Hundertfach taucht sein Name in den Epstein-Akten auf: Nun ist der selbsternannte Modelagent Daniel S. in der Nähe von Paris tot aufgefunden worden. Gegen ihn lief ein Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels.
Der mutmaßliche Vertraute des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Daniel S., ist tot aufgefunden worden. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Frankreich nahm bereits Ermittlungen auf. Die Behörde in Nanterre teilte mit, es werde eine Untersuchung mit Autopsie eingeleitet, um die Todesursache zu bestimmen.
Die Mitbewohnerin von S. habe den leblosen Mann am Montag in der Küche des Wohnhauses im Pariser Vorort Colombes entdeckt, berichtete die Zeitung Le Parisien.
Seit Monaten wurde gegen den 69-Jährigen wegen möglicher Verbindungen zu Epstein ermittelt. Mehrere Anzeigen werfen Daniel S. Vergewaltigung und Menschenhandel vor. Er selbst hat das in französischen Medieninterviews stets bestritten.
Name taucht hundertfach in Akten auf
S. bezeichnete sich selbst als Modelscout und zeigte sich bereit, seine Sicht der Dinge zu schildern, nach der Epstein sein Vertrauen missbraucht habe.
Doch die Indizien gegen S. sind erdrückend: Nach ARD-Recherchen erscheint sein Name 1.800-mal in den Epstein-Akten. In zahlreichen Botschaften pries er junge Mädchen und Frauen an, schickte Fotos von ihnen und schlug Epstein Treffen vor. Insgesamt soll S. zwischen 2005 und 2019 Fotos von mindestens 52 Frauen geschickt haben. Die Frauen waren meist zwischen 18 und 23 Jahre alt – mindestens eine der Betroffenen war zu dem Zeitpunkt noch minderjährig.
Weitere Personen in ähnlichen Funktionen?
Wie viele der von S. angebotenen Frauen letztlich Kontakt mit Epstein hatten, geht aus den Akten nicht eindeutig hervor. Neben S. sollen weitere Personen in Europa ähnliche Funktionen für das Missbrauchsnetzwerk übernommen haben.
Epstein selbst wurde 2008 in den USA unter anderem wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt, von der er weniger als 13 Monate verbüßte. Nach einer erneuten Verhaftung 2019 nahm er sich offiziellen Angaben zufolge das Leben.
Mit Informationen von Cai Rienäcker, ARD-Studio Paris.
