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Startseite»Nachrichten»Slava Ukraini!: Aus der Echokammer direkt ins „Blendfeuer“
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Slava Ukraini!: Aus der Echokammer direkt ins „Blendfeuer“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Slava Ukraini!Aus der Echokammer direkt ins „Blendfeuer“

20.06.2026, 12:27 Uhr Von Thomas Badtke
Tokyo-Japan-June-11-2026-A-view-through-a-modern-underground-parking-garage-featuring-marked-parking-spaces-traffic-lanes-and-a-parking-guidance-system-The-photo-shows-the-underground-parking-infrastructure-of-a-building-complex-with-organized-traffic-lanes-and-parking-spaces-for-motor-vehicles-Blick-durch-eine-moderne-Tiefgarage-mit-markierten-Stellplaetzen-Fahrgasse-und-Parkleitsystem
In einer Tiefgarage fallen Schüsse. (Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie)

Erschreckend realistisch und politisch brisant: Während des Nationalfeiertags wird in Oslo ein Mann in einer Tiefgarage regelrecht hingerichtet. Gleichzeitig explodiert über der Ostsee ein Militärflugzeug mit einer ukrainischen Spezialeinheit an Bord. Ein Anschlag der Russen?

„An der Vergangenheit können wir nichts ändern, die Zukunft hingegen können wir beeinflussen.“ Wer hat’s gesagt? Waldemar Greger. Waldemar wer? Greger, seines Zeichens norwegischer Regierungschef, zumindest in der Politthrillerserie um die beiden Ermittler der Sicherheitspolizei Benjamin und Tong des norwegischen Bestsellerautors Ingar Johnsrud. „Der Auftakt der Trilogie, „Echokammer“, schlug bereits ein wie eine Bombe, so erschreckend realistisch war der Plot um rechten Terror und politische Ränkespielchen. Der Nachfolger „Blendfeuer“ setzt noch eins drauf.

Als am norwegischen Nationalfeiertag die Straßen Oslos von Menschen gesäumt sind, tritt ein Unbekannter auf den Plan und erregt die Aufmerksamkeit der Polizei: einmal mit Rucksack unterwegs, dann plötzlich ohne, die Basecap tief ins Gesicht gezogen. Liselott Benjamin jagt den Mann, verfolgt ihn bis in die Tiefgarage eines Hotels in der Innenstadt. Dann fallen Schüsse. Der Mann ist tot. Regelrecht hingerichtet – und Benjamin kam zu spät.

Und immer noch eins draufgesetzt

Der Fall wird noch brisanter, als ein paar Geheimdienstler am Tatort auftauchen und die Ermittlungen an sich reißen. Sie sind dem Verteidigungsministerium unterstellt, Benjamin und ihr Partner Martin Tong als Ermittler der Sicherheitspolizei (PST) dem Justizministerium. Das Opfer scheint Litauer zu sein. Seine „Hinrichtung“ erinnert an das Vorgehen des russischen Auslandsgeheimdienstes.

Als dann noch die Explosion einer norwegischen Militärmaschine über der Ostsee, mit einer ukrainischen Spezialeinheit an Bord, bekannt wird, scheint die Spur nach Moskau konkreter zu werden. Aber was hätten die Russen davon? Vor allem vor dem Hintergrund, dass unter der Ägide Norwegens, angeführt durch Regierungschef Greger, in Oslo streng geheime Friedensverhandlungen zwischen führenden russischen und ukrainischen Vertretern stattfinden. Nichts darf nach außen an die Öffentlichkeit dringen. Nichts darf die Russen dazu veranlassen, die Gespräche abzubrechen.

Das sieht zumindest Regierungschef Greger so. Er wittert den ganz großen Coup – und für sich einen ruhmreichen Platz in den Geschichtsbüchern. Notfalls müssten die Ukrainer vielleicht sogar „zu ihrem Glück“ gezwungen werden? Entweder ein „Frieden“ mit Russland, oder die Militärunterstützung wird gestrichen. Diese Drohung existiert natürlich nur hinter vorgehaltener Hand. Sie ist ein Gerücht, reine Spekulation.

There’s a new Cop in town

Aber die Drohung und Gregers mögliche Absichten dahinter ergeben für Jens Meidel durchaus Sinn. Er ist gerade erst zum Justizminister ernannt worden, die Aufstellung als Vizechef der regierenden Arbeiterpartei steht zudem kurz bevor. Und seiner Meinung nach hat die Ukraine Besseres verdient als einen solchen von Greger erträumten Diktatfrieden. „Slava Ukraini“ („Ruhmreiche Ukraine“) ist für Meidel keine leere Worthülse.

Mithilfe der PST und vor allem der beiden Ermittler Benjamin und Tong versucht er Licht in das Dunkel um die Leiche in der Tiefgarage und den Flugzeugabsturz zu bringen. Keine einfache Angelegenheit, zumal er mit der Chefin des Nachrichtendienstes, amtierende Verteidigungsministerin, ein sexuelles Verhältnis hat. Sie ist zudem verheiratet, Mutter zweier Kinder und ebenfalls neben Meidel Co-Vize der Arbeiterpartei. Wenn das keinen politischen Sprengstoff birgt?

„Du musst den Fokus auf das große Ganze richten.“ Auch das ein Satz von Regierungschef Greger, gerichtet an Meidel. Greger weiß: Meidel ist ehrgeizig, ja machthungrig. Aber geht er über Leichen? Greger zieht an den passenden Fäden, um den Emporkömmling auszubremsen. Aber das kann auch nach hinten losgehen – und ungeahnte Folgen haben.

Welche das sein könnten? Um das zu erfahren, müssen Sie zu „Blendfeuer“, erschienen bei Droemer Knaur und Argon, greifen. Als Hörbuch brillant inszeniert von Tim Gössler und dessen markant in den Bann ziehenden Stimme. Sein Name ist ein Prädikat für Thriller-Hörbücher voller hochbrisanter, brandaktueller Themen, wie etwa eben der Erstling der Reihe „Echokammer“, oder auch Tibor Rodes „Animal“ eindrucksvoll zeigen. Es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man sagt, dass das Duo Johnsrud/Gössler zum Besten gehört, was das Thema Politthriller angeht.

Und nur mal so, ein kleines Gedankenexperiment: Was wäre denn, wenn die Russen wirklich hinter der Exekution in der Tiefgarage und dem Absturz des norwegischen Militärflugzeugs stecken? Wie sähe dann das „große Ganze“ aus? Ließe sich die Zukunft dann überhaupt noch beeinflussen?

Quelle: ntv.de

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