Nach Eindringen von Siedlern Israelische Soldaten töten zwei Palästinenser im Westjordanland
Palästinenser wollen im Westjordanland ihr Dorf gegen israelische Siedler verteidigen. Die israelische Armee trifft ein, die Lage eskaliert. Am Ende sind zwei Palästinenser tot, beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig. Der Vorfall ist Teil einer Welle der Gewalt und systematischer Landannexion.
Bei Zusammenstößen mit israelischen Einsatzkräften im Westjordanland sind palästinensischen Angaben zufolge in der Nacht zwei Palästinenser getötet worden. Zuvor waren nach Darstellung beider Seiten israelische Siedler in ein palästinensisches Dorf gedrungen. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete, Siedler hätten den Ort in der Nähe von Ramallah angegriffen und dabei drei Palästinenser schwer verletzt.
Palästinensischen Augenzeugen zufolge sollen sich Anwohner Siedlern entgegengestellt haben. Zwei von ihnen seien durch Schüsse von israelischen Einsatzkräften getöteten worden. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium in Ramallah handelt es sich bei den Toten um zwei Männer im Alter von 53 und 26 Jahren. Israels Armee teilte mit, Palästinenser hätten Steine und Betonklötze auf Soldaten und Polizisten geworfen, dabei seien zwei Einsatzkräfte verletzt worden. Die Einsatzkräfte hätten mit Schüssen reagiert. „Es wurden Treffer festgestellt“, hieß es in einer Mitteilung des Militärs.
Israels Armee sagte weiter, Soldaten und Polizisten seien in die Gegend geschickt worden, weil sie Berichte erhalten hätten, dass Siedler dort hingekommen seien, „um ihnen gehörendes Vieh zurückzuholen“. In palästinensischen Berichten hieß es wiederum, die Siedler hätten Schafe stehlen wollen und seien von israelischen Soldaten und Polizisten begleitet worden. Das israelische Militär teilte dagegen mit, die Einsatzkräfte hätten Auseinandersetzungen verhindern und die Siedler aus dem Ort holen wollen. Die Abgaben beider Seiten ließen sich bislang nicht unabhängig überprüfen.
Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete in dieser Woche von einem Vorfall, bei dem dokumentiert wurde, wie israelische Siedler unter dem Schutz israelischer Soldaten Dutzende Schafe und Ziegen aus Viehstellen im südlichen Westjordanland entwendeten.
Straflosigkeit für eine Seite?
Dem israelischen Militär wird immer wieder vorgeworfen, die Attacken israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland nicht zu verhindern und in manchen Fällen sogar auf der Seite der Siedler einzugreifen. Die Angriffe auf Palästinenser und ihr Eigentum haben in den vergangenen Monaten drastisch zugenommen. Dabei kommen israelische Staatsbürger in den meisten Fällen ohne Strafe davon.
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat. Der zunehmende Siedlungsbau, der nach internationalem Recht illegal ist und trotzdem durch die israelische Regierung vorangetrieben wird, macht die Zweistaatenlösung jedoch immer unwahrscheinlicher.
Die Lage im Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem knapp 1100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet.
