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Rechtsstreit endet mit Vergleich: Krebserregendes Babypuder? US-Firma zahlt Milliarden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 29, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Rechtsstreit endet mit VergleichKrebserregendes Babypuder? US-Firma zahlt Milliarden

Dieses Babypuder ist so nicht mehr auf dem Markt. 2020 stellte J&J den Verkauf von Puder mit Talkum in den USA ein und ersetzte es durch ein Produkt auf Maisstärkebasis. (Foto: REUTERS)

Etliche Klägerinnen werfen Johnson & Johnson vor, durch die Verwendung seiner talkumbasierten Babypuder-Produkte an Eierstockkrebs erkrankt zu sein. Der US-Pharmakonzern streitet einen Zusammenhang vehement ab – zahlt jetzt aber dennoch eine Milliardensumme.

Nach mehr als zehn Jahren Rechtsstreit über angeblich krebserregendes Babypuder zieht Johnson & Johnson (J&J) einen milliardenschweren Schlussstrich. Der US-Pharmakonzern zahlt schätzungsweise 5,5 Milliarden Dollar, um Zehntausende Klagen beizulegen, wie das Unternehmen mitteilte.

Der Vergleich umfasst rund 76.000 Fälle, in denen Klägerinnen dem Konzern vorwerfen, durch die Verwendung seiner talkumbasierten Babypuder-Produkte an Eierstockkrebs erkrankt zu sein. Damit sind fast alle verbleibenden Talkum-Klagen gegen das Unternehmen abgedeckt. J&J hatte bereits die meisten Verfahren beigelegt, in denen dem Konzern vorgeworfen wurde, sein Talkum enthalte Asbest und verursache Mesotheliome.

Die Gesamtsumme des Vergleichs könnte allerdings noch höher ausfallen. Da er keine Obergrenze vorsieht, könnten die Zahlungen je nach Zahl der Teilnehmerinnen auf sieben Milliarden Dollar oder mehr steigen, sagte Klägeranwalt Chris Seeger. J&J will 2027 zunächst drei Milliarden Dollar zahlen, weitere Auszahlungen sollen 2028 folgen. Damit die Einigung wirksam wird, müssen 95 Prozent der Klägerinnen zustimmen.

J&J-Anwalt Erik Haas bekräftigte, die Vorwürfe seien unbegründet. Der Konzern wolle den langjährigen Rechtsstreit nun jedoch endgültig beenden. J&J weist seit Jahren zurück, dass das verwendete Talkum Asbest enthalte und Krebs verursache. Den Verkauf talkumbasierten Babypuders in den USA hatte J&J bereits 2020 eingestellt und durch ein Produkt auf Maisstärkebasis ersetzt.

Gemischte juristische Bilanz

Dem Vergleich waren mehrere juristische Erfolge für J&J vorausgegangen. Erst in der vergangenen Woche hatte ein US-Bundesrichter Zweifel daran geäußert, ob die Klägerinnen nachweisen können, dass das Talkum tatsächlich die Ursache ihrer Krebserkrankung war. Mehr als drei Jahre lang hatte der Pharmariese vergeblich versucht, die Klagewelle über die Insolvenz einer eigens dafür gegründeten Tochtergesellschaft abzuwickeln. Diese Strategie scheiterte jedoch vor Gericht.

Vor diesen Insolvenzversuchen war die juristische Bilanz von J&J in den Talkum-Prozessen gemischt ausgefallen: Neben einem milliardenschweren Urteil zugunsten von 22 Frauen hatte das Unternehmen einige Prozesse gewonnen oder in der Berufung eine Reduzierung der Schadensersatzsummen erreicht.

Im Gegensatz zu den Insolvenzplänen deckt die nun erzielte Einigung keine künftigen Klagen ab. Laut Klägeranwalt Seeger steht den Betroffenen dadurch mehr Geld zur Verfügung. Zudem würden die Zahlungen beschleunigt, sodass alle Forderungen innerhalb von 18 Monaten beglichen werden, statt sie über mehr als ein Jahrzehnt zu strecken.

Quelle: ntv.de, fzö/rts

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