Das Foto mit dem „Refugees welcome here“-Schild stammt aus London und wurde bereits 2016 aufgenommen. Auf dem Original ist eine andere Frau zu sehen; in der verbreiteten Fassung wurde ihr Kopf durch eine Darstellung der Frau aus dem Pariser Supermarktvideo ersetzt. Unser Vergleich der eingereichten Bildcollage mit der Originalaufnahme bei Alamy zeigt die Veränderung.
Die Collage stellt links eine Frau bei einer Demonstration und rechts die Frau vor dem geplünderten Supermarkt gegenüber. Damit soll der Eindruck entstehen, dieselbe Person habe zunächst für die Aufnahme von Geflüchteten demonstriert und erlebe nun die Folgen ihrer eigenen Haltung. Im ebenfalls eingereichten Facebook-Screenshot wird die Gegenüberstellung als verdiente Quittung dargestellt. Doch der angebliche Beleg für diese politische Zuschreibung wurde manipuliert.
Das Originalfoto wurde 2016 in London aufgenommen
Die britische Faktencheck-Redaktion Full Fact dokumentierte die Montage am 23. Oktober 2026 und verlinkte das ursprüngliche Demonstrationsfoto. Wir haben die dort genannte Originalquelle geöffnet und das Foto selbst mit der eingereichten Fassung verglichen.
Alamy führt die Aufnahme unter der Bildnummer G4KTA0. Das Foto stammt von Dominic Lipinski und wird von PA Images angeboten. Als Aufnahmedatum ist der 18. Juni 2016 angegeben. Laut Bildbeschreibung entstand es bei einer Demonstration nahe der französischen Botschaft in Knightsbridge, London. Anlass war die verweigerte Einreise eines Hilfskonvois für Geflüchtete und Migranten im Lager von Calais.
Beim Vergleich sind dieselben schräg übereinanderstehenden Plakate und dieselbe Haltung der Hände am Holzstab zu erkennen. Auch der dunkle Pullover mit dem bunten Stoff darüber stimmt überein. Der entscheidende Unterschied liegt am Kopf: Im Original hat die abgebildete Person kurze, lockige Haare. In der verbreiteten Fassung trägt sie stattdessen das schwarze Stirnband mit der aufgesetzten Sonnenbrille, das auch rechts im Bildpaar zu sehen ist. Das Gesicht wurde ebenfalls ersetzt. Welches Bearbeitungsprogramm dafür verwendet wurde, lässt sich aus dem Vergleich nicht feststellen.
Die Frau vor dem Supermarkt ist kein erfundener Bildinhalt
Rechts in der Collage ist die Frau aus einer echten Pariser Videoszene zu sehen. Die Montage verändert das Demonstrationsfoto auf der linken Seite. Die Aufnahme vor dem Supermarkt wird dadurch nicht zur Fälschung.
Über die falschen Geschichten rund um die Frau haben wir bereits in unserem Faktencheck vom 22. Oktober berichtet. Dabei ging es unter anderem um die Behauptung, sie sei eine bekannte Asylaktivistin und habe ihren eigenen Laden verteidigt. Der damalige Beitrag erläutert die Recherchen zur echten Szene und die fehlenden Belege für diese Zuschreibungen.
Der hier geprüfte Fotobeleg ist dagegen nachweislich manipuliert. Daraus folgt keine gesicherte Aussage darüber, welche politische Haltung die Frau aus dem Pariser Video tatsächlich hat. Das gefälschte Demonstrationsfoto kann ihre angebliche Teilnahme an dieser Kundgebung nicht belegen.
Full Fact – Sian Bayley
23. Oktober 2026
Mimikama – Tom Wannenmacher
22. Oktober 2026
Dominic Lipinski / PA Images, via Alamy
18. Juni 2016 (Aufnahmedatum)
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
