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Politik

Bäckerei-Insolvenzen im ersten Halbjahr um 40 Prozent gestiegen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 8, 2026Keine Kommentare2 Minuten Lesezeit
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Stand: 08.07.2026 • 09:23 Uhr

Die Menschen in Deutschland kaufen Brot, Brötchen und andere Backwaren immer häufiger im Supermarkt oder beim Discounter statt in klassischen Bäckereien. Das macht vielen traditionellen Betrieben zu schaffen – und viele müssen aufgeben.

Die Zahl der Pleiten von Bäckereien hat deutlich zugenommen. Im ersten Halbjahr meldeten der Auskunftei Creditreform zufolge bundesweit 63 Betriebe Insolvenz an – 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Erfasst sind dabei Unternehmen aus dem Wirtschaftszweig „Herstellung von Backwaren“, also Bäckereien und Konditoreien, die selbst backen und verkaufen. Verkaufsfilialen ohne eigene Herstellung sind nicht enthalten.

Betroffen waren laut Creditreform auch größere Bäckereiketten wie die Mecklenburger Backstuben GmbH, die Bäcker Lampe GmbH & Co. KG, die Keim & Brecht OHG sowie die Bäckerei Kayser GmbH.

Zahlen spiegeln Strukturwandel wider

Die aktuelle Entwicklung sei kein kurzfristiges Phänomen, sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. „Bereits seit 2023 beobachten wir auch in dieser Branche ein erhöhtes Insolvenzgeschehen.“ Die Zahlen spiegelten einen tiefgreifenden Strukturwandel wider.

Weil sich die Konsumgewohnheiten geändert hätten, gerate das klassische Bäckerhandwerk zunehmend unter Druck, so Hantzsch. „Viele Verbraucher, auch aus höheren sozialen Schichten, kaufen Backwaren heute an Backstationen im Supermarkt oder beim Discounter, häufig verbunden mit dem Wocheneinkauf.“

Traditionellen Fachgeschäften gehe so wichtige Laufkundschaft verloren. Vor allem kleinere, inhabergeführte Betriebe gerieten durch steigende Kosten, wachsenden Preiskampf und sparsame Konsumenten ins Hintertreffen, erklärt der Experte.

Backstationen gewinnen Marktanteile

Das zeigt auch eine Auswertung des Marktforschungsunternehmens YouGov. Demnach haben Bäckereien in den vergangenen Jahren in Deutschland Marktanteile eingebüßt. Denn Supermärkte und Discounter haben ihr Angebot deutlich ausgebaut. Viele Filialen sind mit Backstationen ausgestattet, bei einzelnen Ketten sogar fast alle.

Nach Angaben von YouGov entfielen im ersten Quartal 70 Prozent der verkauften Mengen an Brot und anderen Backwaren auf den Lebensmitteleinzelhandel. Das dürfte auch mit den Preisen zusammenhängen. Wie andere Lebensmittel sind auch Brot, Brötchen und andere Backwaren sowie Rohstoffe wie Mehl seit 2020 teurer geworden. In Bäckereien müssen Kundinnen und Kunden meist mehr zahlen als im Supermarkt.

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