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Neue Sicht auf altes Tabuthema: Erektionsstörung kann auf schwere Krankheiten hinweisen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Neue Sicht auf altes TabuthemaErektionsstörung kann auf schwere Krankheiten hinweisen

11.07.2026, 09:33 Uhr

Von Hedviga Nyarsik
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Wer unter Erektionsstörungen leidet, sollte das frühestmöglich mit einem Arzt abklären, raten Experten. (Foto: IMAGO/Zoonar)

Über Erektionsstörungen spricht man(n) nicht gern. Fachleute warnen jedoch: Sie können ein frühes Warnzeichen für schwere Erkrankungen sein. Wer solche Beschwerden verschweigt, übersieht womöglich mehr als nur ein Sexualproblem.

Erektionsstörungen sind weit verbreitet und trotzdem ein Tabuthema. Schätzungen zufolge ist jeder fünfte Mann ab 50 Jahren betroffen. Die meisten von ihnen leiden allerdings im Stillen. Dabei sind Erektionsstörungen oft mehr als nur ein Problem im Schlafzimmer, warnen Fachleute. Untersuchungen zufolge können sie ein früher Hinweis auf ernsthafte Erkrankungen sein – besonders des Herz-Kreislauf-Systems.

Der Grund ist vergleichsweise einfach erklärt: Eine Erektion benötigt ein funktionierendes Zusammenspiel aus Nerven, Hormonen, Psyche und vor allem gut arbeitenden Blutgefäßen. Genau deshalb kann eine Störung dort früh sichtbar werden, wo Gefäße besonders fein sind – also am Penis.

„Viele Männer gehen davon aus, dass eine erektile Dysfunktion ein psychologisches Problem ist“, schreibt der Mediziner Michael Joseph Blaha in einem Beitrag für die Johns Hopkins Universität. Dabei deuteten Forschungsergebnisse darauf hin, dass vaskuläre Probleme, also Probleme mit den Blutgefäßen, die häufigste Ursache seien. „Und diese zugrunde liegenden Probleme können bei Männern auch das Risiko für andere schwerwiegende gesundheitliche Probleme erhöhen“, so der Experte.

Studien belegen Risiko

Eine Metaanalyse kam bereits 2011 zu dem Ergebnis, dass Männer mit erektiler Dysfunktion ein um 44 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten als Männer ohne diese Beschwerden. Auch das Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und eine höhere Gesamtsterblichkeit war erhöht. Die Autoren werteten Erektionsstörungen deshalb schon damals als mögliches Frühwarnsignal für Gefäßkrankheiten. Zu diesem Ergebnis kommen auch neuere Untersuchungen. So zeigte eine Studie aus dem vergangenen Jahr, dass bei sechs von zehn untersuchten Männern mit Potenzproblemen eine Funktionsstörung der linken Hauptkammer des Herzens festgestellt wurde.

Inzwischen wurden auch Leitlinien geändert und angepasst: Die Princeton IV Consensus Recommendations empfiehlt mittlerweile, Männer mit Erektionsstörungen grundsätzlich als potenziell kardiovaskulär gefährdet zu betrachten, bis das Gegenteil geklärt ist. „Die Evidenz stützt die Notwendigkeit, erektile Dysfunktion als Warnsignal für künftige kardiale Ereignisse ernst zu nehmen“, heißt es dort. Die berühmte Mayo Clinic beschreibt die Potenz des Mannes als eine Art Vitalzeichen für die Herzgesundheit.

Und auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hält in ihrer Leitlinie fest, dass „erektile Dysfunktion mit zukünftigen Herz-Kreislauf-Ereignissen bei Männern mit und ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung assoziiert ist“ – und empfiehlt bei betroffenen Männern ausdrücklich eine Bewertung des kardiovaskulären Risikos.

Der Kanarienvogel im Bergwerk

Herz-Kreislauf-Probleme sind allerdings nicht die einzigen Krankheiten, auf die Erektionsstörungen hinweisen können. Auch Typ-2-Diabetes steht in Verbindung mit erektiler Dysfunktion. Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal „Frontiers in Clinical Diabetes and Healthcare“ aus dem März 2026 beschreibt, dass Potenzprobleme bei Männern mit Typ-2-Diabetes sehr häufig sind. Diese seien dabei jedoch nicht nur eine Folge der Erkrankung, sondern könnten auch als früher klinischer Marker für eine Diabetes-Erkrankung verstanden werden.

In allen genannten Studien betonen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Erektionsstörungen verursachen keine Herzkrankheiten oder Diabetes. Sie sind vielmehr ein äußeres Frühwarnzeichen dafür, dass im Körper bereits etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist – etwa im Gefäßsystem, im Stoffwechsel oder im Hormonhaushalt. Ein neu erschienener Sammelband von Fachleuten aus Italien zu dem Thema bringt diese Logik schon im Titel auf den Punkt: „The Canary in the Coalmine“ – also der Kanarienvogel im Bergwerk, der früh vor Gefahr warnt.

Das bedeutet nicht, dass hinter jeder Erektionsstörung sofort eine schwere Krankheit stecken muss. Die Ursachen können auch psychisch, hormonell, neurologisch oder medikamentös bedingt sein. Gerade deshalb lohnt sich die Abklärung. Denn ob Bluthochdruck, Diabetes, Gefäßerkrankung, Testosteronmangel oder Depression: Vieles, was die Sexualfunktion stört, ist medizinisch relevant – und oft behandelbar.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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