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Startseite»Nachrichten»Öl-Poker in Caracas: Trumps Hoffnungsträger in Venezuela ist ein Krypto-Milliardär
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Öl-Poker in Caracas: Trumps Hoffnungsträger in Venezuela ist ein Krypto-Milliardär

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 20, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Öl-Poker in CaracasTrumps Hoffnungsträger in Venezuela ist ein Krypto-Milliardär

20.09.2026, 09:27 Uhr Von Juliane Kipper
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Neben den politischen Unwägbarkeiten in Washington steht das Projekt von Ehrsam jedoch vor einer ganz praktischen Hürde. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Coinbase-Mitbegründer Ehrsam weitet seine Aktivitäten auf das Ölgeschäft in Venezuela aus. Als politisch gut vernetzter Investor will er in Caracas die marode Industrie neu beleben. Doch politische Vetternwirtschaft und mangelnde Erfahrung machen den Coup zur Risikowette.

Seit dem US-Angriff in Venezuela und der Gefangennahme des linksnationalistischen Staatschefs Maduro Anfang Januar macht US-Präsident Donald Trump kein Geheimnis aus seinem Interesse an den Ölvorkommen des Landes. Bereits im selben Monat drängte er die Chefs großer US-Energiekonzerne zu Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar, um die marode Ölindustrie zu reaktivieren.

Bislang haben die Ölkonzerne Chevron und Eni sowie das Energieunternehmen GE Vernova Vereinbarungen mit Venezuela unterzeichnet. Sie lösen Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich aus. Allein Chevron will sieben Milliarden investieren. Durch die Erschließung zweier neuer Ölfelder soll sich die Fördermenge innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Eni sicherte sich nach eigenen Angaben die Exklusivrechte für die Erkundung des riesigen Ölfelds Junin 5. GE Vernova soll die Energieinfrastruktur ausbauen.

Andere Konzerne wie Branchenriesen ExxonMobil und Conoco Phillips halten sich bislang mit Investitionen noch bedeckt. Derweil wagen sich unkonventionelle Akteure in das Machtvakuum vor. Allen voran mischt nun ein prominenter Branchenfremder mit: Fred Ehrsam, Mitbegründer der Kryptobörse Coinbase. Der 38-Jährige gilt übereinstimmenden Medienberichten zufolge als unerwarteter Hoffnungsträger von Präsident Donald Trump in seinem Bestreben, die Ölindustrie in Venezuela neu aufzustellen.

Ehrsam hat laut einem „Wall Street Journal“-Bericht Anfang des Jahres das Unternehmen Primavera mitbegründet und kürzlich Produktionsbeteiligungsverträge mit dem staatlichen Ölkonzern Petróleos de Venezuela unterzeichnet. Im Vorfeld soll er demzufolge Monate in einem Luxushotel in Caracas verbracht haben, um Kontakte mit Regierungsvertretern und Managern zu knüpfen.

„Neues System ist fragiler als das alte“

2012, im Alter von 24 Jahren, hatte Ehrsam Coinbase gegründet. Im März dieses Jahres berief Trump ihn in seinen Technologiebeirat. Wie einige andere Branchenvertreter hat Ehrsam Trumps kryptofreundlichen Kurs und dessen Gesetzesinitiativen unterstützt. Sein Engagement in Venezuela weckt jetzt den Verdacht, dass ihm seine politische Nähe die Tür zu Rohstoffprojekten der US-Regierung in Venezuela öffnet. Diesen Eindruck teilen auch Marktbeobachter.

„Es ist davon auszugehen, dass die Neuvergabe von Projekten alles andere als ein marktgetriebener Prozess ist“, sagt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank (HCOB) ntv.de. Politische Seilschaften dürften seiner Einschätzung zufolge eine dominante Rolle bei der Vergabe von Aufträgen spielen. Das „WSJ“ berichtet derweil, Ehrsam habe sich in Verhandlungen zwar auf Gespräche mit der Trump-Regierung bezogen. Er habe aber nicht angedeutet, dass das Weiße Haus seine Bemühungen offiziell unterstütze.

