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Politik

Paraguay: Die Bankenkrise wird zur Staatskrise

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerNovember 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.11.2026 • 10:29 Uhr

In Paraguay zieht die Krise um die Ueno Bank immer weitere Kreise: Weil Präsident Peña die Risiken zu lange ignorierte, leitete das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren ein. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Anne Herrberg

Um 13:16 Uhr Ortszeit stellt Paraguays Präsident Santiago Peña ein Video auf seine Social-Media-Kanäle – er bezeichnete dies später als einen der schwersten Momente seines Lebens.

„Ich habe die Entscheidung getroffen, von meinem Amt als Präsident der Republik zurückzutreten. Ich tue dies im Hinblick auf die Stabilität unseres Landes, den sozialen Frieden und die Notwendigkeit, unsere demokratischen Institutionen zu bewahren.“

Amtsenthebungsverfahren gegen Peña

Minuten nach seiner Ankündigung stimmten die Abgeordneten Paraguays einstimmig für die Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn. Und vor dem Kongress protestierten wütende Bürger, die seit Dienstag keinen Zugang zu ihren Ersparnissen hatten.

„Es ist wirklich eine Schande“, sagt eine Frau. „Wir müssen auf die Straße gehen und nicht nur fordern, dass Peña ins Gefängnis kommt, sondern auch der Zentralbankchef. Die gesamte Bande, die zugelassen hat, dass es so weit gekommen ist, muss ins Gefängnis!“

Sehr einflussreiche Bank

Paraguay steckt in einer schweren Krise. Der Sturz des 47-jährigen Präsidenten, ein Ökonom, der seit 2023 im Amt ist, folgt auf den Zusammenbruch der Digitalbank Ueno.

Innerhalb von drei Jahren war sie von einem einfachen Geldverleiher zu einer der bedeutendsten Banken in Paraguay aufgestiegen, modern, digital, mit bedienungsfreundlicher App. 2023 wurde Ueno Sponsor der paraguayischen Fußball-Nationalmannschaft. Heute zählt sie 2,9 Millionen Kunden, mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung Paraguays – auch Rentenzahlungen wurden über sie abgewickelt.

„Gesetze erlassen, die den Eigentümern der Bank zugute kamen“

Vermutungen, dass diesem Aufstieg durch öffentliche Gelder und einflussreiche Kontakte nachgeholfen wurde, gibt es schon lange. Präsident Peña ernannte den ehemaligen Präsidenten von Ueno, Carlos Carvallo, zum Leiter der Zentralbank.

Bis März vergangenen Jahres war Peña selbst noch Anteilseigner der Unternehmensgruppe, wie Luis Ortiz, Soziologe von der Nationalen Universität in Asunción, erklärt. „Er hat Gesetze erlassen und Maßnahmen ergriffen, die letztendlich den Eigentümern, Direktoren und Aktionären der Bank zugute kamen.“

Riskante Kreditvergabe

Lokale Medien berichteten über Ungereimtheiten bei der Kreditvergabe. Peña wies Vorwürfe möglicher Interessenkonflikte stets zurück. Doch die Nähe der Bank zur Politik weckte Misstrauen, das durch einen Machtkampf um die Führung der Colorado-Partei, die in Paraguay seit fast 80 Jahren – mit kurzer Unterbrechung – an der Macht ist, zusätzlich befeuert wurde.

Abgeordnete um den einflussreichen Ex-Präsidenten und aktuellen Parteichef Horacio Cartes forderten eine Überprüfung durch die Aufsichtsbehörden. Es stellte sich heraus: Die Bank verfügt nicht über das vorgeschriebene Eigenkapital – darauf leitete die Zentralbank ein Abwicklungsverfahren ein.

Peña erklärte bei seiner Rücktrittsankündigung, das Ersparte der Bürger sei sicher, das Finanzsystem stabil: „Ich habe heute nur eine Priorität: den Frieden unserer Bürger, die ihr Erspartes unserem Finanzsystem anvertraut haben.“

Bei Amtsenthebung nicht vor Verfolgung geschützt

Doch die Verunsicherung ist groß. Die Krise ist ein Rückschlag für ein Land, das zuletzt immer attraktiver für Investoren wurde. Geprägt von großer Armut und Korruption, erhielt Paraguay erst kürzlich Lob für seine Reformen, die Wirtschaft wuchs 2025 um mehr als sechs Prozent. Am Donnerstagabend erklärte der Kongress, er werde Peñas Rücktritt nicht annehmen, denn dadurch würde er parlamentarische Immunität erhalten und wäre vor Strafverfolgung geschützt.

Wird er des Amtes enthoben, sieht das anders aus, erklärt Myrian Gonzalez von Paraguays Nationaler Universität. „Sollte es jedoch zu einem Verfahren gegen ihn kommen – etwa weil er infolge eines politischen Urteils seines Amtes enthoben wird -, dann ist er in einer ähnlichen Lage wie jeder andere Bürger auch: Er ist für sein Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen und kann schneller vor Gericht gestellt werden.“

Gerüchte, dass Pena vorhabe, das Land zu verlassen, wurden laut der New York Times vom Büro des Präsidenten dementiert.

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Dr. Heinrich Krämer
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