Viele Kommunen sind kaum vorbereitet auf Hitzewellen. Die Folgen für Mensch und Natur sind gravierend, die volkswirtschaftlichen Schäden hoch. Dagegen anzugehen ist vor allem für kleine Städte ein finanzieller Kraftakt.
Am Himmel ist mal wieder keine einzige Wolke zu sehen. Die Mittagssonne brennt mit voller Wucht auf den Busbahnhof der Kleinstadt Königswinter, der Asphalt glüht und die Hitze flimmert über dem Platz. Ein Zustand, der sich seit Wochen fast täglich wiederholt – und das Areal in eine Hitzefalle verwandelt.
Joana Pires Heise ist Klimaanpassungs-Managerin der Stadt. Sie will die Bürgerinnen und Bürger besser vor solchen Extremen schützen. Der Busbahnhof ist eines ihrer nächsten Projekte. „Es ist sehr heiß, weil hier alles versiegelt ist. Wir haben viele Kinder, die hier warten, viele Schülerinnen und Schüler, viele Seniorinnen und Senioren – also sehr viele gefährdete, vulnerable Gruppen“, sagt Pires Heise. „Da brauchen wir ein Zusammenspiel aus Verschattung, Begrünung und Trinkwassermöglichkeiten, das das Warten erträglich macht.“
Projekte oft nur durch private Finanzierung möglich
Doch die Abkühlung kostet und bedeutet für viele Kommunen eine finanzielle Herausforderung. Laut einem Gutachten kostet die Entsiegelung mit Begrünung 60 bis 160 Euro pro Quadratmeter – am Beispiel des Busbahnhof in Königswinter summiert sich das schnell auf mehrere zehntausend Euro. Sollen Sitzgelegenheiten zum Ausruhen im Schatten errichtet werden, liegen die Kosten zwischen 15.000 und 50.000 Euro.
Auch die Installation eines großen Sonnensegels schlägt mit 10.000 bis 50.000 Euro zu Buche. Selbst ein schlichter Trinkwasserbrunnen kostet in der Anschaffung und Planung 8.000 bis 15.000 Euro – hinzu kommen jährliche Unterhaltungskosten von rund 1.000 Euro pro Betrieb.
Joana Pires Heise, Klimaanpassungs-Managerin in Königswinter
Einige Projekte funktionieren daher auch mit Unterstützung aus der Bevölkerung. Bereits vor einigen Monaten hat Pires Heise in Königswinter gemeinsam mit Ehrenamtlichen erste Pflastersteine um Bäume herum entfernt. Diese kleinen Entsiegelungen sollen bei Hitze und Starkregen erste Linderung verschaffen. „Wir wollen die Lebensqualität in den Städten sichern, deswegen ist das eine sehr wichtige Aufgabe“, betont die Klimaanpassungsmanagerin.
Oft kein Geld für Klima-Manager vorhanden
Doch die wenigsten Kommunen leisten sich eigenes Personal für diese Aufgabe. Eine Befragung des Umweltbundesamtes (UBA) verdeutlicht das Ausmaß: Acht von zehn Kommunen, die bereits Maßnahmen planen oder umsetzen, nennen einen Mangel an personellen Kapazitäten als zentrales Hemmnis. Nur zwölf Prozent der befragten Kommunen haben bisher überhaupt eine Stelle für das Klimaanpassungs-Management geschaffen. Selbst bei den größeren kreisfreien Städten liegt der Anteil erst bei 57 Prozent, während es in Gemeinden unter 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern gerade einmal vier Prozent sind. Stellen vor allem in ländlichen Räumen finden wohl kaum Bewerberinnen und Bewerber.
Dabei warnen Ökonomen und Klimawissenschaftler immer wieder vor den dramatischen Folgen des Klimawandels. Prognosen des Deutschen Bundestags bezifferten die möglichen volkswirtschaftlichen Gesamtschäden in Deutschland je nach Szenario auf 280 Milliarden bis 900 Milliarden Euro. Zu ähnlichen Befunden kommt die Klimakostenforschung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: Präventiver Klimaschutz und gezielte Anpassungsmaßnahmen sparen demnach langfristig enorme Summen ein und erweisen sich als klarer volkswirtschaftlicher Vorteil gegenüber den immensen Reparatur- und Folgekosten ungebremster Erwärmung.
Wirtschaftsleistung wird gedämpft
Wie konkret die Schäden schon heute sind, zeigt der Blick auf die akute Trockenheit und das aktuelle Niedrigwasser. Ganze Industriezweige werden gerade ausgebremst. Stefan Kooths vom Kiel Institut für Weltwirtschaft beziffert die Effekte: „Nach unseren Schätzungen kann man grob sagen, dass, wenn wir einen Monat lang Niedrigwasserzustände haben, die Wirtschaftsleistung gedämpft wird, und zwar bis zu 0,3 Prozent.“ Er ergänzt: „Maßgeblich dafür ist, dass die Transportwege auf den Binnenwasserstraßen erheblich eingeschränkt sind.“
Dass dieser Sommer kein Ausreißer, sondern eine direkte Folge der Erderwärmung ist, betont auch Manfred Fischedick, Präsident des Wuppertal Instituts: „Das ist das, was uns die Klimamodelle sagen: dass wir auch in der Zukunft mehr von diesen Jahren sehen werden. Der Klimawandel führt dazu, dass Intensität, Häufigkeit und Dauer solcher Wetterextreme zunehmen. Darauf müssen wir uns leider einstellen.“
Umdenken nach diesem Sommer?
Fischedick verweist dabei auf die spürbaren Konsequenzen für Mensch und Markt. „Wir sehen, dass die Wetterextreme von der Dauer her zugenommen haben. Im Juni, Juli und August gibt es viele Hitzetage, die zu Schäden an der Gesundheit und der Wirtschaft führen.“ Der Experte fordert daher ein entschiedeneres Handeln der Politik. „Wir brauchen eine Strategie zur Klimaanpassung auf Bundesebene, auch in Richtung der Wirtschaft. Wir müssen an die Ursachen ran: Klimaschutz und Klimaanpassung. Nichts zu tun, ist keine Option.“
Joana Pires Heise in Königswinter folgt dieser Maxime seit Langem. Sie hofft, dass bundesweit mehr Kommunen Geld für Klimaanpassungs-Manager und konkrete Schutzmaßnahmen bereitstellen. Denn solange die Mittel fehlen, bleibt die Anpassung an die heiße Realität für die meisten Städte eine unbeantwortete Ressourcenfrage.
„Meine Hoffnung ist, dass dieser Sommer ein Umdenken hervorruft“, resümiert Pires Heise. „Nach 20 Jahren der Vorbereitung – weil wir es lokal merken und gelitten haben – hoffe ich sehr, dass es jetzt endlich vorangeht.“

