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Schnell, komfortabel, exotisch: Alpine A390 GTS – viel Power aus Nordfrankreich

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 17, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Schnell, komfortabel, exotischAlpine A390 GTS – viel Power aus Nordfrankreich

17.06.2026, 08:12 Uhr Von Patrick Broich, Mailand
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Die neue Alpine A390 besticht durchaus mit sportlichem Chic. Der Mattlack steht ihr ausgezeichnet zu Gesicht. (Foto: Alpine)

Mit der GTS-Variante der A390 bringt Alpine einen richtigen Kracher in Crossover-Form. ntv.de war mit dem dreimotorigen Topmodell unterwegs. An Fahrspaß mangelt es bei der Nutzung dieses Nordfranzosen jedenfalls nicht.

Alpine bekommt langsam, aber sicher eine kleine Modellfamilie zusammen. Und nachdem die A390 als GT bereits hier und dort aufploppt – in Deutschland wurden bisher rund 100 Exemplare zugelassen -, befand sich das Topmodell bisher noch hinter dem Vorhang. Zumindest, was das Fahren angeht. Und jetzt also GTS. Hinter dem in der Automobilszene traditionellen Begriff (Gran Turismo Super) verbergen sich nicht weniger als drei starke Elektromaschinen, die gemeinsam nicht nur 470 PS freisetzen, sondern auch 824 Newtonmeter. Und so wird aus der Familienkutsche auf Wunsch plötzlich ein wilder Racer. Nicht so wild zwar, dass er unbedingt auf den Track gehörte, wie Alpine hier in Mailand demonstrieren wollte, aber Wolf im Schafspelz – so abgedroschen diese Floskel inzwischen auch sein mag – trifft es schon ziemlich präzise.

Also, auf gehts mit dem zumindest hierzulande eher nischig angelegten Gran Turismo im Family-Format. Und der sieht als Alpine A390 recht schnittig aus mit seinem Kuppeldach inklusive Trikolore, der markant zugepfeilten Front sowie einem fließend ausklingenden Heck. Kommt noch der Mattlack „Thunder Grey“ dazu, präsentiert sich der sportliche Charakter dieses Fahrzeugs quasi wie auf dem mattsilbernen Tablett serviert.

Doch der Allradler kann nicht bloß sportiv sein. Fällt man in die ordentlich ausgeformten Sportsessel hier mit feinem Nappalederbezug, breitet sich gefühlt sofort wohliger Komfort aus. Dass diese Fauteuils auch noch massieren, hätte man sich fast denken können. Und ja, ein Gran Turismo darf ja auch durchaus gemütliche Züge haben.

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Eigentlich ist das Crossover ein recht kompaktes Fahrzeug. (Foto: Alpine)

Die A390 GTS kann richtig schnell sein

Aber wie fährt er überhaupt? Und natürlich fällt der Fokus schnell auf die Lenkung im Kontext mit drahtigen PS-Monstern. Wie lenkt das Crossover ein? Wie verhält es sich bei hohen Kurventempi? Und wie verhalten sich seine 21-Zöller andererseits auf unebenen Straßen?

Was zuerst auffällt, ist, dass sich der Franzose betont leichtfüßig anfühlt. Ein Blick in das Datenblatt zeigt, dass er zwar schwer, aber eben nicht so schwer ist: 2,1 Tonnen. Das ist freilich nicht wenig Holz für ein 4,62 Meter langes Gefährt irgendwo zwischen großer Kompakt- und kleiner Mittelklasse rangierend. Und dann, nach zwei oder drei dynamisch genommenen Biegungen, muss die wildeste Dreineunzig zeigen, dass sie auch anstromen kann, und zwar gehörig. Mit dem roten OV-Knopf am Lenkrad (steht für Overtaking) wäre der Boost aktiviert. Anschließend legt der Allradler so richtig los. Wer möchte, darf sogar einen Launch-Start hinlegen und das Nach-vorn-Preschen mit Sound untermalen. Braucht man das? Nein.

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Beleuchtete Schriftzüge werden zwar gerade inflationär eingesetzt, aber sehen dennoch fein aus. (Foto: Alpine)

Nur fürs Protokoll: Wenn der Hinterkopf an die Kopfstütze knallt, soll nach 3,9 Sekunden Landstraßentempo anliegen. Außerdem rennt das sanfte Biest exotischerweise 220 Sachen in der Spitze – aktuell sind ja die meisten elektrisch angetriebenen Fahrzeuge deutlich langsamer unterwegs.