Der Energie-Experte Loyle Campbell vom Zentrum für Klima und Außenpolitik der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) geht sogar noch einen Schritt weiter. In gewisser Weise ersetze die US-Regierung das alte Patronagesystem, also politische Vetternwirtschaft unter Maduro durch ein eigenes Netz an Trump-Vertrauten. „Washington nutzt seinen politischen Einfluss, um zu bestimmen, welche Unternehmen Zugang zu venezolanischen Vermögenswerten erhalten.“ Das neue System sei allerdings noch fragiler als das alte. Ein künftiger Präsident, egal ob Republikaner oder Demokrat, könne schließlich Lizenzen, Sanktionen, diplomatische Prioritäten oder die politischen Rahmenbedingungen ändern. „Politischer Einfluss mag heute den Zugang zu Vermögenswerten ermöglichen. Er bietet jedoch keine Garantie für Schutz nach einem Machtwechsel in Washington“, sagt Campbell.

Neben den politischen Unwägbarkeiten in Washington steht das Projekt von Ehrsam jedoch vor einer ganz praktischen Hürde: der fehlenden Branchenerfahrung. Experten bezweifeln, dass ein Kryptomilliardär ohne operative Erfahrung venezolanische Ölfelder profitabel betreiben kann.

Ehrsam geht Ziel klug und unerbittlich an

Schon für erfahrene Unternehmen ist die Ausgangssituation in Venezuela laut de la Rubia eine Herausforderung. Mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel verfügt Venezuela zwar über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei aber vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. 

„Das erforderliche Preisniveau, um profitabel in Venezuela zu investieren, liegt zwar deutlich unter dem derzeitigen Preisniveau. Mit etwa 60 US-Dollar pro Barrel liegt der Break-even aber vergleichsweise hoch.“ Sollte sich die Lage im Nahen Osten in den kommenden Jahren beruhigen, sei es gut möglich, dass es sich nicht mehr lohnt, venezolanische Erdölfelder in einem größeren Maßstab zu entwickeln.

Dennoch geht Ehrsam sein Ziel klug und unerbittlich an. Wie das „WSJ“ berichtet, zeigt er mehr Ehrgeiz und ernsthaftere Absichten als andere Bewerber. Bislang habe Primavera Aufträge für weniger begehrte, aber potenziell lukrative Felder im Ölblock Budare unterzeichnet, einer Region mit leichterem Rohöl. Primaveras Fortschritte dort könnten den Weg für weitere Abkommen an anderer Stelle ebnen.

Wenn politische Beziehungen mehr zählen als technische Qualifikation nimmt laut dem HCOB-Ökonomen außerdem das Risiko von der falschen Verteilung und Verschwendung von Ressourcen zu. „Genau das sind die Probleme, unter denen Venezuela seit Jahrzehnten leidet.“ 

Unsicherheit bei politischen Umbrüchen

Der DGAP-Experte Campbell traut Ehrsam zwar zu, Kapital zu mobilisieren. Er hält es allerdings für „höchst unwahrscheinlich“, dass ein neues Unternehmen unter der Leitung einer Person ohne Erfahrung in der Lage ist, venezolanische Ölfelder in nennenswertem Umfang eigenständig zu betreiben. „Die Ölförderung ist keine digitale Plattform, keine Finanzdienstleistung und kein Kryptoprodukt, das sich durch Software, Kapital und unternehmerische Schnelligkeit skalieren lässt“, gibt er zu bedenken.

Selbst wenn es gelingt, Öl zu fördern, ist es schwierig, dieses auf den Markt zu bringen. Die Unternehmen sind dafür auf die von PDVSA kontrollierte Infrastruktur angewiesen, die größtenteils veraltet, unzuverlässig oder politisch umstritten ist. „Investoren im venezolanischen Ölgeschäft müssen zudem mit Diebstahl, Korruption, Sabotage, lokaler Unsicherheit und ungewissen Zugangsrechten umgehen“, sagt Campbell.

Zu den täglichen Gefahren vor Ort kommt ein weiteres, weitaus größeres Risiko hinzu: die rechtliche Unsicherheit bei politischen Umbrüchen. „Wenn der Eindruck entsteht, dass die Konzessionen unter militärischem oder außenpolitischem Druck und ohne transparenten Wettbewerb vergeben worden sind, ist die Befürchtung, dass bei einem Regimewechsel diese Konzessionen wertlos werden, sicherlich berechtigt“, sagt de la Rubia.

Trotz all dieser Risiken steht für Washington das geopolitische Ergebnis im Vordergrund: Durch das Abkommen mit Venezuela haben sich die USA zuletzt über 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven gesichert. Das entspricht ungefähr einem Fünftel der Vorkommen. Den Ankündigungen zufolge soll der Pakt eine Laufzeit von mindestens 25 Jahren haben.

Quelle: ntv.de

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