Modellpalette wird eingedampftVW-Vorstand schweigt zu möglichen Werksschließungen
VW-Konzernchef Oliver Blume will mit weniger Modellen und Einsparungen bei Ausstattungsoptionen zurück auf die Überholspur. Die Produktionskapazitäten sollen massiv sinken. Der Betriebsrat fordert Klarheit zur Zukunft der Werke.
VW macht nach der Sitzung seines Aufsichtsrates zu möglichen Einsparungen weiter keine Angaben zu möglichen Werksschließungen und Stellenabbau. Der Konzernvorstand habe dem Aufsichtsrat in seiner Sitzung ein umfangreiches Maßnahmenpaket „mit zwölf Initiativen und das Zielbild 2030 vorgestellt“, teilte der Konzern mit. Das Gremium war am Donnerstagnachmittag zusammengekommen, um über mögliche Sparpläne des Konzernvorstandes zu beraten.
„Mit unserem Zukunftsplan gehen wir aus eigener Kraft in die nächste Phase der Transformation“, wird Konzernvorstand Oliver Blume in der Mitteilung zitiert. So solle die Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft werden und die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent sinken. Angaben zu einem möglichen Stellenabbau und Werksschließungen, über die mehrere Medien zuvor berichtet hatten, machte er nicht.
„Wie zu erwarten, wurden keine Beschlüsse beim VW-Aufsichtsrat getroffen, sondern nur allgemeine Ziele – die eigentlich zum großen Teil schon bekannt waren – kommuniziert“, kommentierte der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer die Aufsichtsratssitzung. „Kein Wort zu Werken, kein Wort zur Beschäftigung.“
Lies: Werksschließungen „kein Zukunftskonzept“
Betriebsratschefin Daniela Cavallo zeigte sich nach der Sitzung erbost. Sie forderte Blume auf, im Laufe des Freitags der Belegschaft gegenüber Stellung zu beziehen und sich unmissverständlich zu den Gerüchten über die angeblichen Vorstandspläne zu äußern.
„Es reicht! Das Fass ist zum Überlaufen gekommen“, sagte Cavallo laut Betriebsratszeitung. „Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten. Oliver Blume steht jetzt in der Pflicht, diesen massiven Schaden wenigstens noch zu begrenzen.“
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der dem VW-Aufsichtsrat angehört, sprach von einer „sehr intensiven“ Sitzung. Der Vorstand habe „ein wirklich breites Paket vorgelegt“, sagte der SPD-Politiker. Daran müsse nun weiter gearbeitet werden. „Da liegt noch eine harte und intensive Zeit vor uns.“
Allerdings räumt der SPD-Politiker ein: „Tatsächlich ist die Frage, wann Entscheidungen getroffen werden, noch unklar.“ Zugleich bekräfigte Lies: „Das Schließen von Werken ist kein Zukunftskonzept.“ Und fügte hinzu: „Wir brauchen eine Zukunftsperspektive für unsere Standorte.“
Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm vor dem Aus?
Konzernchef Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen sogenannten „Zielbild 2030“ für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Laut „Manager Magazin“ könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen – doppelt so viele wie bisher geplant. Die „Bild“-Zeitung berichtete, dass sogar „bis zu 120.000 Arbeitsplätze“ abgebaut werden könnten. Dabei wolle VW zunächst vorrangig auf freiwillige Lösungen wie Altersteilzeit oder Abfindungen setzen. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland drohe laut Medienberichten die Schließung. Vom Aus betroffen sein könnten demnach Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Am späten Abend berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, der Vorstand sei mit seinen radikalen Sparplänen im Aufsichtsrat angeblich gescheitert.
„Deutschland ist unsere Heimat und bleibt für den VW-Konzern zentraler Industriestandort“, versprach Konzernchef Blume am Tag der Aufsichtsratssitzung in einer Videobotschaft. Er lobt darin unter anderem die industrielle Basis in Deutschland, die erstklassige Ingenieurskunst, die enge Verzahnung von Forschung und Entwicklung sowie die Produktion hierzulande. „Im globalen Wettbewerb reicht das aber nicht mehr aus“, stimmte Blume die Belegschaft auf möglicherweise radikale Einschnitte ein.
Ein VW-Sprecher erklärte, beim Sparkurs ginge es unter anderem darum, die Komplexität der Produkte zu reduzieren, Beteiligungen zu straffen sowie die Entwicklung und Produktion regionaler auszurichten. „Und ja, wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen“, räumte der Unternehmenssprecher ein – ohne konkret auf mögliche Werksschließungen einzugehen.
Die Beratung wurde begleitet von lautem Protest der Gewerkschaft. An mehr als einem Dutzend Standorten gab es Proteste gegen die Sparpläne. In Wolfsburg kamen rund 500 Personen zu einer Kundgebung direkt am Vorstandshochhaus, in dem sich der Aufsichtsrat traf. In Emden zählte die IG Metall 1500 Teilnehmer. Weitere Aktionen gab es in Neckarsulm, Braunschweig, Stuttgart, Hannover, Kassel, Chemnitz, Dresden, Zwickau, Leipzig, München, Nürnberg, Salzgitter und Osnabrück.
