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Sehnsucht nach Problemlosigkeit: Was Menschen am Impressionismus fasziniert

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 26, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Sehnsucht nach ProblemlosigkeitWas Menschen am Impressionismus fasziniert

Das Gemälde „Lise mit dem Sonnenschirm“ von Auguste Renoir ist in der Ausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“ in der Alten Nationalgalerie in Berlin zu sehen. (Foto: picture alliance/dpa)

Einfach schön, diese Farben. Museen setzen immer wieder auf Ausstellungen zum Impressionismus. Warum schaut man die Bilder auch nach einem Jahrhundert so gerne an?

Eine Frau mit Sonnenschirm, Heuhaufen im Abendlicht oder die weltberühmten Seerosen im Teich – kaum eine Kunstrichtung ist so bekannt wie der Impressionismus. Mehrere Ausstellungen widmen sich derzeit der Epoche, und die Kunstwelt begeht in diesem Jahr auch den 100. Todestag des Malers Claude Monet (1840-1926). Warum schauen Menschen auch heute noch gerne impressionistische Werke an?

Die Direktorin der Alten Nationalgalerie in Berlin, Anette Hüsch, erkennt dafür mehrere Gründe. „Man sieht erst einmal wunderbare Farbwelten, die einfach viele Menschen als angenehm empfinden.“ Mit der Entfernung zum Bild ändere sich auch die Seherfahrung. Aus größerer Entfernung erkenne man ein Motiv, aber wenn man näher an das Bild herantrete, sehe man eine Farbsymphonie. Dieser Umgang mit dem Motiv, mit dem Sehen an sich, mit Lichtstimmung und Atmosphäre, „das ist ja etwas, was uns jeden Tag in unserem eigenen individuellen Dasein begegnet“.

Viele Menschen hätten auch schon Bilder im Kopf, wenn sie an den Impressionismus denken, etwa die Mohnfelder von Monet. Die Impressionisten seien ins Freie gegangen – man denke etwa auch an Monets Seerosen, seine Ansichten von Kathedralen und Brücken oder die bekannten Heuhaufen, die er in vielen Varianten gemalt habe.

„Das sind einfach Motive, die ganz viel mit der Sehnsucht nach Naturverbundenheit, nach Klarheit, auch nach Problemlosigkeit zu tun haben“, sagt Hüsch. Dabei seien auch diese Werke in einer Zeit entstanden, die überhaupt nicht spannungsfrei gewesen sei. Bis heute könne man mit den Motiven abtauchen und etwas Kraft tanken.

Nach Einschätzung des Instituts für Museumsforschung, dem jährlich Besuchszahlen deutscher Museen gemeldet werden, sind impressionistische Ausstellungen oft gut besucht. „Wenn eine Sonderausstellung zum Impressionismus läuft, sind die Zahlen relativ hoch“, sagt Direktorin Patricia Rahemipour. Ihrer Meinung nach liegt das auch daran, dass viele Menschen schon mal etwas vom Impressionismus gehört haben.

Man möchte sich nicht unwissend fühlen

Viele Bilder seien in das kulturelle Gedächtnis eingegangen. Den Stil kenne man häufig bereits und fremdele deshalb nicht mit ihm. Auch in Fernsehdokumentationen oder immersiven Ausstellungen, in denen man mithilfe von Projektionen in eine Bilderwelt abtaucht, sei der Impressionismus ein Thema. „Es hat einen hohen Wiedererkennungseffekt und dann fühlt man sich auch gleich besser und sicherer in einer Ausstellung.“

„Man darf ja auch nicht vergessen, dass ich als Besucherin nicht nur den Anspruch habe, etwas zu lernen“, sagt sie. „Sondern ich möchte mich ja auch gut fühlen.“ Meistens fühle man sich in einer Umgebung unwohl, wenn man nicht wisse, wie man sich benehmen solle, viel falsch machen könne und es viele Leute gebe, die einem erklärten, was eigentlich zu sehen sei.

Man möchte sich also nicht unwissend fühlen? „Genau“, sagt Rahemipour. Weil viele schon mal etwas vom Impressionismus gehört haben, haben sie einen Anknüpfungspunkt. Rahemipour selbst ist Archäologin und sagt, dass auch archäologische Ausstellungen aus diesem Grund oft gut funktionieren, eben weil Menschen viele Vorstellungen davon hätten.

Wo man Impressionismus sehen kann

Auch in Deutschland kann man Werke im Original betrachten. Die Alte Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel zeigt derzeit die Ausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“. Der Kunsthändler Paul Cassirer (1871-1926) stellte in seinem Berliner Kunstsalon schon früh die Impressionisten aus, die damals noch gar nicht so beliebt waren.

Mit Werken etwa von Monet, Édouard Manet (1832-1883) und Auguste Renoir (1841-1919) vermittelt die Ausstellung auch etwas darüber, wie der Kunsthandel funktioniert. Denn ob sich bestimmte Künstler durchsetzen und ob sich eine Kunstrichtung etabliert, liegt auch wesentlich daran, ob die Künstlerinnen und Künstler gefördert und ihre Werke gesammelt werden.

Das Museum Barberini in Potsdam widmet sich derzeit dem Künstler Paul Signac (1863-1935) und dem Neoimpressionismus. Zuvor war dort eine Ausstellung über Max Liebermann (1847-1935) und den Impressionismus in Deutschland zu sehen. Das Frankfurter Städel zeigte zuletzt „Monets Küste – Die Entdeckung von Étretat“.

Den Eindruck, dass es besonders viele Ausstellungen zum Impressionismus gibt, kann Rahemipour nicht bestätigen. Die Zahl sei relativ konstant. Oft bekämen die Ausstellungen aber viel Aufmerksamkeit, etwa in den Medien. Manche kennen die Werke auch aus dem Urlaub. In Paris zum Beispiel kann man den Impressionisten im Musée d’Orsay, im Musée Marmottan oder im Musée de l’Orangerie nachspüren.

Heute kopieren Apps den Stil

Dass Künstler im 19. Jahrhundert zunehmend auf diese Art malen konnten, lag auch an der Entwicklung tragbarer Staffeleien und neuer Farben. Oft wirken die Bilder leicht. Für Hüsch signalisiert das scheinbar so rasch und leicht Hingemalte einmal mehr, dass die Bilder von Menschenhand geschaffen wurden.

„Unsere Sehgewohnheiten sind inzwischen durch so viele Filter gegangen“, sagt Hüsch. Heutzutage könne man alles am Rechner herstellen. Zudem gebe es Apps, die Fotos in vermeintlich impressionistische Werke verwandeln.

Die Besonderheit eines Museumsbesuchs sei, vor einem Original zu stehen, sagt Hüsch. Licht und Schatten sowie die pastose Malweise seien unmittelbar wahrnehmbar. Man erkenne die Höhen und Tiefen des Farbauftrags und könne das Werk von verschiedenen Seiten betrachten. Damit mache man die Erfahrung, die auch die Künstler damals gemacht hätten, als sie vor ihren Gemälden gestanden hätten.

Quelle: ntv.de, Julia Kilian, dpa

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