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Startseite»Nachrichten»Märchen von Bodö/Glimt : Die Familie voller Liebe stemmt sich gegen den FC Bayern 
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Märchen von Bodö/Glimt : Die Familie voller Liebe stemmt sich gegen den FC Bayern 

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 10, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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10.09.2026 | 16:05 Uhr

Der FC Bayern startet mit einem vermeintlich einfachen Los in die Champions-League-Saison: FK Bodö/Glimt ist der klare Außenseiter – aber auch die große Überraschung der Vorsaison. Der norwegische Klub geht viele Dinge anders an als die Topteams, muss es sogar. Doch das hat er zu einem Vorteil umgemünzt.

Die Allianz Arena liegt ein wenig im Nichts. Klar, U-Bahn-Anbindung, südlich in die Stadt, nördlich raus nach Garching. Nebenan das Autobahnkreuz München-Nord. Aber ansonsten viel freie Fläche. Es hilft vielleicht dabei, den Gast am heutigen Donnerstagabend nicht zu erschlagen. Und doch sind die Dimensionen gigantische.

Wenn der FC Bayern in die Champions League startet – und 70.000 Fans das Stadion füllen – ist FK Bodö/Glimt zu Gast (21 Uhr/DAZN und im ntv.de-Liveticker). Die Einwohner der norwegischen Stadt könnten alle zu Gast sein in der Allianz Arena – und diese wäre doch nur zu zwei Dritteln gefüllt. Um Norwegens einzige Stadt mit mehr als einer Million Einwohner zu erreichen, die Hauptstadt Oslo, muss man aus Bodö mehr als tausend Kilometer in den Süden reisen.

Frode Thomassen ist sich dessen bewusst. Der Geschäftsführer weiß, dass sein Klub nicht die optimale Lage hat, um die Topklubs der Welt zittern zu lassen: „Wir befinden uns mitten im Nirgendwo nördlich des Polarkreises. Es ist also nicht so, dass es ein natürlicher Ort für einen Champions-League-Klub wäre.“ Doch Bodö/Glimt ist gekommen, um zu bleiben. Vergangenes Jahr mischten die Underdogs aus dem kleinen Fischerdorf die Königsklasse gehörig auf. Unentschieden gegen Borussia Dortmund – das im Oktober die Reise nach Norwegen antreten muss – und Tottenham Hotspur (jeweils 2:2), Siege gegen Manchester City (1:3), Atlético Madrid (1:2) und Inter Mailand (1:3, 1:2). Das Aus im Achtelfinale war ein Horror. 3:0 hatte Bodö/Glimt im Hinspiel gegen Sporting gewonnen, um im Rückspiel ein 0:5 zu kassieren. Das Märchen blieb ohne das ganz große Happy End.

Für Ballon d’Or nominiert

Und doch steht das Team in diesem Jahr mit dem FC Bayern auf einer Stufe. Zumindest wenn es nach der Nominierung beim Ballon d’Or zum männlichen Team des Jahres geht. Dort ist Bodö/Glimt genauso nominiert wie eben die Münchner, wie der Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain, der englische Meister FC Arsenal und Brasiliens Flamengo. „Es ist wirklich fantastisch, einfach nur nominiert zu sein“, sagt Thomassen in einer Medienrunde mit ntv.de. Klar, sportlich war Bodö/Glimt offensichtlich nicht das beste Team. Aber sie waren die größte Überraschung, sie haben die Fußballwelt begeistert.

Thomassen weiß das: „Unser Verein ist wahrscheinlich der zweitliebste Verein aller“, sagt er mit einem Grinsen. Als Underdog haben sie die Chance, die Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Bodö/Glimt hat diese Chance auf der größten europäischen Fußballbühne eindrucksvoll genutzt.

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Die Norweger haben es auf besondere Weise geschafft. Kein reicher Besitzer, der sich den Erfolg erkauft, weil er es eben kann. Kein Zusammenkaufen von Stars. Sondern von der Pike auf. Schritt für Schritt. 1917 als Fotballklubben Glimt („Blitz“) gegründet, schnell erfolgreich, dann in der Versenkung verschwunden, wieder mitgeschwommen. 2010 kurz vor der Insolvenz, 2017 dann der Aufstieg in die erste Liga. Damals war Thomassen gerade Geschäftsführer geworden. 2018 kam Kjetil Knutsen als Trainer dazu. Seitdem wurde Bodö/Glimt viermal Meister, erreichte 2020/21 erstmals seit 16 Saison wieder den europäischen Wettbewerb, stand 2024/25 im Halbfinale der Europa League und schließlich im Achtelfinale der Champions League. „Ich glaube, es ist gut für den modernen Fußball, dass ein Verein wie der unsere dazu in der Lage ist“, sagt Thomassen stolz.

