Ölpreise beruhigen sich etwasGewinne im Tech-Sektor geben US-Börse Schub
Nachdem die Ölpreise leicht nachgeben, zeigt sich die Wall Street stabilisiert. Anleger setzen wieder verstärkt auf den KI- und Halbleitersektor. Bei den Einzelwerten gerät die Paramount-Aktie unter Druck.
Trotz erneuter Spannungen zwischen den USA und dem Iran geht es an der Wall Street am Donnerstag erneut nach oben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte 0,3 Prozent höher bei 52.520 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,7 Prozent auf 7534 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte um knapp neun Prozent auf 26.115 Stellen zu. „Die Anleger konzentrierten sich wieder auf die vermeintlichen Dauerläufer aus dem KI- und Halbleitersektor“, resümierte Andreas Lipkow, Chefanalyst vom Broker CMC Markets. „Die großen Player bringen aktuell das meiste Kampfgewicht für die optimistischen Investoren auf die Waage und können einen Großteil der Kriegsangst und Bedenken abfedern.“
Der US-Index für den Chipsektor sprang um 4,4 Prozent nach oben. Für gute Stimmung sorgte unter anderem der Kurssprung von 6,5 Prozent bei Micron. Der Speicherchipkonzern weitet seine Investitionspläne wegen der rasant steigenden Nachfrage zum zweiten Mal binnen weniger Monate aus.
Auch die Preise am Ölmarkt, die am Mittwoch um rund 4,5 bis fünf Prozent nach oben geschossen waren, zeigten Anzeichen einer Stabilisierung. Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verbilligten sich um rund zwei bis 2,5 Prozent auf 76,16 und 72,09 Dollar je Fass (159 Liter). „Die Märkte unterstellen derzeit, dass geopolitische Risiken zwar kurzfristig für Schwankungen sorgen, ihre wirtschaftlichen Folgen aber überschaubar bleiben“, sagte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.
UBS Global erwartet „holprigen“ Weg zu Nahost-Abkommen
Der Iran hat nach eigenen Angaben US-Militäreinrichtungen in benachbarten Golfstaaten angegriffen und damit das vor drei Wochen vereinbarte Waffenstillstandsabkommen an den Rand des Scheiterns gebracht. Die Angriffe erfolgten als Reaktion auf US-Luftschläge gegen iranische Küsten- und Ostprovinzen am Mittwoch. Mark Haefele, Chefanleger beim Vermögensverwalter UBS Global, zeigte sich jedoch gelassen. „Der Weg zu einem dauerhaften Friedensabkommen dürfte zwar holprig werden“, sagte der Experte. „Wir glauben jedoch auch, dass beide Seiten weiterhin einen Anreiz haben, die Straße von Hormus offen zu halten.“
Für Gesprächsstoff bei den Einzelwerten sorgte unter anderem Paramount mit einem Minus von fast fünf Prozent. Der Medienkonzern hatte mitgeteilt, die 110 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Warner Bros Discovery nicht vor dem 22. Juli abschließen zu wollen, womit sich die Frist um eine Woche verschiebt. Hintergrund ist eine Untersuchung im US-Bundesstaat Oregon.
Aus den Depots flogen auch die Titel von PepsiCo, die rund 3,5 Prozent einbüßten. Die starke Nachfrage nach zuckerfreien Limonaden hat dem Getränkeriesen im zweiten Quartal Auftrieb gegeben. Der Umsatz stieg um 6,4 Prozent auf 24,18 Milliarden Dollar, Analysten hatten mit 23,95 Milliarden Dollar gerechnet. Das Geschäft mit Snacks in Nordamerika schwächelte allerdings.
Unter Druck gerieten auch IBM und Microsoft mit Einbußen von rund 2,5 und einem Prozent. Starbucks wolle teure Geschäftssoftware durch eigene KI-Anwendungen ersetzen, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Dies schürte an der Börse Sorgen über einen neuen Trend. Die Aktien des IBM- und Microsoft-Rivalen Salesforce verloren zwei Prozent.
Die Titel von Levi Strauss begaben sich indes auf Richtungssuche und legten um gut ein Prozent zu. Im früheren Handelsverlauf hatten sie trotz einer angehobenen Prognose fast acht Prozent eingebüßt. Ins Plus drehten auch die Titel von Meta. Die Papiere des Internetkonzerns rückten um knapp zwei Prozent vor, nachdem sie zuvor bis zu 4,3 Prozent verloren hatten. Reuters hatte unter Berufung auf ein internes Memo berichtet, dass der Facebook-Mutterkonzern ab September einen eigenen KI-Chip herstellen will. Zudem baut Meta sein erstes Rechenzentrum in Kanada.
