Nach dem Einschlag einer Rakete in Polen hat die NATO dem Land Unterstützung zugesichert. Generalsekretär Rutte sprach von einem weiteren rücksichtslosen Akt Russlands. Das Bündnis hatte als Reaktion Kampfjets aufsteigen lassen.
Das Eindringen eines mutmaßlich russischen Marschflugkörpers in den polnischen Luftraum hat auch die NATO alarmiert. Generalsekretär Mark Rutte teilte nach einem Gespräch mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk mit, das Bündnis stehe in Solidarität mit Polen und werde die Verteidigungsbereitschaft weiter stärken. Der Vorfall sei ein weiterer rücksichtsloser Akt Russlands und eine gefährliche Folge des Krieges gegen die Ukraine.
Der Sprecher des militärischen NATO-Hauptquartiers im belgischen Mons sagte, das Bündnis stehe wegen der Verletzung des polnischen Luftraums in engem Kontakt mit den polnischen Behörden. Auch Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich sei involviert. Er habe mit dem polnischen Generalstabschef Wiesław Kukuła gesprochen und diesem versichert, das Militärbündnis werde „weiter alle nötigen Schritte unternehmen, um NATO-Gebiet zu verteidigen“.
Den Angaben zufolge hatten sowohl Polen als auch die NATO als Reaktion auf das Eindringen der Rakete Luft- und Bodenverteidigungsfähigkeiten aktiviert. So seien unter anderem zwei polnische Kampfjets vom Typ F-16, ein NATO-Tankflugzeug vom Typ Airbus A330, ein polnisches Saab-340-Frühwarnflugzeug sowie ein polnischer Hubschrauber vom Typ Mi-24 alarmiert und eingesetzt worden.
Polen: Wohl russischer Marschflugkörper
Das Geschoss war in einem unbewohnten Gebiet im Osten des Landes eingeschlagen. Die polnischen Behörden entdeckten dort einen zehn Meter großen Krater. Anwohner hatten zuvor eine laute Explosion gehört. Die Einschlagstelle liegt laut Polizei etwa 80 bis 90 Kilometer entfernt von der Grenze zur Ukraine.
Regierungschef Tusk zufolge handelte es sich wahrscheinlich um einen russischen Marschflugkörper vom Typ Ch-101 – darauf deuteten die Trümmerteile hin. Tusk sprach von einem „sehr ernsten“ Vorfall, betonte jedoch, es gebe „absolut keinen Grund zu glauben, dass Polen das Ziel war“.
Er sagte weiter, die polnische Luftverteidigung hätte den Flugkörper abgeschossen, wäre er von seiner Flugroute abgekommen und auf bewohnte Gebiete zugesteuert. Neben dem Marschflugkörper sei ein weiteres „Objekt“ in der Nähe der Grenze in den polnischen Luftraum eingedrungen, habe aber keine Schäden verursacht.
Merz wirft Russland Rücksichtslosigkeit vor
Nach Angaben des NATO-Sprechers war die Rakete eine von vielen, die Russland in der Nacht auf die Ukraine abgefeuert hatte. Zum Typ äußerte er sich nicht.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte den Vorfall in einer Internet-Kurznachricht als eine „inakzeptable Verletzung“ des Luftraums der EU. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warf Russland „Rücksichtslosigkeit“ vor.
