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Politik

So schützen Kleingärten vor Hitze

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 25, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 25.07.2026 • 09:47 Uhr

Natürliche Klimaanlagen bei Hitze: Kleingärten können die Temperaturen ihrer Umgebung um mehrere Grad senken. Gerade in urbanen Räumen gewinnen sie an Bedeutung – auch als Speicher von Kohlenstoff.

Von Rebecca Nordin Mencke, MDR

Für Stadtplaner könnten Kleingärten künftig Teil kritischer Klimainfrastruktur werden. Der kühlende Effekt im Sommer ist zwar bei großen Parks, Friedhöfen und vor allem Wäldern noch deutlicher. Aber auch Kleingärten bieten messbaren Schutz gegen urbane Hitzeinseln, wie zuletzt das Econics Institute feststellte.

Neben der Größe der Anlage ist dabei entscheidend, wie sie bewirtschaftet wird. Besonders vorteilhaft: naturnahes Gärtnern, große Bäume, wenig Versiegelung. Wie das gelingen kann, zeigt der Dresdner Kleingartenverein Aronia.

Hier dürfen sich nicht nur Brennnesseln über mehrere Quadratmeter ausbreiten. Geschwungene Wege sollen natürliche Strukturen fördern. Statt klar abgetrennter Bereiche für Beerensträucher und Gemüse wächst hier neben- und miteinander, was gut zusammenpasst. Der Kleingartenverein setzt bewusst auf naturnahes Gärtnern. Künstliche Dünger, Pestizide und Torf sind tabu.

Mit naturnahem Gärtnern Wasser sparen und Klima schützen

„Wir gärtnern mit der Natur, nicht gegen sie“, betont Vorstand Sven-Karsten Kaiser. Das sei Natur-, Umwelt- und Klimaschutz zusammen. Mulchen sei dabei eine der zentralen Strategien, erklärt Kaiser. Die Bedeckung aus Pflanzenverschnitt schützt den Boden vor dem Austrocknen. Das spart Wasser und damit Kosten, aber hilft eben auch den Pflanzen und der Ernte. „Wenn die Feuchtigkeit raus ist aus dem Boden, ist für das Bodenleben auch nichts mehr los. Dann fliehen die Würmer und die Mikroorganismen in tiefere Bodenschichten.“

Ein Problem, das mit zunehmenden Hitzewellen an Bedeutung gewinnt. Der Klimawandel werde künftig noch viel mehr Kleingärtner dazu zwingen, Techniken wie das Mulchen und Beschattungen anzuwenden, ist Kaiser überzeugt. Dabei sind Kleingärten nicht nur selbst betroffen von der Hitze. Gerade in Städten können sie an heißen Tagen wie eine Klimaanlage wirken. „Wenn es größere Kolonien sind, sind das schon ein paar Grad, die das in den Oberflächentemperaturen ausmacht“, fasst der Ökologe Pierre Ibisch von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde zusammen.

Mit dem Econics Institute analysierte er anhand von Satellitenbildern, wie sich Grünflächen bundesweit auf die Kühlung oder etwa auf Niederschläge auswirken. Kleingärten bezeichnet der Forscher als Oasen gleich in mehrerlei Hinsicht: „Das gilt für die Pufferung von Temperaturextremen, für die Wasserspeicherung und auch für die biologische Vielfalt.“

Wie Stadtplanung Kleingärten strategisch nutzen kann

Das Potenzial von Kleingärten könnte sogar noch größer sein, betont Ibisch. Er sieht die Stadtplanung in der Pflicht, sich „mit der Realität der Heißzeit“ zu befassen. „Da sind Kleingärten ein ganz wichtiger Baustein für die strategische Entwicklung von kühlenden Elementen in Städten.“

Immerhin 867.092 Kleingärten zählt der Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschland – mit einer Gesamtfläche von 44.000 Hektar. Flächen, die weit mehr bieten können als Erholung und Selbstversorgung.

Humusreiche Böden speichern besonders viel Kohlenstoff

Neben der Kühlung sehen Studien noch weitere positive Effekte der städtischen Oasen. Untersuchungen der Humbold-Universität in Berlin zufolge sind Kleingärten der wichtigste natürliche Kohlenstoffspeicher der Bundeshauptstadt. Während durchschnittlich 91,6 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar in Böden und Vegetation gespeichert waren, waren es in Kleingärten fast 200 Tonnen pro Hektar – mehr als in Forst, Park oder Landwirtschaft.

Bäume und Sträucher konnten in den Kleingärten zwar vergleichsweise wenig Kohlenstoff speichern, die humusreichen Böden dafür umso mehr. Gerade die gärtnerische Nutzung fördere das, so die Studie.

Auch Naturfreunde lassen nicht jedes Beikraut stehen

In Dresden hoffen die naturnahen Gartenfreunde auf viele Nachahmer. In der benachbarten Kleingartenanlage freut sich Vorsitzende Ines Schlatter bereits, auf das Wissen von nebenan zurückgreifen zu können. „Ich kann einfach immer fragen und lerne unheimlich viel, wenn ich da hingehe“, sagt sie. Andere Kleingärtner sind mitunter skeptischer, fürchten, dass sich zu viel Unkraut ausbreitet.

Dabei wird im KGV Aronia nicht jedes Beikraut stehen gelassen, erklärt Vorstand Kaiser. „Es ist eine gezielte Auswahl.“ Denn Erträge zu erzielen ist auch hier wichtig.

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