Schwarzer Tag für Alphabet US-Anleger verlieren den KI-Optimismus
Nach unbefriedigenden Zahlen der Google-Mutter Alphabet stürzt die Aktie um 13 Prozent ab und zieht die wichtigsten US-Indizes mit. An der Wall Street wachsen die Zweifel, ob sich die Kosten für den weltweiten KI-Ausbau rentieren werden.
Nach enttäuschenden Zahlen des Google-Mutterkonzerns Alphabet machen sich an der Wall Street wieder Sorgen über steigende Kosten für Künstliche Intelligenz breit. Alle drei großen Indizes gaben nach, wobei der technologielastige Nasdaq die größten Verluste verzeichnete. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent im Minus bei 52.342 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 fiel um 0,3 Prozent auf 7720 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sackte um 1,4 Prozent auf 26.184 Punkte ab.
Die Alphabet-Aktien brachen um fast 13 Prozent ein, der Börsenwert schrumpfte um rund 460 Milliarden Dollar. Es war einer der größten Marktkapitalisierungsverluste eines Einzelunternehmens an einem einzigen Tag in der Geschichte. Der Konzern war operativ in die roten Zahlen gerutscht, wegen schwächelnder Werbeeinnahmen enttäuschte zudem der Umsatz. Der negative Free Cash Flow verdoppelte sich nahezu.
Seit Wochen treibt Anleger die Sorge um, dass sich schuldenfinanzierte KI-Ausgaben immer schwerer rechtfertigen lassen. Die Ankündigung des US-Börsengangs von Anthropic hatte am Montag nur für eine kurze Atempause gesorgt. „Auslöser für diese manisch-depressiven Stimmungsschwankungen ist der Umstand, dass es rund um den Ausbau der KI ein Ökosystem gibt, das zunehmend fremdfinanziert ist“, sagte Trevor Slaven, globaler Leiter der Asset-Allokation bei Barings. „Obwohl dies in vielerlei Hinsicht die potenziellen wirtschaftlichen Gewinne im Laufe der Zeit steigert, erhöht es auch den Hebel und bringt damit ein wenig mehr Risiko in das System.“
Aktien von Microsoft gaben um 0,2 Prozent nach. Zwar erwirtschaftete der Konzern mit 18,6 Milliarden Dollar einen doppelt so hohen Mittelzufluss wie erwartet. Medienberichten zufolge ist aber geplant, durch einen Anleiheverkauf mindestens 25 Milliarden Dollar einzunehmen, was die Freude über makellose Zahlen wieder dämpfte.
Papiere von Speicherchipherstellern gerieten nach einem verhaltenen Ausblick von Samsung unter Druck. Die Anleger reagierten enttäuscht, da das südkoreanische Branchenschwergewicht die Entscheidung über künftige Ausschüttungen an die Aktionäre auf Januar verschob.
Die Aussicht auf einen milliardenschweren Zukauf drückte die Aktien von Marvell Technology um mehr als 13 Prozent. Medienberichten zufolge gibt es fortgeschrittene Verhandlungen über den Kauf des Herstellers von Optikkomponenten für Rechenzentren, Lumentum Holdings. Analysten von Bernstein zufolge würde eine Übernahme dieser Größenordnung wahrscheinlich eine zusätzliche Finanzierung erfordern und könnte Herausforderungen bei der Integration mit sich bringen. I
Anleger blickten zudem auf Wirtschaftsdaten: Trotz steigender Inflation zeigen sich die US-Amerikaner weiter konsumfreudig. Ihre Ausgaben legten im September um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kletterte im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um überraschend kräftige 3,4 Prozent. Das von der US-Zentralbank besonders beachtete Inflationsmaß, der auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher zugeschnittene PCE-Index, stieg im September exakt wie von Analysten erwartet. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Fed im Dezember die Zinsen erhöhen wird – es wäre der zweite Schritt nach der ersten Anhebung seit rund drei Jahren im September.
