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Pisa-Ergebnisse historisch mies: Bildungsexperte Zorn: Das müssen wir von Kanada lernen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Pisa-Ergebnisse historisch miesBildungsexperte Zorn: Das müssen wir von Kanada lernen

08.09.2026, 12:48 Uhr Von Max Patzig
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Beim Rechnen verzweifeln immer mehr Schülerinnen und Schüler in Deutschland. (Foto: picture alliance/dpa)

Das schlechte Abschneiden in der Pisa-Studie bereitet Bildungsministerin Prien Sorgen. Ein Experte schätzt die Lage leicht anders ein: Besorgniserregend sind in seinen Augen vor allem zwei Punkte, die für diese Ergebnisse sorgen.

Deutschland schneidet in der aktuellen Pisa-Studie so schlecht ab, wie nie zuvor. Die Schüler nähern sich immer mehr dem Durchschnitt aller 91 teilnehmenden OECD-Länder an. Trotz der „ernüchternden“ Ergebnisse solle man nicht in Alarmismus verfallen, sagt Dirk Zorn, Bildungsdirektor bei der Bertelsmann-Stiftung. Die Leistungen sind grundsätzlich zurückgegangen, auch der Durchschnitt hat sich über die Jahre abgesenkt, sagt er im Gespräch mit ntv.de

„Besonders besorgniserregend“, so Zorn, „ist die anhaltend starke soziale Ungleichheit: In Deutschland erklärt die soziale Herkunft 19 Prozent der Leistungsunterschiede in den Naturwissenschaften.“ In Kanada seien es nur sechs Prozent, im OECD-Schnitt zwölf Prozent. Nur in Luxemburg und der Slowakei gebe es solch große Unterschiede wie hierzulande. „Zwischen sozial begünstigten und benachteiligten Jugendlichen liegen 125 Punkte. Ein Bildungssystem darf sich mit einem solchen Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg nicht abfinden.“

Kanada habe Deutschland in einem weiteren Punkt etwas voraus, konstatiert Bildungsexperte Zorn. In dem nordamerikanischen Staat gebe es nicht so große Unterschiede zwischen zugewanderten und einheimischen Schülerinnen und Schülern. Während die Leistungsunterschiede beider Gruppen in Deutschland „weiterhin sehr groß“ seien, sollen sie in Kanada „praktisch nicht“ gegeben sein. „Hohe Leistungsfähigkeit, gesellschaftliche Vielfalt und Chancengerechtigkeit können also zusammengehen.“

„Daten allein helfen nicht“

Der Stiftungsdirektor sagt, dass bekannt sei, was zu tun ist: Man müsse grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Bereichen Sprache, Mathematik und dem Sozialverhalten „systematisch stärken“ und Förderbedarfe bei Schülern früh erkennen. Zudem sollten Schulen in herausfordernden Situationen „gezielt unterstützt“ und die Lehrkräfte „mit wirksamen Instrumenten und Beratung ausgestattet“ werden.

„Entscheidend ist, dass aus einer Diagnose auch tatsächlich Förderung folgt. Daten allein helfen keinem Kind“, so Zorn. „Deutschland braucht eine Bildungsverlaufsstatistik, mit der Programme auf ihre Wirksamkeit überprüft und Ressourcen bedarfsgerecht verteilt werden können.“ Seit dem ersten Pisa-Schock im Jahr 2000 seien „viele richtige Konzepte und erfolgreiche Modelle entstanden“, sagt Zorn. Deutschland nahm in jenem Jahr zum ersten Mal an der Studie teil und erzielte unterdurchschnittliche Ergebnisse.

An Daten über Probleme im Bildungsbereich mangele es demnach nicht. Bei der Umsetzung von hilfreichen Maßnahmen beklagt der Experte jedoch eine fehlende Konsequenz. „Bildungspolitik reagiert noch zu häufig mit zeitlich begrenzten Einzelprogrammen“, klagt Zorn. „Gute Bildung entsteht aber durch verlässliche Ziele, bedarfsgerechte Ressourcen und gemeinsames Lernen aller Akteure über viele Jahre.“

21 Billionen Euro mehr Wohlstand möglich

Dass sich der Invest in die Bildung lohnt, hat das Team um Zorn sogar in einer eigenen Studie vom Ifo-Institut ausrechnen lassen: Die Bertelsmann-Stiftung erwartet einen zusätzlichen Wohlstand in Höhe von 21 Billionen Euro innerhalb von 80 Jahren, wenn das Programm „Bessere Bildung 2035“ der ehemaligen Kultusministerinnen Theresa Schopper aus Baden-Württemberg, Stefanie Hubig aus Rheinland-Pfalz und Karin Prien aus Schleswig-Holstein umgesetzt würde. Letztere ist derzeit Bundesbildungsministerin.

Prien selbst nennt die neuen Pisa-Ergebnisse einen „ohne jeden Zweifel besorgniserregenden Befund“. Die schlechten Werte, die sich bereits in anderen Bildungsstudien gezeigt haben, seien nicht überraschend, aber das mache es „keinen Deut besser“, sagt die Ministerin.

„Pisa sollte kein Anlass für kurzfristige Hektik und Presse-Statements sein, sondern für langfristige Entschlossenheit“, erklärt Bildungsexperte Zorn. Er fordert: „Wir brauchen weniger immer neue Reformankündigungen und mehr gemeinsame Anstrengung, um das, was nachweislich hilft, zuverlässig bei jedem Kind ankommen zu lassen.“

Die Bertelsmann-Stiftung werde den Blick darauf richten, wie das Bildungssystem mit den Ergebnissen umgeht. „Werden reflexartig neue Maßnahmen beschlossen, oder lernen Ministerien, Schulaufsichten, Unterstützungssysteme und Schulen gemeinsam daraus? Veränderungsfähigkeit muss zu einer dauerhaften Eigenschaft des Systems werden, unabhängig von einzelnen Programmen und Personen.“

Quelle: ntv.de

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