Der Welt bekannt wurde er als Raumschiff-Enterprise-Kapitän Picard, aber seine große Liebe galt sein Leben lang Shakespeare. Jetzt ist der große englische Schauspieler Patrick Stewart gestorben. Ein Nachruf.
In Deutschland ist Patrick Stewart vor allem durch diese Rolle bekannt geworden: als Captain Jean-Luc Picard in „Star Trek: The Next Generation“, jener Serie, die in Deutschland Anfang der 90er-Jahre unter dem Titel „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“ ihre Fangemeinde fand. Für Stewart brachte die Serie den internationalen Durchbruch.
Das jüngere Publikum kennt ihn vor allem als Professor Charles Xavier, Gründer und Leiter der „X-Men“, der sich für ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Mutanten einsetzte. Ab den 2000er Jahren stand Stewart unter anderem mit dem Schauspielkollegen Ian McKellen für die Reihe vor der Kamera. Im Dezember wird er sogar noch einmal als Professor X. zu sehen sein im Film „Avengers: Doomsday“.
„In meinem Elternhaus gab es keine Bücher“
1940 in England – in Mirfield in der Grafschaft West Yorkshire – geboren, wuchs Stewart als Sohn einer Weberin und eines Soldaten auf. Der Vater, der offenbar unter einem Kriegstrauma litt, war gewalttätig. Das Leben war ärmlich, das Kleinstadtmilieu langweilig.
Was blieb, waren die Auszeiten im Kino. „Ich bin samstagvormittags ins Kino gegangen“, sagte Stewart. „Wo ich aufgewachsen bin, wusste man nicht viel von der Welt da draußen. Egal was gezeigt wurde, Western, Science-Fiction oder Krimi, es hat meinen Horizont erweitert. In meinem Elternhaus gab es keine Bücher. Es waren Filme, die mir die Welt näher gebracht haben.“
Anhaltende Liebe zu Shakespeare
Stewarts eigene Filmografie ist lang, aber es waren im Wesentlichen zwei Dinge, die seine Karriere geprägt haben. Zwei Dinge, die gar nicht zusammenzupassen schienen, aber Stewart umso interessanter machten. Seine Science-Fiction- und Actionfilm-Rollen und seine Liebe zu William Shakespeare. Dessentwegen, sagte Stewart einmal, sei er überhaupt Schauspieler geworden, er wollte Shakespeare spielen.
Mit zwölf Jahren schon fing Stewart an, Theater zu spielen, und ab 1966 war er Darsteller der Royal Shakespeare Company. Für seine Verdienste ums Drama ist er von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen worden. Während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 entschied er sich, Shakespeares Sonetten auf Twitter unter dem Hashtag „a sonnet a day“ vorzutragen.
Stewarts Liebe zu Shakespeare war dabei beständiger als die zu seinen Frauen. Der Schauspieler und Produzent war dreimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe stammen zwei Kinder.
Stewart versuchte, den Brexit aufzuhalten
Politisch hat sich Stewart eindeutig positioniert. Er war Mitglied der Labour-Partei und hatte, bevor der Austritt aus der Europäischen Union vollzogen wurde, für ein zweites Referendum gekämpft. Seine Wertschätzung für die EU war eng mit seiner Lebenserfahrung verknüpft. „Ich bin ein Kriegskind“, sagte er. „Als ich anfing, meine Umwelt wahrzunehmen, waren viele Dinge nicht gut. Als Großbritannien dann der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten ist, war das einer der aufregendsten Tage meines Erwachsenenlebens.“
Auch wenn er den Brexit nicht aufhalten konnte, innerlich hat er seiner Heimat nie ganz den Rücken gekehrt. Das dürfte auch an Shakespeare gelegen haben.

