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Politik

Polarisierend und entschlossen: UniCredit-Chef Andrea Orcel

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Porträt

Stand: 08.07.2026 • 09:00 Uhr

Die UniCredit legt heute das finale Angebot für die Commerzbank vor. Der Kopf hinter der Übernahmeschlacht ist der Chef der italienischen Großbank, Andrea Orcel. Wer ist dieser Banker?

Von Jörg Seisselberg, ARD-Hauptstadtstudio

Andrea Orcel beschäftigt sich schon lange mit dem Thema. Der Chef der italienischen UniCredit, der alles daran setzt, die Commerzbank zu erobern, hat in den 1980er-Jahren seine Diplomarbeit geschrieben zum Thema: „Feindliche Übernahmen“. Vor Studierenden in Mailand erzählte Orcel im vergangenen Sommer, worauf es seiner Ansicht ankommt, um im Job erfolgreich zu sein. Ja, Talent spiele eine Rolle, meinte Orcel, aber „entscheidend ist Entschlossenheit“.

Seine Kritiker halten dem 63-Jährigen vor, er kombiniere Entschlossenheit auch mit Tricksereien. Als Beispiel gilt der Beginn des Kampfes um die Übernahme der Commerzbank. Nach Angaben aus Berliner Beamtenkreisen ließ Orcel die Bundesregierung im Unklaren darüber, dass die UniCredit sich parallel zum Aktienkauf in Berlin noch andere Commerzbank-Anteile gesichert hatte.

UniCredit will finales Angebot vorlegen

Seit Monaten spitzt sich der Kampf um die Commerzbank zu, nun will die UniCredit das finale Ergebnis ihres Übernahmeangebots veröffentlichen. An diesem Mittwoch sollen neue Zahlen der Großbank aus Mailand zeigen, wie viele Aktionäre das Angebot für einen Aktientausch angenommen haben.

Zuletzt hielt die UniCredit nach eigenen Angaben einen Anteil von rund 40 Prozent an der Commerzbank.

Der „Hai der Finanzwelt“ pflegt sein Image

Die amerikanische Zeitschrift Fortune nennt Orcel den „am meisten polarisierenden Banker Europas“, für das deutsche Magazin Capital ist der UniCredit-Chef der „Hai der Finanzwelt“. Das häufig selbstbewusste Auftreten des Italieners befeuert dieses Image. Orcel selbst sagte über sich bei Bloomberg TV: „Wenn ich etwas sehe, über das andere Leute sagen, das sei unmöglich, zu viel Herausforderung, das sei kaputt – dann sehe ich Möglichkeiten, Chancen, Potenzial“.

Den Aufschwung der UniCredit verkauft Orcel gern als seinen Erfolg. Unbestritten ist, dass die Bilanz des Mailänder Geldhauses besser ist, seit Orcel 2021 die Führung übernommen hat. Zur Wahrheit gehört aber, dass ein Teil der Sanierungsarbeit bereits sein Vorgänger Jean Pierre Mustier erledigt hat.

Mit Ehrgeiz zum steilen Aufstieg

Orcel pflegt sein Image als Aufsteiger, der sich nach oben gearbeitet hat, ohne von irgendjemandem protegiert zu werden. Gerne erzählt der Sohn eines mittelständischen Unternehmers aus Rom die Geschichte, wie er nach seinem Wirtschaftsstudium dem Einstieg in die Finanzwelt der Londoner City geschafft hat. Über 100 Bewerbungsbriefe habe er geschrieben, sagt Orcel. „Auf 90 habe ich nicht mal eine Antwort erhalten. Bei zehn wurde ich zu einem Gespräch eingeladen, einer hat mir eine Chance gegeben“.

Die Midland Bank ließ den jungen Orcel festverzinsliche Wertpapiere handeln. Bei der Investmentbank Merril Lynch in New York stieg er später zum beachteten Deal-Spezialisten auf. Über die Bank of America und die Schweizer UBS wollte Orcel dann zu Banco Santander nach Spanien wechseln. Die Aktionäre aber stellten sich quer, wegen der ihrer Ansicht nach zu hohen Vergütung für Orcel. Anschließend klappte es für ihn mit dem Chefsessel bei der UniCredit, wo der gebürtige Römer im vergangenen Jahr über 16 Millionen Euro verdiente.

Mit Ehrgeiz und Eitelkeit an die Weltspitze

Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnet den stets edel gekleidete Orcel – Erkennungszeichen ist fast immer eine rote Krawatte – als „Cristiano Ronaldo der Finanzwelt“. Weil er zu den anerkannt Besten seiner Branche gehört. Aber auch wegen seiner Eitelkeit und seines Ehrgeizes. Orcel brauche den Commerzbank-Deal für sein Ego, soll laut der Süddeutschen Zeitung ein nicht namentlich genannter europäischer Bankchef gesagt haben. Orcel selbst wird nicht müde zu betonen, ihm gehe es bei der angestrebten Übernahme der Commerzbank auch um die Zukunft des europäischen Bankensystems.

„Man redet immer von einem Europa, das mit den Vereinigten Staaten, China und den anderen Wirtschaftsblöcken mithalten kann“, sagte Orcel vergangenes Jahr in einer Podiumsdiskussion vor Bank-Gewerkschaftern in Mailand. Ohne Banken sei es unmöglich, dieses Ziel zu erreichen. Denn, so Orcel, „die Bank ist das finanzielle Benzin für Wirtschaft und Industrie“. In Europa aber hätten wir bislang nur „Zwergbanken“. Welche die von Orcel erträumte erste paneuropäische Riesen-Bank werden soll, davon hat er eine klare Vorstellung: seine UniCredit.

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Dr. Heinrich Krämer
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