„Familie macht uns zu einem sicheren Ort“

Im Kader stehen nur drei Ausländer, der Rest kommt aus Norwegen. „Vor einigen Jahren war es für uns schwierig, Spieler aus den südlichen Teilen Norwegens zu rekrutieren, weil sie auf die Karte schauten und sagten, da wollen sie nicht hingehen.“ Thomassen betont mehrfach, dass der Standort Bodö einschränkt, aber der steile Aufstieg öffnet Türen. Und es ist nicht so, als hätte der Klub seinen Standort nicht auch zu einem Vorteil umgewidmet. Kleiner Ort, großer Zusammenhalt. Wie einst 2010, als Fischer ihren Fang spendeten, Menschen ihre Pfandflaschen, Radiosender Spendenkampagnen für den Verein starteten – und dabei halfen, die Insolvenz zu verhindern. Diese Gemeinschaft, Thomassen hat sie als Teil des Erfolgs auserkoren.

Er zeichnet das Bild des norwegischen Klischees: viel Natur, Kälte, Regen, Wind, raue Charaktere mit großem Herzen. Die sich die Meinung sagen können, weil sie sich aus vollem Herzen lieben. „Die Art, wie wir zusammenarbeiten, wie wir zusammenleben, die starke Verbindung zwischen Menschen, als wären wir eine Art Familie, macht es auch zu einem sicheren Ort. Wir mögen uns und wir lieben uns“, so Thomassen. „Wenn man jetzt zurückblickt, waren zehn, elf Spieler die ganze Reise bei uns. Und das ist etwas Besonderes.“ Fünf der Spieler im aktuellen Kader sind sogar in Bodö aufgewachsen, waren Teils im Ausland, wie Jens Petter Hauge, der für Eintracht Frankfurt, AC Mailand, und Gent spielte, ehe er in seine Heimat zurückkehrte. Oder Fredrik Björkan, der zwischenzeitig sein Glück bei Hertha BSC und Feyenoord Rotterdam suchte. Sie sind wieder da.

Und ja, viele versuchten derzeit, Trainer Knutsen abzuwerben. Angst und bange ist Thomassen aber nicht. Weil alle im Klub „wirklich eng miteinander verbunden sind“. Weil sie durch die Erfolge die Gehälter erhöhen konnten, weil er die Attraktivität des Klubs als hoch empfindet. „Es ist also nicht so, dass ein Spieler oder Trainer nicht zu anderen Vereinen in, in Europa geht, nur um ein Abenteuer zu erleben. Es muss, denke ich, ein echter Fortschritt sein.“

Abenteuer als Klebstoff

Momentan gibt es jede Saison Fortschritte beim eigenen Team. Dabei geht es dem Geschäftsführer weniger ums Gewinnen an sich. Der Erfolg wird bei Bodö/Glimt im Auftreten gemessen. Das Beste geben, dabei den eigenen Werten gegenüber loyal bleiben – und natürlich am liebsten auch mal einen ganz Großen ärgern. Wie zum Beispiel den FC Bayern – nicht nur für Thomassen „einer der Favoriten“. „Wir müssen mit Respekt, den sie verdienen, in dieses Spiel gehen. Aber wir müssen auch die Gelegenheiten nutzen, die wir bekommen.“ Da klingt der 59-Jährige plötzlich wie der geschäftige Kluboffizielle, der er ja auch ist. „Es ist ein guter Test für uns, um zu sehen, ob wir mit ihnen konkurrieren können.“ Der Marktwert des Teams liegt laut transfermarkt.de inzwischen bei 74,48 Millionen Euro, die Erfolge zeigen sich. Doch der des FC Bayern liegt bei 1,04 Milliarden Euro.

Die Champions League ist für Bodö/Glimt das Ziel, aber nicht der Alltag. Spiele vor 70.000 Zuschauern sind ein Highlight, zu Hause arbeiten sie daran, ab kommendem Sommer nicht mehr im Aspmyra-Stadion mit 8000 Plätzen zu spielen, von denen im Schnitt 7000 belegt sind, sondern in der Arctic Arena mit 10.000 Plätzen. Auch darauf ist Thomassen stolz. Für die neue Arena gibt es keine öffentlichen Gelder, der Klub stemmt den Bau allein mit Sponsoren.

Es ist alles kleiner als im großen, glitzernden Weltfußball. Aber es ist nicht minder wichtig für die Beteiligten. Dessen ist sich Thomassen sicher: „Ich denke, die Menschen, die im Klub arbeiten und Teil davon sind, sind auch sehr begeistert, Teil dieses Abenteuers und der gemeinsamen Reise zu sein. Es ist wie ein Klebstoff zwischen uns. Und es ist auch eine Kraft darin.“ Eine, die Bodö/Glimt in der vergangenen Saison zum großen Hype verholfen hat. Der Hype, der mindestens Europa zeigt, was diese kleine Gemeinschaft hoch im Norden zu bieten hat. Es ist viel mehr als die meisten zuvor erwartet hatten.

Verwendete Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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