Russische Angriffe in der Nacht, etwa auf die Hafenstadt Odessa, offenbaren erneut die Schwäche der ukrainischen Flugabwehr. Nach gegenseitigen Attacken werden auf beiden Seiten Tote gemeldet.
Russland hat in der Nacht die ukrainische Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer angegriffen. Dabei sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj acht Menschen verletzt und Teile der Hafeninfrastruktur beschädigt worden.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Ukraine berichtete zudem über einen russischen Angriff auf Wohngebäude in Charkiw in der Ostukraine, bei dem zwei Menschen getötet und mindestens 21 verletzt wurden.
Odessa und sein Hafen sind ein wichtiges Drehkreuz für die Agrarexporte der Ukraine. „Auf diese Weise führen die Russen Krieg gegen die weltweite Ernährungssicherheit“, mahnte Selenskyj.
Luftverteidigung kann nichts ausrichten
ARD-Korrespondent Thilko Gläßgen berichtet aus Kiew, dass es dort in der vergangenen Nacht keinen Luftalarm gegeben habe – anders als in vielen vergangenen Nächten. „In Odessa hingegen fast dreieinhalb Stunden Luftalarm. Dort griff Russland die Stadt mit 17 ballistischen Raketen an“, sagte er bei tagesschau24.
Der Angriff auf Odessa habe zudem erneut die derzeit größte Schwäche der Ukraine offenbart: „Von diesen ballistischen Raketen wurde wie auch in den vergangenen Nächten keine einzige abgewehrt. Die Abwehrquote erneut null Prozent.“
Können die USA den ukrainischen „Patriot“-Bedarf bedienen?
Präsident Selenskyj hatte zuletzt mehrfach mehr Unterstützung von den Verbündeten gefordert, insbesondere durch die Lieferung von „Patriot“-Raketen, die zur Abwehr ballistischer Raketen aus Russland benötigt werden.
Nun stehe laut Selenskyj eine neue Lieferung aus den USA bevor, berichtet Gläßgen. „Allerdings, das hat er auch direkt dazu gesagt und eingeschränkt, die reichen nicht aus.“ Schätzungen zufolge brauche die Ukraine monatlich mindestens 140 Raketen dieses Typs. Jedoch berichten US-Medien, dass die USA infolge des Iran-Kriegs selbst über kaum mehr Reserven verfügen.
Angriffe auch in Sumy
Nach Informationen des ARD-Korrespondenten Gläßgen wurde in Odessa vor allem der Nahverkehr der Stadt getroffen, der auch am Vormittag weiterhin nicht fahre. „Zum anderen ist auch der Strom großflächig in der Stadt ausgefallen“, berichtet Gläßgen. Gestern sei bereits ein Fußballstadion in Odessa getroffen worden.
Nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums haben die Streitkräfte zudem den Hafen der Stadt Tschornomorsk angegriffen, der sich rund 20 Kilometer südlich vom Hafen in Odessa befindet. Zudem seien in nahegelegenen Ortschaften Treibstofflager getroffen worden. Diese seien für die Versorgung des ukrainischen Militärs genutzt worden, hieß es aus Moskau.
Auch in der nordostukrainischen Region Sumy will Russland Ölförderanlagen angegriffen haben.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Offenbar Tote bei ukrainischen Gegenangriffen
Auch die Ukraine griff erneut Russland an. Laut russischen Behörden der Stadt Belgorod wurden bei einem Drohnenangriff in der Nacht drei Menschen getötet und 25 weitere verletzt.
Der Gouverneur der Region, Alexander Shuvayev, erklärte laut der Nachrichtenagentur Reuters, der Angriff habe Brände in zwei Wohnhäusern ausgelöst, die später von den Rettungskräften gelöscht worden seien. Er sagte, eine große Anzahl von Wohn- und Nichtwohngebäuden sei beschädigt worden. Bilder in sozialen Netzwerken ließen auf mehrere Brände in der Stadt schließen, die etwa 30 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt liegt.
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, es habe mehr als 150 ukrainische Drohnen über dem europäischen Teil des Landes sowie über der Krim, dem Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer abgeschossen.
