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Startseite»Nachrichten»Rettungskräfte suchen weiter: Im Erdbebebgebiet La Guira riecht es nach Tod
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Rettungskräfte suchen weiter: Im Erdbebebgebiet La Guira riecht es nach Tod

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Rettungskräfte suchen weiterIm Erdbebebgebiet La Guira riecht es nach Tod

Spürhunde helfen bei der Suche nach Verschütteten. (Foto: via REUTERS)

Nach dem Erdbeben in Venezuela gibt es kaum noch Hoffnung, dass sich unter den Trümmern noch Überlebende finden. Die Rettungsarbeiten laufen dennoch weiter. Mehr als 47.000 Menschen werden noch vermisst.

Nach den Erdbeben in Venezuela breitet sich im Katastrophengebiet La Guaira der Geruch verwesender Leichen aus. „Der Geruch ist ein Anzeichen dafür, dass noch Leichen unter den Trümmern liegen“, schrieb am Wochenende die Menschenrechtsorganisation Provea auf X. Offiziell liegt die Zahl der Todesopfer bislang bei 1450, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte. Rund 3200 Menschen sind demnach verletzt worden. 

In dem südamerikanischen Land beginnt der fünfte Tag der Rettungsarbeiten. Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Rund 30.000 venezolanische Einsatzkräfte sowie 2700 Rettungsexperten aus 24 Ländern sind im Einsatz. Auch ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) ist dabei. 

„Heute haben wir Überlebende geborgen, daher werden die Rettungsarbeiten nicht eingestellt“, sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez gestern. Laut Experten sinken die Überlebenschancen der Verschütteten nach 72 Stunden – also drei Tagen – stark. Auch nach 86 Stunden konnten internationale Teams allerdings noch eine Sechzigjährige in Caraballeda in La Guaira bergen, wie der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, mitteilte. 

Regierung überprüft, ob Gebäude bewohnbar sind

Nach der jüngsten Schadensbilanz wurden rund 780 Wohnhäuser sowie 38 Krankenhäuser zerstört oder schwer beschädigt. Auch Einkaufszentren und andere öffentliche Gebäude sind demnach eingestürzt – insgesamt rund 2500 Wohngebäude und andere Einrichtungen. Nach den Beben der Stärke 7,2 und 7,5 am frühen Mittwochabend (Ortszeit) wurden mindestens 430 Nachbeben verzeichnet.

Mehr als 70.000 Familien sind nach der Katastrophe auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zahlreiche Menschen schlafen im Freien oder in Notunterkünften. Die Präsidentschaft hat eine Sonderkommission eingerichtet, um das Maß der Schäden und die Bewohnbarkeit der Gebäude zu überprüfen.

Laut einer inoffiziellen Plattform für die Suche nach Vermissten werden derzeit noch mehr als 47.000 Menschen vermisst – anfangs waren fast 79.000 Vermisstenmeldungen eingegangen. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen. Menschen suchen auch nach den Namen ihrer Angehörigen auf Listen von Überlebenden, die sich etwa in Notunterkünften befinden. 

Kritik an Präsidentin – und Rückkehrwunsch von Oppositionsführerin

Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der größten Migrationskrisen der Welt. Im Januar führte Washington einen Militäreinsatz im Land durch, bei dem der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen wurde. Die derzeitige Staatschefin war Vizepräsidentin in der Maduro-Regierung.

In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der geschäftsführenden Präsidentin laut. Nachdem sie am Freitag bei einem Rundgang in der Hauptstadt Caracas ausgebuht worden war, wurde sie am Sonntag in sozialen Netzwerken wegen eines protokollarischen Treffens mit internationalen Rettungsteams kritisiert. „Jede Sekunde zählt. Jede Sekunde. Dennoch hält die Regierung von Delcy Rodríguez die Rettungskräfte für eine politische Handlung von ihrer Arbeit ab“, schrieb der regierungskritische Journalist Orlando Avendaño auf X.

Die Oppositionspolitikerin María Corina Machado kündigte an, dass sie angesichts der Erdbeben in ihre Heimat zurückkehren möchte. „Auf jeden Fall, die Zeit ist gekommen“, sagte sie dem US-Sender Fox News. 

Laut einem Bericht der „New York Times“ hält die US-Regierung allerdings einen solchen zeitnahen Schritt für unangebracht. Im vergangenen Dezember war die bis dahin im Untergrund lebende Politikerin heimlich aus Venezuela ausgereist, um den Friedensnobelpreis in Oslo persönlich entgegenzunehmen. Kurz darauf, als sie bereits im Ausland war, wurde Machthaber Maduro gefangen genommen. Nun arbeitet Washington mit der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez eng zusammen.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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