Man muss sagen, dass den Ingenieuren aus Dieppe, wo die Alpine A390 in guter Tradition auch gebaut wird, ein feiner Kompromiss zwischen gepflegter und zugleich sportlicher Gangart gelungen ist. Womöglich mag der sanfte Einschlag durch die hydraulischen Anschlagpuffer ihrer Dämpfer kommen. Dass die Alpine gut quer kann, dürfte jedenfalls auf die beiden Heckmotoren zurückzuführen sein. Da beide Hinterräder über jeweils ein Aggregat verfügen, lässt sich mittels aktivem Torque-Vectoring viel Dynamik herausholen. Denn weil die Antriebsräder unabhängig voneinander angesteuert werden, kann man durch gezielte Drehmomentverteilung Einfluss auf das Giermoment nehmen, mit dem sich das Fahrzeug in Richtung Hochachse manövrieren lässt.

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Innen sieht die Alpine A390 verdächtig nach Renault aus. (Foto: Alpine)

Erste Alpine mit großem Gepäckraum

Und sonst? Ist die Alpine klar verwandt mit etlichen Renault-Baureihen, wie man unschwer am Instrumentarium erkennen kann. Die berühmte umgedreht liegende „L“-Einheit mit den Displays für Kombiinstrument und Mittelkonsole sorgt auch hier für intuitive Bedienung und gute Versorgung mit Informationen. Nur, dass der Schwerpunkt ein anderer ist. So lassen sich beim zweitschnellsten Stromer des Konzerns Dinge wie Querbeschleunigung oder Motortemperatur ablesen. Was man eben so braucht, wenn man zügig auf Landstraße oder Track unterwegs ist.

Wobei die A390 schon eher feiner Personentransporter als Tracktool ist. Platz ist nämlich ein großes Thema bei diesem Auto. Nicht nur die Beinfreiheit im Fond geht schwer in Ordnung, auch das Kofferraumvolumen glänzt mit bis zu 1643 Litern. Das ist angesichts der Fahrzeugklasse üppig.

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Wer diesen Knopf drückt, erlebt die Alpine A390 GTS so richtig nach vorn marschierend. (Foto: Alpine)

Woran Alpine noch arbeiten muss, ist definitiv die Ladeperformance. Wenn ein Auto, das mit 78.000 Euro Grundpreis in der Liste steht, noch auf einer 400-Volt-Basis steht, wird es argumentativ dünn. Zumal sogar das neue Konzerngewächs aus der Transporter-Welt namens Renault Trafic bald 800 Volt haben wird. Ja, mit der modifizierten Elektro-Pkw-Plattform, auf deren Grundform auch der verwandte Nissan Ariya aufbaut, ist schon mehr Schwung in das Ladegeschehen gekommen. Alpine verspricht, die 89 kWh große Batterie binnen „unter“ 27 Minuten von 15 auf 80 Prozent bringen zu können mit einem Peak von rund 200 kW. Aber schon die nebulöse Formulierung lässt auf eher träges Laden schließen, was ntv.de zu einem späteren Zeitpunkt noch herausfinden muss.

Und auch mit der Effizienz ist es weniger weit her, als man vermuten würde. Denn vorn kommt ein elektrisch erregter Synchronmotor zum Einsatz, den die Elektronik einfach bei Bedarf oder vielmehr Nichtbedarf herunterregeln kann, ohne große Schleppmomente überwinden zu müssen. Allein – bei 80 Prozent Batterieladestand fällt die Reichweite unter Realbedingungen bereits auf unter 400 Kilometer. Doch was solls, dann muss auf der Langstrecke eben ein Ladestopp mehr eingeplant werden. Gelegenheit, die futuristische Alpine ein paar weitere Minuten länger anzuschauen, deren extravagant gezeichnetes Heck den Betrachter mit dem LED gewordenen „Alpine“-Schriftzug anstrahlt.

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Genügend Platz zum kommoden Reisen hält die Alpine A390 selbst im Fond bereit mit ihren 2,71 Metern Radstand. (Foto: Alpine)

Wie oft der ausgefallene Performance-Tourer in Deutschland strahlen wird, bleibt abzuwarten. Gegen die Platzhirsche von BMW oder Mercedes in diesem Segment kommt man hierzulande eben nicht so einfach an. Aber ist ja auch ganz schön, ein Auto zu fahren, das nicht an jeder zweiten Ecke steht.

Quelle: ntv.de

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