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Startseite»Nachrichten»Posse um Nagelsmann: Warum Klopp (dennoch) der beste Bundestrainer aller Zeiten wird
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Posse um Nagelsmann: Warum Klopp (dennoch) der beste Bundestrainer aller Zeiten wird

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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15.06.2026 | 19:02 Uhr

Jürgen Klopp hat sich nach dem überzeugenden Auftaktsieg der DFB-Elf bei Julian Nagelsmann sehr authentisch entschuldigt. Eines Tages wird ihm diese sympathische Art wohl auch beim DFB helfen.

„Das Unwort meines Jahres habe ich bereits gefunden: Das ist ’noch‘. Ich hätte mir dafür aufs Maul hauen können, aber da war es schon zu spät und ich war im Fernsehen. Jetzt ist es flapsig rausgerutscht und es hat gar keine Relevanz. Ich hoffe, dass das alle da draußen verstehen. Was ich festgestellt habe, ist: Ich werde übermorgen 59 und bin immer noch dämlich. Wir sind komplett auf eurer Seite. Was auch immer ihr damit macht, aber nichts kommt von uns, was den Ablauf stören soll.“

Man muss Jürgen Klopps Worte Auge in Auge mit Bundestrainer Julian Nagelsmann direkt nach dem 7:1-Sieg im Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curacao nicht zu hoch hängen – aber man sollte sie auch nicht als bloße Selbstverständlichkeit abtun. Die Art und Weise dieser öffentlichen Entschuldigung zeigt nicht nur wahre Größe, sondern vor allem auch ein intuitives, nicht gekünsteltes Verständnis für eine angemessene Reaktion auf die hohen Wellen, die ein einziges Wort in den vergangenen Tagen medial geschlagen hat.

Jürgen Klopp hat etwas, dass man (leider) nicht lernen kann: Er ist ein klassischer Menschenfänger. Sein Auftreten hat stets eine solche Unbeschwertheit und Leichtigkeit, die immer wieder aufs Neue verblüfft. Tatsächlich erinnert Klopp dabei an Franz Beckenbauer, über den fast ausnahmslos alle heute noch sagen, dass er die Menschen einfach durch seine ihm eigene Art von sich beeindrucken und für sich einnehmen konnte. Beckenbauer hat auf eine seltsam faszinierende Weise stets in sich geruht.

Klopp revolutionierte schon 2006

Dass er dabei, ähnlich wie Klopp, durchaus auch einmal durch eine „flapsige“ Bemerkung für Irritationen sorgen konnte, gehörte dazu. Die „Lichtgestalt des deutschen Fußballs“ machte aus seinem Herzen und seinen Gedanken nie eine Mördergrube. Und gerade das machte Beckenbauer, wie man heute sagt, so authentisch. Denn die Menschen wissen, dass man in einer gewissen Situation und Lage auch einmal etwas machen und sagen kann, das man vielleicht besser so nicht getan hätte. Aber wenn es direkt aus dem Herzen kommt, kann das schon einmal passieren. Die Hauptsache dabei ist aber: Es darf nicht aufgesetzt und unnatürlich wirken!

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Aktuell steht Jürgen Klopp als TV-Experte vor der Kamera. Und genau so, wie er als Trainer wirkte und agierte, füllt er jetzt seinen Job als Part eines unterhaltsamen Expertenteams aus. Wie schon 2006 an der Seite von Moderator Johannes B. Kerner. Damals revolutionierte er mit Ex-Schiri Urs Meier die TV-Landschaft. Nun zeigt er auf eine solch lockere und ungekünstelte Art und Weise zusammen mit Thomas Müller, dass die Messlatte für Experten-Talks im Fußball jahrelang in Deutschland (wieder einmal) viel zu tief hing.

Auch ein Klopp macht Fehler

Was das alles mit einer möglichen Zukunft des Jürgen Klopp als Bundestrainer zu tun hat? Vermutlich eine ganze Menge. Und wer daran Zweifel hat, dem sei ein Blick in die herausragende ARD-Dokumentation „Elf Helden – ein Albtraum“ über die Weltmeisterschaft 1994 in den USA aus der Sicht der deutschen Nationalmannschaft empfohlen. Man sollte niemals Menschen miteinander vergleichen – das ist erstens unfair und führt zweitens zu nichts -, aber die Fähigkeit durch ein komplett natürliches, authentisches Verhalten eine möglichst große Gruppe hinter sich zu vereinen, ist gerade für einen Bundestrainer ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Sportlich wird es sicherlich auch unter einem möglichen DFB-Chefcoach Klopp immer wieder etwas zu diskutieren geben – denn auch ein Jürgen Klopp macht Fehler, wie man spätestens an seinem flapsigen Moment bei der WM wieder einmal gesehen hat -, aber man darf vermuten, dass er genau diese Situationen wie immer charmant und locker abmoderieren wird. Und das ist so wichtig bei diesem höchsten Traineramt in Deutschland.

Jürgen Klopp darf man abnehmen, dass seine Worte an Julian Nagelsmann – und damit an die ganze deutsche Fußballgemeinde – ehrlich gemeint waren und dass er wie alle Fußballfans im Land hofft, dass die Nationalmannschaft möglichst viel bei diesem WM-Turnier erreicht. Bei seinem Abschied damals in Dortmund hat Jürgen Klopp einen wunderbaren Satz gesagt: „Es ist nicht wichtig, was man über einen denkt, wenn er kommt, sondern wenn er geht.“ Und dieser Satz gilt nun in diesen Tagen nicht nur für Klopps Einsatz als TV-Experte, sondern natürlich auch für Julian Nagelsmann. Denn jetzt wünschen sich alle deutschen Fußballfans erst einmal gemeinsam, dass der aktuelle Bundestrainer schon recht bald einen WM-Pokal in die Höhe recken kann.

Verwendete Quelle: ntv.de

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