. Gibt es einen Alarm, erscheint ein Bild auf den Mobiltelefonen der Einsatzkräfte. Festnahmen gibt es fast täglich.

Geschätzt bis zu einer Million staatliche und private Überwachungskameras gibt es in London. Nun soll auch die Gesichtserkennung ausgeweitet werden.

Polizei verweist auf Erfolge

Ben Russell, Direktor der nachrichtendienstlichen Abteilung bei der Polizei wertet den Einsatz als großen Erfolg. Seit 2024 seien 2.500 Personen festgenommen worden – fast 900 allein in diesem Jahr. Die Technologie sei sehr effektiv.

Während des Interviews mit ihm wird an der nächsten Straßenecke ein Mann festgenommen. Es habe einen Alarm gegeben, weil der Verdächtige vor Jahren einen Polizisten attackiert haben soll.

Die Polizisten legen einem Mann Handschellen an, nachdem sie seine Identität feststellen konnten. Er wird abgeführt. Direkt um die Ecke wird eine Frau angehalten, weil sie zu einem gerichtlich angeordneten Drogentest nicht erschienen ist.

Fehlalarm gebe es äußerst selten, sagt die Polizei. Allein aufgrund einer Übereinstimmung mit der Datenbank erfolgt auch keine Festnahme. Dazu muss die Identität überprüft werden, auch mit Hilfe von Dokumenten.

Mehr Sicherheit oder mehr Freiheiten?

Bei den Passantinnen und Passanten löst der Einsatz gemischte Gefühle aus. Eine junge Frau ist der Meinung, dass sie sich wegen der Polizeipräsenz sicherer fühlt. Eine ältere Dame, die am Van vorbei geht, meint, man müsse abwägen zwischen der Erosion der Freiheitsrechte und der Bekämpfung von Kriminalität in einer Stadt wie London. Eine andere Frau beklagt, dass es zu viel Überwachung gebe.

In London sind fast an jeder Straßenecke Kameras angebracht. Bei Ermittlungen greifen die Polizisten auf das Bildmaterial zurück, um Täter fassen zu können. Das unterscheidet sich jedoch von der Live-Gesichtserkennung, die nun eingeführt wird. Denn bislang muss es eine Ermittlung geben, um auf das Material zugreifen zu können – die Live-Gesichtserkennung fahndet nach Personen, die in einer Datenbank registriert sind.

Vorerst werden die Passanten in London darauf hingewiesen, dass in ihrer Nähe die Gesichtserkennung eingesetzt wird.

Gesetzentwurf steht noch aus

Kritiker halten das neue Verfahren für einen massiven Eingriff in die Privatsphäre. Ist das der Anfang des Polizeistaates? Jack Coulson von Big Brother Watch führt an, dass bislang nicht geregelt sei, wie die Polizei die Gesichtserkennung verwenden dürfe.

Der Gesichtsscan sei sensibel, eindeutig zuzuordnen und könnte gespeichert werden. „Diese Daten könnten also für alles Mögliche genutzt werden. Das ist eine gravierende Maßnahme und ein machtvolles Instrument für jede Regierung“, sagt Coulson.

Organisationen wie Big Brother Watch fordern klare Regeln, wann die Polizei wo aus welchen Gründen die Live-Gesichtserkennung durchführen darf. Geregelt werden soll auch, dass es keine Speicherung der Daten gibt.

Ein Gesetzesentwurf ist für den Herbst geplant. Die Polizei schafft bereits weitere Kameras und Lieferwagen an.

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Dr. Heinrich Krämer
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