Der Brennerbasistunnel ist eines der ganz großen Verkehrsprojekt in Europa. Nun ist der Durchbruch der beiden Röhren des Eisenbahntunnels zwischen Österreich und Italien geschafft. Auf deutscher Seite geht hingegen bislang wenig voran.
Beim Bau des Brennerbasistunnels sind die beiden Haupttunnelröhren an der Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien miteinander verbunden worden. Wie die Betreibergesellschaft BBT und die Autonome Provinz Bozen mitteilten, erfolgte der Durchschlag unterhalb des Brennerpasses. Die Mineure beider Seiten trafen dabei erstmals in den Haupttunnelröhren aufeinander.
Nach Angaben des Landes Südtirol sind damit nun alle 230 Kilometer des Tunnelsystems ausgebrochen. „Es handelt sich um einen Meilenstein für ein vereintes Europa auf Schienen und für die Mobilität der Menschen“, erklärte der Südtiroler Landesrat für Infrastrukturen und Mobilität, Daniel Alfreider.
Die Arbeiten am Tunnel sind schon weit forgeschritten – anders als bei der Zulaufstrecke auf deutschem Boden.
Zwei Stunden schneller von München in Verona
Der Brennerbasistunnel und die dazugehörigen Zuleitungsstrecken in Bayern, Tirol und Italien soll die historische Brennerbahn ersetzen, die sich kurvenreich von Innsbruck auf den 1.370 Meter hohen Brennerpass schlängelt und von dort wieder hinunter nach Bozen. Er soll die Fahrzeit mit dem Zug von München nach Verona von fünfeinhalb auf dreieinhalb Stunden verkürzen.
Besonders wichtig ist er auch für den Güterverkehr. Der Transit über die Alpen soll zunehmend vom Lkw auf die Schiene verlagert werden – auch um die Menschen in den oft engen Tälern zu entlasten.
In Bayern noch nicht mal Trasse festgelegt
Seit 2015 wird im Gebirge gebohrt. Laut Plan soll der Tunnel 2032 in Betrieb gehen. Die Planung der Zuleitungsstrecken in Österreich und Italien ist ebenfalls weit fortgeschritten, einzelne Abschnitte sind bereits fertig oder im Bau. Einzig auf deutscher Seite gibt es bislang nicht einmal eine festgelegte Trasse – diese Entscheidung steht nun im Bundestag an.
Im Jahre 1994 hatte der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) Österreich und Italien versprochen, die deutsche Zulaufstrecke „zeitgerecht“ zu bauen. Aus Sicht der Bahn ist eine Neubaustrecke im Inntal bei Rosenheim nötig, um den Verkehr zu bewältigen. Gegen die gibt es aber Widerstand von Anwohnern.
Die Bahn geht dennoch davon aus, dass die Zulaufstrecke in Bayern Anfang der 2040er-Jahre in Betrieb gehen könnte – also vermutlich mindestens acht Jahre nach dem Brennerbasistunnel.
